MOTORWELT

Hyundai-Österreich-Chef Roland Punzengruber: „70 Prozent unseres Absatzvolumens werden erneuert“

Der neue IONIQ 3 soll zu den drei meistverkauften Hyundai-Modellen in Österreich aufsteigen, gleichzeitig bereitet der koreanische Automobilhersteller eine umfassende Produktoffensive vor. Achim Mörtl sprach bei der internationalen Fahrpräsentation in Istanbul mit Hyundai-Österreich-Geschäftsführer Roland Punzengruber über den neuen Kompaktwagen, den zunehmenden Wettbewerbsdruck, die industrielle Stärke des Konzerns und die Zukunft der Elektromobilität.

Mit dem IONIQ 3 erweitert Hyundai sein elektrisches Modellangebot um ein Fahrzeug, das in Österreich eine wichtige Rolle übernehmen soll. Der 4,15 Meter lange Kompaktwagen positioniert sich zwischen dem kleineren Inster und dem Kona Elektro und soll vor allem mit seinem Platzangebot, einer Reichweite von bis zu 497 Kilometern und einem attraktiven Preis-Leistungs-Verhältnis überzeugen. Siehe dazu auch unseren ersten Erfahrungsbericht zum Ioniq3!

Die Erwartungen sind entsprechend hoch. Bereits im ersten vollen Verkaufsjahr soll der IONIQ 3 zu den drei absatzstärksten Hyundai-Modellen in Österreich zählen. Gleichzeitig stehen zahlreiche weitere Modellneuheiten bevor.

Motorwelt: Roland, mit dem IONIQ 3 schließt Hyundai eine wichtige Lücke im elektrischen Modellprogramm. Was erwartest du dir von diesem Auto?

Roland Punzengruber: Der IONIQ 3 ist für uns der Einstieg in die echte Kompaktklasse. Wir bieten auf sehr kompakten Außenabmessungen einen ausgesprochen großzügigen Innenraum, einen großen Kofferraum und mit bis zu 497 Kilometern eine Reichweite, die in diesem Segment zu den besten zählt.

Das Auto wurde hinsichtlich seiner wesentlichen Eigenschaften auf einem sehr hohen Niveau entwickelt. Dementsprechend groß sind auch unsere Erwartungen.

Motorwelt: Wie bedeutend könnte der IONIQ 3 für die österreichischen Verkaufszahlen werden?

Punzengruber: Wir trauen dem IONIQ 3 einen Podiumsplatz innerhalb unserer Modellpalette zu. Unser Ziel ist es, dass er bereits im nächsten Jahr zu den drei meistverkauften Hyundai-Modellen in Österreich gehört.

Derzeit führt der Tucson unsere Verkaufsstatistik an, gefolgt vom Kona. Dahinter sehen wir für den IONIQ 3 sehr gute Chancen.

Motorwelt: Ich konnte den IONIQ 3 hier in Istanbul bereits fahren. Besonders das niedrige Geräuschniveau, das Raumangebot und die Abstimmung haben mich überrascht. Das Preis-Leistungs-Verhältnis erscheint ebenfalls interessant. Sind das genau jene Eigenschaften, mit denen Hyundai im europäischen Markt punkten möchte?

Punzengruber: Genau diese Eigenschaften waren bei der Entwicklung wesentlich. Das Fahrzeug wurde ausdrücklich auf die Anforderungen europäischer Kunden abgestimmt. Neben dem großzügigen Platzangebot spielen die Reichweite, der Fahrkomfort und das niedrige Geräuschniveau eine wichtige Rolle.

Der IONIQ 3 soll ein Auto sein, das im täglichen Einsatz möglichst viele Anforderungen erfüllt.

Motorwelt: Die Zeiten für etablierte Automobilhersteller sind nicht einfach. Neue chinesische Marken drängen auf den europäischen Markt, der Wettbewerb wird zunehmend intensiver. Wie siehst du die Zukunft von Hyundai in Österreich?

Punzengruber: Der Automobilmarkt befindet sich in einem umfassenden Transformationsprozess. Wir erleben viele neue Marktteilnehmer und einen entsprechend hohen Wettbewerbsdruck.

Man darf allerdings nicht vergessen, dass Hyundai zu den Pionieren der Elektromobilität zählt. Wir verfügen bereits heute über ein sehr breites elektrisches Produktportfolio, vom kleinen Inster bis hinauf zum großen IONIQ 9.

Dazu kommt, dass Hyundai eine etablierte Marke mit einer starken internationalen Position ist. Die Hyundai Motor Group gehört weltweit zu den drei größten Automobilherstellern. Ich bin deshalb überzeugt, dass wir auch in den kommenden Jahren unsere Position behaupten können.

Copyright ©Tom Hausner

Motorwelt: Die Hyundai Motor Group ist ein gewaltiger Industriekonzern. In der öffentlichen Wahrnehmung wird diese Dimension meiner Meinung nach gelegentlich unterschätzt. Besonders interessant finde ich die weitreichende vertikale Integration. Wie wichtig ist diese industrielle Struktur im internationalen Wettbewerb?

Punzengruber: Hyundai ist über eine sehr konsequent aufgebaute vertikale Wertschöpfungskette groß geworden.

Das beginnt bereits bei der Stahlproduktion. Mit Hyundai Steel verfügen wir über eigene Kapazitäten zur Herstellung eines wesentlichen Rohstoffs für unsere Fahrzeuge. Mit Hyundai Mobis haben wir einen großen Komponentenhersteller innerhalb der Unternehmensgruppe, der zahlreiche zentrale Fahrzeugkomponenten liefert.

Auch in der Logistik ist der Konzern breit aufgestellt. Der Transport der Fahrzeuge aus unseren Produktionswerken zu den internationalen Märkten erfolgt teilweise über eigene Logistikunternehmen und Transportkapazitäten.

Diese Struktur bietet uns große Vorteile hinsichtlich der Wertschöpfung und der Kontrolle wesentlicher Produktionsprozesse.

Motorwelt: Hyundai investiert darüber hinaus stark in neue Technologien. Mit Boston Dynamics ist der Konzern mittlerweile auch in der Robotik sehr prominent vertreten.

Punzengruber: Das ist ein weiterer wichtiger Bereich für unsere Zukunft.

Mit Boston Dynamics verfügen wir über erhebliche Kompetenzen in der Robotik. Gerade humanoide Roboter werden künftig auch in industriellen Produktionsprozessen eine zunehmend wichtige Rolle spielen. Damit eröffnen sich zusätzliche Möglichkeiten, Produktionsabläufe effizienter zu gestalten und die Kostenentwicklung langfristig zu kontrollieren.

Motorwelt: Kommen wir zurück zum Automobil. Mit dem IONIQ 3 beginnt offenbar eine ausgesprochen umfangreiche Modelloffensive. Was dürfen wir in den nächsten Monaten erwarten?

Punzengruber: Hyundai steht vor einem großen Produktfeuerwerk. Innerhalb der kommenden acht Monate werden Modelle, die zusammen rund 70 Prozent unseres heutigen Absatzvolumens ausmachen, vollständig erneuert.

Den Anfang macht der IONIQ 3. In Kürze folgt der elektrische Staria, der sowohl als Pkw als auch als Nutzfahrzeug angeboten wird. Dazu kommen neue Generationen wichtiger Volumenmodelle, darunter der Tucson sowie weitere Fahrzeuge im B- und C-Segment.

Diese Modelle werden mit unterschiedlichen Antriebstechnologien angeboten, darunter weiterhin klassische Verbrennungsmotoren und elektrifizierte Antriebe.

Wir blicken deshalb mit großer Zuversicht auf die kommenden Monate.

Motorwelt: Auffällig ist auch, dass Hyundai die Bedürfnisse europäischer Kunden sehr konsequent berücksichtigt. Der IONIQ 3 wurde für Europa entwickelt und wird auch hier produziert. Welche Bedeutung hat der europäische Markt innerhalb des Konzerns?

Punzengruber: Europa ist für Hyundai ein ausgesprochen wichtiger Markt.

Rund 80 Prozent der in Europa verkauften Hyundai-Fahrzeuge werden auch in Europa gestaltet, entwickelt beziehungsweise produziert.

Mit unserem Werk in İzmit in der Türkei und dem Produktionsstandort Nošovice in Tschechien verfügen wir über bedeutende europäische Fertigungskapazitäten. Dazu kommt unser europäisches Technik- und Entwicklungszentrum in Rüsselsheim.

Damit können wir sehr gezielt auf die Erwartungen europäischer Kunden eingehen. Das betrifft nicht nur das Design, sondern ebenso die Fahrwerksabstimmung, die Materialanmutung, die Ergonomie und das gesamte Fahrerlebnis.

Der IONIQ 3 ist dafür ein gutes Beispiel.

Motorwelt: Hyundai beschäftigt sich bereits seit vielen Jahren mit der Elektromobilität. Der erste IONIQ kam 2016 auf den Markt. Wie beurteilst du die weitere Entwicklung batterieelektrischer Fahrzeuge in Österreich?

Punzengruber: Wir sehen seit Jahren eine kontinuierlich steigende Entwicklung. In diesem Jahr werden wir bei unseren Kaufverträgen bereits einen Anteil von deutlich über 30 Prozent batterieelektrischer Fahrzeuge erreichen. Und ich gehe davon aus, dass dieser Anteil weiter steigen wird.

Die Technologie hat sich enorm entwickelt. Elektrisches Fahren bietet einen hohen Komfort und viele Vorteile im täglichen Betrieb. Dazu kommen die weiteren technologischen Fortschritte und Entwicklungen bei den Rohstoffmärkten.

All das wird die Elektromobilität in den kommenden Jahren zusätzlich unterstützen.

Einordnung: Hyundai setzt auf industrielle Stärke und eine neue Modellgeneration

Das Gespräch mit Roland Punzengruber zeigt, wie Hyundai auf die Veränderungen des europäischen Automobilmarktes reagieren möchte. Einerseits mit einer konsequenten Erneuerung des Modellprogramms, andererseits mit den industriellen Möglichkeiten eines weltweit tätigen Konzerns, dessen Geschäftsfelder weit über den klassischen Automobilbau hinausreichen.

Besonders die vertikale Integration von der Rohstoffverarbeitung über die Komponentenfertigung bis zur Logistik unterscheidet Hyundai von zahlreichen anderen Herstellern. Mit dem IONIQ 3 kommt ein Fahrzeug auf den Markt, das für die Marke in Österreich eine wichtige Rolle übernehmen könnte. Kompakte Abmessungen, ein großzügiger Innenraum, ein 441 Liter fassender Kofferraum und bis zu 497 Kilometer WLTP-Reichweite treffen auf ein Segment, in dem die Nachfrage nach erschwinglichen Elektroautos zunehmend an Bedeutung gewinnt.

Die ersten Fahreindrücke aus Istanbul bestätigen jedenfalls, dass Hyundai insbesondere bei Fahrkomfort, Geräuschdämmung und Raumausnutzung sehr sorgfältig gearbeitet hat.

Ob der IONIQ 3 tatsächlich zu den drei erfolgreichsten Hyundai-Modellen Österreichs aufsteigen wird, muss der Markt zeigen. Die Voraussetzungen dafür erscheinen durchaus günstig.

Interview und Text: Achim Mörtl
Internationale Hyundai IONIQ 3 Fahrpräsentation, Istanbul | Oktober 2026
Bilder Achim Mörtl / Tom Hausner / Hyundai

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