MOTORWELT

ID.4 oder wie man ein Auto noch einmal besser machen kann

Der ID.3 von Volkswagen mischte die Autobranche schon gehörig auf. Nicht weil die Technik alles überragte, nicht weil die Qualität (Softwareprobleme, eh schon wissen) besser ist, sondern weil es ein Statement war. Volkswagen hat nach den stürmischen Tagen des Abgas-Skandals eine neue Richtung eingeschlagen – jene der Elektromobilität Und lässt sich von diesem Pfad ganz offensichtlich nicht abbringen.

Dass Kritiker bei jedem Autotest die Nadel im Heuhaufen suchen, ist systemimmanent. Und dass der ID.3 noch hie und da, Aufholbedarf hat, ebenso. Aber was die Wolfsburger mit dem ID.4 auf den Markt bringen (werden), wird die Branche ein weiteres Mal revolutionieren.

Ein SUV – ungefähr in der Größe des beliebten Tiguan – vollelektrisch, gemütlich und leistungsstark, ist eine Ansage. Und auch der Preis im Vergleich zum teils hauseigenen Mitbewerb (Audi etron, etc.) kann sich sehen lassen: Start ab ca. 35.000 Euro.

Was den Deutschen gelungen ist, dass man die 2,1 Tonnen Eigengewicht eigentlich nie spürt und würde man nicht im Zulassungsschein Nachschau halten, man würde das Gewicht nicht bemerken. Der Testwagen mit wunderschönen 20-Zöllern bereift, meisterte Steigungen wie nichts, cruiste durch jede Kurve wie auf Schienen – auch wenn das Tempo ein bisschen höher gewählt wurde.

Die Elektronik faszinierte und überraschte die Fahrer dann doch immer wieder aufs Neue. Verkehrszeichen erkennt der ID.4 im Vergleich zu anderen Herstellern viel besser. Im Head-up-Display, das nicht nur gut zu sehen ist, gleichzeitig aber nicht störend wirkt, sind alle Infos ablesbar. Das Auto weiß, wann es Zeit ist, das Tempo zu reduzieren und macht das bei Bedarf auch von selbst – Strafzettel können so der Vergangenheit angehören.

Beim Bergabfahren rekuperiert der Wolfsburger weltmeisterlich – glaubt man dem Display sind es bis zu 85 kW/h. Muss man als Fahrer nicht die Eiger Nordwand hinunter, ist bremsen ein Wort, dass der Vergangenheit angehören wird.

Natürlich lässt sich der ID.4 nicht mit einem Porsche Taycan oder Tesla vergleichen. Muss er aber auch nicht. Denn für die Rennstrecke ist der bis zu 204-PS-starke Deutsche nicht konzipiert. In der Stadt spielt der ID.4 dann seine ganzen Stärken aus. Die Einparkkamera liefert ein gestochen scharfes 360-Grad-Bild aus der Vogelperspektive und erleichtert damit das Wuseln in die noch so kleinsten Parklücken. Das Navi lässt sich auf dem 12-Zoll großen Display leicht bedienen. Und schon die kleine Batterie mit 55 kW und einer WLTP-Reichweite von knapp 350 Kilometern wird für die meisten Erledigungen ausreichen.

Dass softwaretechnisch noch ein Aufholbedarf bei VW besteht, lässt sich auch im ID.4 nicht leugnen. Manchmal dauert es eine gefühlte Ewigkeit, im Menü vorwärts zu blättern. Und die hochgepriesene intuitive Bedienung ist nicht immer gleich auf den ersten Blick offensichtlich. Auch Tesla hat seine Software mittels Updates immer wieder verbessert.

Das Raumangebot ist im Vergleich zum Tiguan nochmal besser geworden. Auch mit langen Beinen findet man in der zweiten Reihe genügen Raum zum Ausbreiten, auch wenn der Vordermann seinen Sitz auf Anschlag nach hinten gestellt hat.

Der Kofferraum könnte größer sein, aber das hat auch Tiguan-Käufer nicht abgehalten. Mit umgelegter Sitzbank wird der ID.4 dann aber zum Raumwunder.

Geladen kann der ID.4 mit Gleichstrom mit 50 kW (optional mit 100 kW) werden – die großen Akkus sogar bis 125 kW. Mit Wechselstrom an der Haushalts-Wallbox mit 7,4 bzw 11 kW.

Lieferbar ist der ID.4 ab dem 2. Quartal. Im dritten kommt dann noch eine Allrad-Variante, die eine Anhängelast von 1.400 Kilogramm ermöglicht.

Wolfgang Jannach

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