Toyota spendiert seinem analogen Sportcoupé GR86 eine Modellpflege. GAZOO Racing setzt dabei weniger auf Leistung als auf pure Mechanik und Detailarbeit – und beweist, dass Fahrfreude eine Frage der Feinabstimmung ist.
Seit der Debütgeneration im Jahr 2012 – damals noch als Toyota 86 – steht das kompakte Coupé für ein Rezept, das in der heutigen Modelllandschaft selten geworden ist: Saugmotor vorne, Antrieb hinten, niedriges Gewicht und ein erreichbarer Preis. Rund 110.000 Exemplare der aktuellen Generation wurden seit 2021 weltweit ausgeliefert.
Und in einer Branche, die sich zunehmend über Batteriegrößen, Ladeleistungen und gigantische Monitorlandschaften definiert, wirkt der Toyota GR86 nach wie vor eher wie ein faszinierender Anachronismus. Nun spendiert GAZOO Racing (GR) dem Erfolgsmodell eine gezielte Überarbeitung, die sich vor allem einem Ziel verschreibt: der Perfektionierung des analogen Fahrgefühls.
Die Kunst der Millimeterarbeit
Wer auf drastische Leistungssteigerungen gehofft hatte, versteht die Philosophie hinter dem Fahrzeug nicht. Die Ingenieure und Rennfahrer von GAZOO Racing nutzten für die Modellpflege stattdessen intensiv Rennstrecken und Teststrecken, um an Stellschrauben zu drehen, die auf dem Papier unscheinbar wirken, bei HAndling und beim Kampf gegen die Uhr jedoch einen Unterschied machen.
Besondere Aufmerksamkeit galt der Abstimmung der Drosselklappe. Die neue Kennlinie sorgt für eine noch linearere Rückmeldung zwischen Gaspedal und Hinterachse. Das macht sich insbesondere beim Herausbeschleunigen aus engen Kehren sowie auf rutschigem Untergrund – etwa bei Nässe oder Schnee – bemerkbar, wo Zentimeter über Traktion oder Abflug entscheiden.

Parallel dazu floss das Feedback aus der japanischen Super-Taikyu-Rennserie direkt in die elektrische Servolenkung ein. Durch eine geänderte Steuerung gelingt es den Entwicklern, Unruhen und ein leichtes Tändeln der Lenkung in schnellen, langgezogenen Kurven oder auf unebenem Belag vollständig zu eliminieren. Das Auto lässt sich fortan noch exakter auf die angestrebte Ideallinie zirkulieren.
Selbst die Mechanik des manuellen Sechsganggetriebes blieb nicht unangetastet: Eine um einen halben Millimeter erweiterte Fase am Schaltinterlock optimiert die Führung beim Herunterschalten vom fünften in den vierten Gang. Was spitzfindig klingt, nimmt beim harten Anbremsen vor der Kurve spürbar Stress aus dem System und sorgt für einen nahtlosen Übergang vom Verzögern zum Einlenken.

Rückkehr eines Klassikers und mehr Ruhe im Cockpit
Auch optisch und funktionell legt der GR86 nach, ohne seinen puristischen Charakter aufzugeben. Kenner der Baureihe werden die Rückkehr des Exterieurfarbtons „Solid Gray“ begrüßen – eine Lackierung, die 2017 beim Vorgänger für lediglich ein halbes Jahr erhältlich war und heute Sammlerwert genießt.
Im Innenraum der Topausstattung RZ wächst die Anmutung durch gezielte Materialanpassungen. Neu gestaltete Schalter und Bedienelemente sind in mattem, reflexionsarmem Gusseisen-Schwarz gehalten. Das reduziert störende Lichtreflexe bei Sonneneinstrahlung und verbessert die Haptic spürbar. Wer sich für die optional erhältliche schwarz-rote Innenausstattung entscheidet, erhält rote Farbakzente, die sich nun stärker um den Fahrerplatz ziehen und optisch an die Spätphase des Toyota 86 anknüpfen.

Drei Augen für die Sicherheit
Dass ein puristischer Sportwagen moderne Sicherheitsstandards nicht aussparen muss, zeigt das aufgewertete „EyeSight“-Assistenzsystem. Toyota ersetzt die bisherige Dual-Kamera durch ein Setup aus drei Kameras. Kombiniert werden zwei Weitwinkel-Stereokameras mit einer zusätzlichen Ultraweitwinkel-Monokularkamera. Die Anordnung wurde speziell auf die tiefe Sitzposition und die niedrige Frontschürze des Sportcoupés angepasst, um das Sichtfeld vor dem Fahrzeug signifikant zu vergrößern.
Breitensport im Visier
Um die Zugänglichkeit zum Motorsport weiter zu erhöhen, erweitert Toyota zudem das Angebot beim abgespeckten Rennsport-Derivat „Cup Car Basic“. Die Markenpokal-Basis für die „GR86/BRZ Cup“-Rennserie ist künftig optional auch mit einem Sechsgang-Automatikgetriebe lieferbar.
In Japan laufen die Bestellungen bei den Händlern am 28. August an. Der Einstiegspreis für die handgeschaltete Basisausstattung RC liegt bei 2.936.000 Yen (umgerechnet rund 18.000 Euro vor Steuern und Importkosten), während das RZ-Topmodell mit Automatik mit 3.616.000 Yen zu Buche schlägt. Seine Publikumspremiere feiert der überarbeitete GR86 Mitte September im Rahmen des „FUJI 86/BRZ STYLE 2026“-Events auf dem Fuji Speedway.
Wann und ob und zu welchem Preis der neue Toyota GR86 in Österreich oder Deutschland erhältlich sein wird, wurde noch nicht kommuniziert!


















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