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Formel E: Opel vor den letzten Tests, Citroën und Porsche stellen sich auf

Opel bereitet den ersten Renneinsatz des GSE 27FE vor und geht somit von der Entwicklungsphase ins Renngeschehen über. Nach Abschluss der Homologation folgt Anfang November der Shakedown, anschließend trifft das Team auf die gesamte Konkurrenz bei den abschließenden einwöchigen Testfahrten in Madrid / Jarama. Citroën geht mit neuer Führung in die GEN4-Ära, Porsche hält an Pascal Wehrlein und Nico Müller fest.

Für Opels Formel-E-Mannschaft beginnt die letzte Vorbereitungsphase vor der Debütsaison 2026/27. Zwölf Testtage und mehr als 6.000 Kilometer hat das Team um Jörg Schrott inzwischen absolviert, die FIA-Homologation des GSE 27FE ist abgeschlossen, der Aufbau des ersten Einsatzautos läuft. Anfang November soll der Wagen erstmals auf die Strecke gehen.

Während Opel auf dem Pariser Automobilsalon das endgültige Design in Schwarz, Silber und Gelb präsentierte, wurde im Hintergrund bereits am Rennbetrieb gearbeitet. Neben der Fertigstellung der Autos stehen die Abläufe in der Garage und am Kommandostand auf dem Programm. Auch die Logistik läuft: Die erste Seefracht ist unterwegs, die zweite Lieferung soll Anfang November folgen, wobei es nach wie vor abzuwarten gilt, ob der geplante Saisonauftakt auch wirklich in Jeddah stattfinden wird.

Die nächste wichtige Etappe sind die offiziellen Tests vom 16. bis 20. November in Jarama bei Madrid. Dort bekommt Opel erstmals Gelegenheit, den GSE 27FE im gemeinsamen Fahrbetrieb mit sämtlichen Gegnern zu beurteilen.

Evans: „Ich bin hier, um zu gewinnen“

Bei den bisherigen Tests stand zunächst die Zuverlässigkeit im Vordergrund. Zuletzt verlagerte sich die Arbeit auf Performance, Energiemanagement und Set-up. Dabei wurden auch die beiden Aerodynamik-Konfigurationen des neuen GEN4-Autos erprobt. Mitch Evans sieht die Entwicklung positiv, hält sich mit Prognosen aber zurück. „Wo wir in Sachen Performance stehen, wissen wir noch nicht. Bei einem neuen Reglement kennt niemand die Kräfteverhältnisse“, sagt der Neuseeländer. Seinen persönlichen Anspruch lässt er dennoch offen erkennen: „Ich bin hier, um zu gewinnen.“

Evans hat sämtliche Fahrzeuggenerationen der Formel E erlebt. Den Wechsel auf GEN4 bezeichnet er als den bislang größten Schritt der Meisterschaft. Besonders die erstmals abgerufene Höchstleistung hinterließ Eindruck: „Als ich zum ersten Mal die volle Leistung mit 600 Kilowatt ausprobiert habe, war das ein ziemlicher Schock.“

Die neue Generation verlangt allerdings auch von den erfahrenen Piloten erhebliche Anpassungsarbeit. Neben dem geänderten Reglement und den neuen Systemen müssen die Teams die Reifen eines neuen Herstellers kennenlernen. Entsprechend wichtig ist es, die verbleibenden Testtage möglichst ohne technische Unterbrechungen zu nutzen.

Pourchaire vor seiner ersten Formel-E-Saison

Für Théo Pourchaire kommt die Umstellung auf eine neue Rennserie hinzu. Der Franzose arbeitet sich im Simulator und gemeinsam mit den Ingenieuren in das Auto ein. Auch die Anpassung des Cockpits und die Zusammenarbeit mit den Mechanikern gehören zu seinem Vorbereitungsprogramm. Die Beschleunigung des GSE 27FE übertrifft nach seiner Einschätzung alles, was er bisher gefahren ist. Bei den Startübungen fühle es sich an, als könne man im Auto nicht mehr atmen, berichtet Pourchaire.

Der Rookie will möglichst schnell konkurrenzfähig werden, erwartet aber auch in Jarama noch kein vollständiges Bild. Die gemeinsamen Tests sollen zunächst zeigen, wie sich die eigene Arbeit im Vergleich zur Konkurrenz einordnet. Bis zum ersten Rennen setzt Pourchaire zusätzlich auf körperliche und mentale Vorbereitung sowie weitere Simulatorarbeit.

Mit Evans und Pourchaire kombiniert Opel einen erfahrenen Formel-E-Sieger mit einem Neueinsteiger. Test- und Entwicklungsfahrerin Sophia Flörsch unterstützt das Programm im Simulator und auf der Strecke.

Mehr Leistung, mehr Abtrieb, neue Anforderungen

Mit GEN4 steigt die Leistung im regulären Rennbetrieb auf 450 Kilowatt. Im Qualifying und im Attack Mode sind bis zu 600 Kilowatt verfügbar. Permanenter Allradantrieb und eine Rekuperationsleistung von bis zu 700 Kilowatt gehören ebenfalls zu den wesentlichen Neuerungen. Als Fahrleistungen werden 1,8 Sekunden von null auf 100 km/h und mehr als 335 km/h Spitze genannt.

Die beiden Aerodynamik-Konfigurationen setzen unterschiedliche Schwerpunkte. Für das Qualifying steht mehr Abtrieb zur Verfügung, im Rennen soll geringerer Luftwiderstand den Energieverbrauch reduzieren. Damit unterscheiden sich auch die Anforderungen an die Abstimmung zwischen Einzelrunde und Renndistanz stärker als bisher. Porsche nennt für die neue Generation bis zu 150 Prozent mehr Abtrieb gegenüber dem Vorgänger.

Der Reglementwechsel gibt Opel die Möglichkeit, von Beginn an an einer neuen Fahrzeuggeneration zu arbeiten. Die etablierten Teams müssen ihre Autos ebenfalls neu abstimmen. Ihre Erfahrung mit Rennstrategie, Energiemanagement und den Abläufen an einem Formel-E-Wochenende bleibt jedoch ein Vorteil.

Citroën mit Paretta und Espinos

Citroën Racing hat vor seiner zweiten Saison die sportliche Führung neu geordnet. Beth Paretta übernimmt nach ihrer bisherigen Tätigkeit als Managing Director zusätzlich den Posten der Teamchefin. Frédéric Espinos verstärkt die Mannschaft als Rennleiter und stellvertretender Teamchef. Paretta war unter anderem als Vice President Sporting für die Formel E tätig. Espinos kennt die Meisterschaft aus seiner Arbeit für die FIA, die Serienorganisation und zuletzt ABT beziehungsweise Lola Yamaha ABT. Citroën setzt damit an der Spitze auf zwei Führungskräfte mit detaillierter Kenntnis der sportlichen und organisatorischen Anforderungen.

Die erste Saison beendete Citroën nach einem Sieg, mehreren Podestplätzen und einer Pole Position auf Rang fünf der Teamwertung. Im zweiten Jahr soll die Mannschaft regelmäßiger um Spitzenplätze fahren. Jean-Éric Vergne und Nick Cassidy bleiben die Einsatzfahrer. Bei der Besetzung der Cockpits setzt Citroën somit auf Kontinuität. Parallel wird die Entwicklung des GEN4-Antriebs im Testprogramm fortgesetzt.

Das neue Auto wurde ebenfalls in Paris gezeigt. Die Trikolore-Gestaltung bleibt erhalten, der Blauanteil nimmt vor allem an der Nase zu. Bei der Folierung achteten die Entwickler nach Angaben des Teams auf möglichst geringes Gewicht und vermieden zusätzliche Materialschichten an den Farbübergängen.

Porsche bestätigt Wehrlein und Müller

Porsche geht mit unveränderter Fahrerbesetzung in die GEN4-Ära. Am 19. Oktober bestätigte Porsche Pascal Wehrlein und Nico Müller für die kommende Saison. Wehrlein gewann zuletzt seinen zweiten Fahrerweltmeistertitel, Müller steuerte unter anderem einen Sieg beim Berliner E-Prix bei.

Der neue Porsche trägt die Bezeichnung 975 RSE und wird seit November 2026 auf der Strecke erprobt. Er soll an die Erfolge des 99X Electric anschließen. Porsche gewann mit dessen letzter Generation 2025/26 sowohl die Fahrer- als auch die Herstellerweltmeisterschaft.

Bei der Entwicklung spielt die eigene Betriebssoftware eine zentrale Rolle. Sie steuert unter anderem die Leistungsabgabe und Energierückgewinnung. Porsche entwickelt zudem wesentliche Komponenten des hinteren Antriebsstrangs selbst. Die Abstimmung dieser Systeme bleibt auch nach Festlegung der Hardware ein entscheidender Arbeitsbereich.

Für Opel ist Porsche damit einer der naheliegenden Maßstäbe. Der Neueinsteiger trifft auf einen Hersteller, der mit einer erfolgreichen Mannschaft und zwei eingearbeiteten Fahrern antritt. Auch Citroën kann bereits auf die Erfahrungen einer gemeinsamen Saison zurückgreifen.

In Jarama werden die unterschiedlichen Voraussetzungen erstmals auf derselben Strecke sichtbar. Eine verlässliche Rangordnung ist angesichts verschiedener Testprogramme noch nicht zu erwarten. Für Opel muss sich dort vor allem zeigen, ob das Auto zuverlässig läuft, die Abstimmungsarbeit vorankommt und die Mannschaft ihr Programm unter den Bedingungen eines gemeinsamen Tests abarbeiten kann. Danach bleibt nur noch wenig Zeit bis zum ersten Renneinsatz.

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