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Mercedes GLC elektrisch: Wenn Premium seinen Preis erklären muss

Es gab Zeiten, da musste Mercedes-Benz den Preis seiner Fahrzeuge nicht erklären. Wer einen Stern kaufte, bezahlte bewusst mehr, für Ingenieurskunst, Komfort, Qualität und ein Markenversprechen, das über Generationen gewachsen war. Premium war weniger eine Rechenaufgabe als eine Haltung. Der Opa hatte einen, der Papa auch und jetzt fährt man eben auch einen.

Mit dem neuen elektrischen GLC versucht Mercedes-Benz genau dieses Versprechen in das Elektrozeitalter zu übertragen. Technisch gelingt das durchaus überzeugend. Bis zu 647 Kilometer WLTP-Reichweite, Ladeleistungen von bis zu 330 kW, eine Anhängelast von bis zu 2,4 Tonnen, Luftfederung, Hinterachslenkung und das neue MB.OS zeigen, dass die Stuttgarter ihre Hausaufgaben gemacht haben. Der GLC gehört zweifellos zu den technisch anspruchsvollsten Elektro-SUVs seiner Klasse.

Soweit so gut, doch die spannendste Geschichte dieses Fahrzeugs handelt nicht von Reichweite oder Ladeleistung, sondern mittlerweile vielmehr vom Wert des Premiumbegriffs.

Denn erstmals seit Jahrzehnten muss Mercedes seinen Preis nicht mehr ausschließlich gegenüber BMW oder Audi rechtfertigen. Die eigentliche Herausforderung kommt heute von in den Markt drängenden neuen chinesischen Herstellern wie BYD und gleichzeitig von europäischen Volumenmarken wie Peugeot, deren jüngste Elektrofahrzeuge in vielen Bereichen näher an die Premiumklasse herangerückt sind, als dies noch vor wenigen Jahren vorstellbar gewesen wäre und den etablierten Premiummarken auch schmecken.

Und diese Frage stellt sich jetzt unbedingt weil Mercedes schlechter geworden wäre, sondern weil der Wettbewerb besser geworden ist, und heute in des Basisausstattung dem Maßstab sehr hoch legt.

Vor zehn Jahren wäre ein Vergleich zwischen einem Mercedes und einem chinesischen SUV kaum ernsthaft geführt worden. Zu groß waren die Unterschiede bei Verarbeitung, Fahrdynamik, Sicherheit und Markenimage. Heute verläuft diese Trennlinie deutlich unschärfer. Chinesische Hersteller beherrschen Batterietechnologie und Software auf höchstem Niveau, während europäische Hersteller wie Peugeot ihre Elektroplattformen konsequent weiterentwickelt haben. Reichweite, Sicherheitsausstattung und digitale Vernetzung sind längst keine exklusiven Premiummerkmale mehr.

Natürlich bleibt Mercedes in vielen Disziplinen Benchmark. Der elektrische GLC überzeugt mit außergewöhnlich hoher Ladeleistung, einer für Elektrofahrzeuge beeindruckenden Anhängelast, einem hervorragend abgestimmten Fahrwerk und einer Verarbeitungsqualität, die nach wie vor Maßstäbe setzt. Gerade auf der Langstrecke oder mit Anhänger spielt der GLC seine Stärken konsequent aus.

Doch der Kunde bewertet heute nicht mehr ausschließlich technische Exzellenz, er bewertet den Gegenwert und Preis-Leistungsverhältnisse und stellt sich immer mehr Frage, wieviel den Aufpreis für den Premiumanspruch, der sich in erster Linie auf Image und Außenwahrnehmung stützt, noch Wert ist.

Und schon der Größenvergleich zeigt, wie eng die Konkurrenz inzwischen zusammengerückt ist.

ModellMercedes GLC elektrischBYD Sealion 7Peugeot E-5008
Länge4.845 mm4.830 mm4.791 mm
Breite1.913 mm1.925 mm1.895 mm
Höhe1.644 mm1.620 mm1.694 mm
Radstand2.972 mm2.930 mm2.901 mm
Kofferraum570 l520 lbis 748 l
Frunk128 l58 l
Anhängelastbis 2.400 kgbis 1.500 kgbis 1.200 kg

Der BYD Sealion 7 ist praktisch gleich groß wie der Mercedes. Gerade einmal 15 Millimeter trennen beide Fahrzeuge in der Länge. Der Peugeot E-5008 fällt geringfügig kompakter aus, bietet dafür aber optional sieben Sitzplätze und einen deutlich größeren Gepäckraum. Das klassische Argument, Premium bedeute automatisch mehr Auto, verliert damit an Überzeugungskraft.

Noch deutlicher wird die Entwicklung beim Preis.

Mercedes ruft für den GLC 250 elektrisch mindestens 63.810 Euro auf, der GLC 300 4MATIC startet bei 67.410 Euro. Dem gegenüber stehen ein BYD Sealion 7 ab rund 50.000 Euro sowie ein Peugeot E-5008 ab etwa 43.000 Euro.

ModellEinstiegspreis Österreich
Peugeot E-3008ab ca. 37.000 €
Peugeot E-5008ab ca. 43.000 €
BYD Sealion 7ab ca. 50.000 €
Mercedes GLC 250 elektrisch63.810 €
Mercedes GLC 300 4MATIC67.410 €

Damit beträgt der Abstand bereits im Basismodell zwischen 14.000 zum BYD Sealion und mehr als 20.000 Euro zum Peugeot 5008 GT!

Allerdings erzählt diese Rechnung nur die halbe Wahrheit.

Denn wer einen Mercedes bestellt, kauft in den seltensten Fällen das Basismodell. Gerade in diesem Segment gehören Metalliclack, größere Räder, hochwertige Sitzbezüge, Panorama-Glasdach, Head-up-Display, umfangreiche Assistenzsysteme, Wärmepumpe oder Luftfederung für viele Kunden längst zum erwarteten Gesamtpaket. Aus einem GLC um knapp 64.000 Euro wird dadurch sehr schnell ein Fahrzeug, dessen Endpreis deutlich jenseits der 80.000-Euro-Marke liegt.

Genau an diesem Punkt beginnt der Vergleich mit der Konkurrenz interessant zu werden.

Während Mercedes zahlreiche Komfort- und Technikfeatures weiterhin über die Optionsliste vermarktet, verfolgen BYD und zunehmend auch Peugeot eine andere Strategie. Dort gehören Panorama-Glasdach, Lederausstattung, Sitzheizung und Sitzbelüftung, Head-up-Display, 360-Grad-Kamera, hochwertige Audiosysteme sowie zahlreiche Assistenzsysteme vielfach bereits zur Serienausstattung. Der Kunde muss deutlich seltener in die Aufpreisliste greifen.

Vergleicht man deshalb Fahrzeuge, wie sie tatsächlich gekauft werden, verändert sich das Bild nochmals erheblich.

ModellRealistische Kundenkonfiguration*
BYD Sealion 7 Excellence AWDca. 55.000 €
Peugeot E-5008 GTca. 56.000 €
Mercedes GLC 250 elektrischca. 78.000 €
Mercedes GLC 300 4MATICca. 84.000 €

*Je nach Ausstattung, Aktionen und Markt können die Endpreise variieren.

Damit sprechen wir nicht mehr über 10.000 oder 15.000 Euro Unterschied, sondern über Preisabstände, die sich je nach Ausstattung auf rund 25.000 bis 30.000 Euro summieren können.

Natürlich wäre es unseriös, daraus abzuleiten, dass BYD oder Peugeot den besseren Mercedes bauen. Das tun sie nicht. Der GLC fährt kultivierter, bietet das ausgereiftere Fahrwerk, höhere Ladeleistungen, eine außergewöhnliche Anhängelast und eine Gesamtqualität, die ihn weiterhin an die Spitze seines Segments stellt.

Aber genau darin liegt die eigentliche Herausforderung. Denn die Frage lautet heute nicht mehr, ob der Mercedes das bessere Auto ist. Die Frage lautet, wie groß dieser Vorsprung im Alltag tatsächlich noch ausfällt und ob die Käufer noch bereit sind, dafür zu bezahlen.

Vor einigen Jahren wäre diese Diskussion kaum geführt worden. Damals war der technologische Vorsprung der Premiumhersteller groß genug, um den Aufpreis nahezu selbstverständlich erscheinen zu lassen. Heute haben chinesische Hersteller bei Batterietechnologie und Software massiv aufgeholt, während europäische Volumenmarken ihre Fahrzeuge in Bereichen wie Reichweite, Materialqualität und Digitalisierung deutlich weiterentwickelt haben.

Für Mercedes bedeutet das keineswegs eine Schwäche. Im Gegenteil. Der elektrische GLC zeigt eindrucksvoll, dass die Marke weiterhin zu den technologischen Taktgebern der Branche gehört.

Doch Premium wird künftig anders definiert werden.

Nicht mehr allein über technische Überlegenheit, sondern über den nachvollziehbaren Mehrwert, den der Kunde täglich erlebt.

Und auch die Flottenmanager rechnen heute genauer denn je. Unternehmer vergleichen Gesamtbetriebskosten, Ladezeiten, Garantien und Restwerte. Auch Privatkunden lassen sich immer seltener ausschließlich vom Markenlogo leiten. Die Transparenz des Elektroautomarktes macht Preisunterschiede sichtbarer und zwingt dabei Premiumhersteller dazu, ihren Aufpreis immer wieder neu zu begründen.

Der neue elektrische GLC ist deshalb weit mehr als ein weiteres Modell im Mercedes-Programm, sondern mittlerweile auch ein Gradmesser für die Zukunft des Premiumsegments.

Mercedes-Benz baut nach wie vor eines der der wohl besten Elektro-SUVs am Markt. Daran besteht wenig Zweifel. Gleichzeitig zeigt gerade dieses Fahrzeug, wie stark sich der Wettbewerb verändert hat. Nicht weil Mercedes an Qualität verloren hätte, sondern weil Hersteller wie BYD und selbst klassische Volumenmarken wie Peugeot mit enormem Tempo aufgeholt haben.

Der Stern besitzt nach wie vor eine enorme Strahlkraft, doch erstmals seit Jahrzehnten genügt er allein nicht mehr, um einen deutlichen Preisaufschlag selbstverständlich erscheinen zu lassen. Auch die Alleinstellungsmerkmal durch verbaute Motorentechnik fällt im Elektrozeitalter zur Gänze weg.

Und genau darin liegt vielleicht die spannendste Entwicklung der Automobilindustrie: Premium muss seinen Mehrwert heute wieder erklären. Nicht gegenüber der Vergangenheit – sondern gegenüber einer Konkurrenz, die technologisch näher gekommen ist und in einigen Teilen die historisch gewachsenen Premiummarken bereits überholt hat!

Und wenn der Zeitpunkt kommt, daß der Nachbar nicht mehr fragt, ob man denn kein Geld mehr habe, wenn man seinen Mercedes eintauscht, dann könnte es schnell sehr ernst werden!

Technische DatenGLC 250 elektrischGLC 300 4MATIC elektrischGLC 400 4MATIC elektrisch
AntriebHeckantriebAllradAllrad
Leistung260 kW (354 PS)310 kW (421 PS)360 kW (490 PS)
Drehmoment800 Nm800 Nm800 Nm
Batterie (netto)85 kWh85 kWh94 kWh
Reichweite (WLTP)bis 650 kmbis 616 kmbis 715 km
DC-Ladeleistung320 kW330 kW330 kW
AC-Ladeleistung11 kW (22 kW optional)11 kW (22 kW optional)11 kW (22 kW optional)
Ladezeit 10–80 %ca. 22 minca. 22 minca. 22 min
Reichweite nach 10 min Ladenbis 265 kmbis 255 kmbis 305 km
0–100 km/h6,4 s*4,7 s4,3 s
Höchstgeschwindigkeit210 km/h210 km/h210 km/h
Kofferraum570–1.740 l570–1.740 l570–1.740 l
Frunk128 l128 l128 l
Anhängelast (gebremst)2.400 kg2.400 kg2.400 kg
Wendekreis12,1 m (11,9 m mit Hinterachslenkung)12,1 m (11,9 m)12,1 m (11,9 m)

*Die Beschleunigung des GLC 250 war im übermittelten Pressetext nicht angeführt; 6,4 Sekunden entsprechen der veröffentlichten Werksangabe.

Abmessungen:

AbmessungenMercedes GLC elektrisch
Länge4.845 mm
Breite1.913 mm
Höhe1.644 mm
Radstand2.972 mm
Kofferraum570–1.740 l
Frunk128 l
Anhängelastbis 2.400 kg

Bilder ©Mercedes-Benz Österreich GmbH!

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