281 PS, mechanisches Sperrdifferenzial, Alcon-Bremsanlage und ein aufwendig überarbeitetes Fahrwerk. Achim Mörtl war mit dem elektrischen Opel Mokka GSE auf den Passstraßen der Dolomiten unterwegs. Zwischen dem geschichtsträchtigen Passo Falzarego und dem Misurinasee zeigt sich dann doch, wie viel Fahrfreude in einem elektrischen Kompakt-SUV stecken kann.
Der Passo Falzarego gehört in vielerlei Hinsicht zu den beeindruckendsten Alpenpässen überhaupt. Landschaftlich mit seinen gewaltigen Felsmassiven, geschichtlich als Schauplatz erbitterter Kämpfe im Ersten Weltkrieg und fahrerisch mit einer Streckenführung, die ein sportliches Auto ordentlich fordert. Rund 16 Kilometer führt die Straße von Cortina d’Ampezzo hinauf auf 2.105 Meter Seehöhe. Enge Kehren wechseln sich mit schnelleren Kurvenkombinationen ab, dazu kommen wechselnde Steigungen, unterschiedliche Fahrbahnbeläge und immer wieder Abschnitte, auf denen man ein Auto präzise positionieren muss.
Am nahe gelegenen Lagazuoi erinnert die Landschaft noch heute an die Kämpfe zwischen österreichisch-ungarischen und italienischen Truppen. Beide Seiten trieben Stollen in den Fels, um gegnerische Stellungen durch Sprengungen zu zerstören. Im Juni 1917 sprengten italienische Soldaten einen Teil der österreichischen Stellungen samt gewaltigen Felsmassen weg. Die Spuren dieses Gebirgskrieges sind bis heute sichtbar.
Heute ist der Falzarego eine der schönsten Straßen, um ein sportliches Auto kennenzulernen. Und genau dafür haben wir den Opel Mokka GSE mit in die Dolomiten genommen.

281 PS sind erst der Anfang
Der Mokka GSE ist das sportliche Spitzenmodell der Mokka-Baureihe. Sein Elektromotor leistet 207 kW beziehungsweise 281 PS und stellt 345 Newtonmeter Drehmoment bereit. Die Kraft gelangt ausschließlich an die Vorderräder. Für den Sprint von null auf 100 km/h gibt Opel 5,9 Sekunden an, die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 200 km/h.
Das sind respektable Werte für ein SUV des B-Segments. Allerdings sagen sie noch wenig darüber aus, wie sich ein Auto tatsächlich fährt. Gerade bei leistungsstarken Fronttrieblern entscheidet sich die fahrdynamische Qualität nicht allein an der Motorleistung, sondern an der Fähigkeit, diese kontrolliert auf die Straße zu bringen.
Und genau hier hat Opel beim Mokka GSE erheblichen Entwicklungsaufwand betrieben.
Das technische Konzept orientiert sich am elektrischen Mokka GSE Rally. Wesentliche Komponenten des elektrischen Antriebs stammen aus dem Rallyeprojekt. Für die Straßenversion wurden Fahrwerk, Achsen, Lenkung und Bremsanlage umfassend überarbeitet.
Ein Fahrwerk, das seinen Namen verdient
Gegenüber dem gewöhnlichen Mokka Electric liegt der GSE zehn Millimeter tiefer. Die Federraten wurden an der Vorderachse um 49 Prozent und an der Hinterachse um 35 Prozent erhöht. Dazu kommt ein 30,8 Millimeter starker Rohrstabilisator an der Hinterachse, deren Wanksteifigkeit insgesamt um beachtliche 189 Prozent gesteigert wurde.
Auch die Stoßdämpfer wurden neu abgestimmt und verfügen über hydraulische Endanschläge. Steifere Lagerungen und geänderte Achskomponenten ergänzen die Maßnahmen. Die elektromechanische Lenkung arbeitet mit einer Übersetzung von 14,5:1 statt der 16,2:1 des normalen Mokka.
Bereits auf den ersten Kurvenkombinationen der Auffahrt zum Falzarego fällt die geringe Seitenneigung auf. Der Mokka liegt satt auf der Straße, reagiert unmittelbar auf Lenkbewegungen und lässt sich präzise positionieren. Die Vorderachse führt ausgesprochen sauber, während das Heck eine leichte Bereitschaft zum Mitlenken erkennen lässt. Gerade bei Lastwechseln unterstützt das die Einlenkbereitschaft, ohne das Auto nervös wirken zu lassen.
Die Fahrwerksabstimmung liegt dabei eindeutig auf der straffen Seite. Unebenheiten werden durchaus spürbar an die Insassen weitergegeben, was allerdings weder störend noch unbeabsichtigt wirkt. Vielmehr trägt diese Abstimmung dazu bei, dass der Mokka in seinen Bewegungen ausgesprochen ehrlich bleibt. Man spürt, was unter den Rädern passiert, wie sich die Karosserie aufbaut und wie das Fahrzeug auf Lenkbewegungen und Lastwechsel reagiert.
Opel hat sich hier bewusst für eine sportliche Abstimmung entschieden und nimmt dafür Einbußen beim Federungskomfort in Kauf. Angesichts des fahrdynamischen Anspruchs ist das eine nachvollziehbare Entscheidung, zumal der Mokka GSE auch auf den wechselnden Fahrbahnbelägen der Dolomiten gut kontrollierbar bleibt.

Das Sperrdifferenzial macht den Unterschied
Eine der wichtigsten technischen Maßnahmen ist das mechanische Torsen-Sperrdifferenzial an der Vorderachse. Es verteilt das Antriebsmoment abhängig von den jeweiligen Traktionsverhältnissen zwischen den beiden Vorderrädern.
Gerade beim Herausbeschleunigen aus engen Kehren zeigt sich der Nutzen. Während ein gewöhnlicher Fronttriebler mit entsprechend hoher Leistung rasch das kurveninnere Rad entlastet und Traktion verliert, kann das Sperrdifferenzial einen größeren Teil des Drehmoments an das besser belastete Rad übertragen.
Beim Mokka GSE funktioniert das ausgesprochen gut. Die Vorderachse setzt die 345 Newtonmeter sauber um, das Auto lässt sich früh aus der Kurve progressiv beschleunigen und bleibt dabei präzise auf der gewählten Linie.
Unterstützt wird das von der sportlichen Michelin-Bereifung auf 20-Zoll-Rädern. Reifen, Sperrdifferenzial und Achsabstimmung arbeiten hier in feiner Abstimmung zusammen. Die 281 PS sind deshalb nicht bloß eine eindrucksvolle Zahl im Datenblatt. Opel hat auch die technischen Voraussetzungen geschaffen, um diese Leistung fahrdynamisch sinnvoll zu nutzen.
Alcon-Bremsanlage mit Motorsportanspruch
Bei der Bremsanlage hat Opel ebenfalls nicht gespart. An der Vorderachse arbeiten 380 Millimeter große, innenbelüftete Bremsscheiben mit Vierkolben-Monoblocksätteln von Alcon. An der Hinterachse kommen 268 Millimeter große Scheiben zum Einsatz. Eine Besonderheit betrifft die Bremsstrategie im Sportmodus. Beim Betätigen des Bremspedals verzichtet der Mokka GSE auf die regenerative Verzögerung durch den Elektromotor. Die Bremsarbeit übernimmt ausschließlich die mechanische Anlage.
Der Vorteil liegt in der Dosierbarkeit. Gerade beim sportlichen Fahren, wenn Bremsdruck und Verzögerung sehr fein aufeinander abgestimmt werden müssen, ist ein konstanter Pedalweg mit reproduzierbarer Bremswirkung entscheidend.
Die Rekuperation beim Gaswegnehmen lässt sich bei Bedarf über die B-Funktion weiterhin nutzen. Auf den Abfahrten der Dolomitenpässe bietet diese Abstimmung eine interessante Kombination aus mechanischer Bremspräzision und der Möglichkeit, bei weniger sportlicher Fahrweise wieder Energie zurückzugewinnen.

Über den Falzarego zum Misurinasee
Unsere Fahrt führte weiter zum Lago di Misurina, einem der bekanntesten Bergseen der Dolomiten. Auf rund 1.754 Metern Seehöhe liegt er zwischen den mächtigen Bergmassiven des Sorapiss, Cristallo und der Cadini di Misurina.
Der See ist nicht nur landschaftlich bemerkenswert, sondern auch ein Stück olympischer Sportgeschichte. Bei den Olympischen Winterspielen 1956 in Cortina d’Ampezzo wurden hier auf dem zugefrorenen See die Eisschnelllaufbewerbe ausgetragen. Die eigens angelegte Natureisbahn war 400 Meter lang. Es waren die letzten olympischen Eisschnelllaufbewerbe auf Natureis.
70 Jahre später sind wir mit einem ganz anderen Sportgerät hier unterwegs. Und gerade diese Fahrt zeigt, dass zum Erlebnis Automobil weit mehr gehört als Motorleistung, Beschleunigungswerte und Höchstgeschwindigkeit. Eine schöne Strecke, eine präzise getroffene Kurve, ein gut dosierter Bremspunkt und ein Auto, das unmittelbar auf die Befehle seines Fahrers reagiert, machen einen erheblichen Teil der Faszination aus.
Ob die Kraft dafür von einem Verbrennungsmotor oder einer elektrischen Maschine geliefert wird, ist zunächst zweitrangig.

51 kWh Batterie und 100 kW Ladeleistung
Bei aller Begeisterung für die Fahrdynamik bleiben die technischen Rahmenbedingungen eines Elektroautos natürlich bestehen.
Der Mokka GSE verfügt über eine Batterie mit 54 kWh Bruttokapazität, davon sind rund 51 kWh nutzbar. Opel gibt eine WLTP-Reichweite von bis zu 336 Kilometern an. Auf einer sportlich gefahrenen Bergstrecke ist dieser Wert allerdings kaum der geeignete Maßstab. Steigungen, Beschleunigungsvorgänge, Außentemperaturen und das gewählte Fahrprogramm beeinflussen den Energieverbrauch erheblich. Andererseits lässt sich bei längeren Abfahrten über die Rekuperation wieder ein Teil der eingesetzten Energie zurückgewinnen, wenn man darauf für eine bessere Bremsdosierung verzichtet.
Für eine engagierte Fahrt durch die Dolomiten sind 150 bis 200 Kilometer zwischen den Ladestopps eine realistische Planungsgröße, abhängig von Streckenprofil und Fahrweise. An einer DC-Schnellladestation nimmt der Mokka maximal 100 kW auf. Für den Ladevorgang von 20 auf 80 Prozent nennt Opel rund 27 Minuten. Wechselstromladen ist mit bis zu 11 kW möglich.
100 kW Ladeleistung sind angesichts aktueller technischer Möglichkeiten kein Spitzenwert. Andererseits fällt eine halbe Stunde Ladepause auf einer solchen Tour nicht sonderlich schwer. Ein Cappuccino, ein Croissant und anschließend geht es weiter. Wer allerdings regelmäßig lange Autobahnetappen absolviert, wird sich eine höhere Ladeleistung und mehr Batteriekapazität wünschen.
Sportliche Tradition, elektrisch fortgesetzt
Opel hat eine durchaus bemerkenswerte Geschichte sportlicher Kompaktmodelle. Kadett GT/E, Corsa GSi und die verschiedenen OPC-Modelle stehen für eine Zeit, in der sportliche Straßenautos einen wichtigen Teil der Markenidentität ausmachten.
Mit dem Mokka GSE versucht Opel, diese Tradition unter veränderten technischen Voraussetzungen fortzuführen und setzt mit dem Corsa GSE, der im August präsentiert wurde, noch eines drauf.
Dabei ist bemerkenswert, dass man sich nicht mit einer höheren Motorleistung und sportlichen Karosserieelementen begnügt hat, sondern eben viel Aufwand bei Achsen, Federung, Dämpfung, Differenzial und Bremsanlage investiert hat, was zeigt, dass hier tatsächlich ein fahrdynamisch eigenständiges Modell entwickelt wurde.
Und das spürt man.
Der Mokka GSE ist kein rein auf Beschleunigung ausgelegtes Elektroauto, sondern ein kompakter Sportler, dessen Qualitäten vor allem auf kurvenreichen Straßen zur Geltung kommen.

Fahrfreude ist keine Frage des Antriebs
Die Diskussion über Elektromobilität wird häufig erstaunlich emotional geführt. Vor allem dann, wenn es um sportliche Autos geht. Für manche scheint bereits der fehlende Verbrennungsmotor auszureichen, um einem Fahrzeug jede fahrerische Qualität abzusprechen.
Technisch ist diese Haltung kaum nachvollziehbar. Fahrdynamik entsteht aus der Abstimmung von Fahrwerk, Lenkung, Reifen, Bremsen, Gewichtsverteilung und Antrieb. Ein guter Verbrennungsmotor kann dabei ebenso begeistern wie ein präzise geregelter Elektromotor. Entscheidend ist das Ergebnis auf der Straße.
Der Opel Mokka GSE liefert dafür ein gutes Beispiel. Er besitzt eine präzise Vorderachse, ein gut mitarbeitendes Heck, eine leistungsfähige Bremsanlage und genügend Leistung, um auch auf anspruchsvollen Bergstraßen ausgesprochen viel Freude zu bereiten.
Natürlich ersetzt er damit nicht jedes emotionale Erlebnis eines klassischen Sportwagens. Klang, Schaltvorgänge und Motorcharakteristik gehören für viele Fahrer weiterhin dazu. Aber daraus abzuleiten, dass ein Elektroauto keinen Fahrspaß bieten könne, greift erheblich zu kurz.
Wer den Mokka GSE auf einer Straße wie dem Passo Falzarego bewegt, bekommt darauf eine ziemlich eindeutige Antwort.
Fahrfreude ist keine Frage des Antriebs, sondern der fahrdynamischen Qualität.
Achim Mörtl | Motorwelt.at
Technische Daten Opel Mokka GSE
| Merkmal | Wert |
|---|---|
| Antrieb | Elektro, Vorderradantrieb |
| Leistung | 207 kW / 281 PS |
| Drehmoment | 345 Nm |
| Differenzial | Mechanisches Torsen-Sperrdifferenzial |
| 0–100 km/h | 5,9 Sekunden |
| Höchstgeschwindigkeit | 200 km/h |
| Batterie brutto / netto | 54 / 51 kWh |
| Reichweite WLTP | bis 336 km |
| DC-Ladeleistung | maximal 100 kW |
| AC-Ladeleistung | 11 kW |
| Ladezeit DC 20–80 % | ca. 27 Minuten |
| Bremsen vorne | 380 mm, Alcon Vierkolbensättel |
| Bremsen hinten | 268 mm |
| Bereifung | 225/40 R20 |
| Länge | 4.150 mm |
| Höhe | 1.506 mm |
| Kofferraum | 310 Liter |
| Preis Österreich | ab 47.090 € |
























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