MOTORWELT

Der neue Jeep Avenger 4xe – Die Bergziege im B-Segment

TURIN / FRANKFURT. Es ist eine der schwierigsten Gratwanderungen der modernen Automobilindustrie: Wie transferiert man die archaische Seele einer Marke, deren Fundament auf grobstolligem Schlamm, unbarmherzigem Fels und purer mechanischer Unverwüstlichkeit gebaut ist, in eine durchregulierte, flüsterleise und digitalisierte Gegenwart? Vor dieser Herkulesaufgabe steht Jeep. Die Antwort der Amerikaner rollt nun im ultrakompakten B-Segment über die Straßen – und vor allem abseits davon: der neue Jeep Avenger 4xe.

Während die Konkurrenz in dieser Klasse das Thema „SUV“ meist rein kosmetisch als höhergelegte Einkaufswagen für die Großstadt interpretiert, besinnt sich Jeep auf seine Wurzeln. Man muss beinahe froh sein, dass es in Zeiten automobiler Gleichschaltung noch Hersteller gibt, die den Mut aufbringen, eine echte Markenidentität nicht nur zu verwalten, sondern sie radikal und technisch anspruchsvoll in die Neuzeit zu übersetzen. Genau hier schlägt die Stunde der neuen Allrad-Bergziege, die mit einem tiefgreifenden Facelift und einer technischen Sonderstellung angetreten ist.

Evolution der Karosserie: Das Manifest des „Design to Function“

Wer den neuen Avenger 4xe mit seinem Vorgänger vergleicht, erkennt sofort eine konsequente Evolution der Formensprache. Gemäß dem hauseigenen Credo „Each scratch is a memory“ (Jeder Kratzer ist eine Erinnerung) wurde die Karosserie an entscheidenden Punkten nachgeschärft und noch robuster gegenüber den Widrigkeiten des Alltags aufgestellt.

An der Front blickt man nun auf einen modifizierten Stoßfänger (Front Bumper), der beim 4xe durch markante vertikale Schutzelemente und rote Farbakzente sofort ins Auge sticht. Der ikonische Sieben-Schlitz-Grill verschmilzt mit dem neuen, prominenten Jeep Shield, während eine matte Folierung auf der Motorhaube (Hood Sticker) unerwünschte Reflexionen eliminiert. Zum ersten Mal ziehen sich zudem serienmäßige Dachrelings über das Profil. Unter dem Blech schützt eine zusätzliche Stahlplatte (Unterfahrschutz) die empfindliche Antriebstechnik vor unsanftem Felskontakt.

Auch die Flanken und das Heck zeugen von diesem tiefgreifenden Update:

  • Neue Räder: Frisch gestaltete 17-Zoll- bzw. 18-Zoll-Leichtmetallfelgen in markantem Schwarz- oder Gold-Finish sind ab Werk mit speziellen M+S-Reifen bezogen, um die Traktion im Groben zu garantieren.
  • Heck-Retuschen: Ein komplett neu geformter hinterer Stoßfänger (Rear Bumper) schließt das Fahrzeug nach unten ab.
  • Heritage im Detail: Neben abgedunkelten Logos (Dark Grey Logos) prangt stolz ein neuer, funktionaler roter Abschlepphaken (Rear Tow Hook) am Heck – bereit, um im Fall der Fälle fremde Hilfe zu leisten oder selbst gesichert zu werden.

Das Interieur: Taktile Aufwertung für raue Einsätze

Im Cockpit korrigiert Jeep die oft kritisierte Sachlichkeit des ersten Avenger-Modells mit einer spürbaren Premium-Anmutung. Die Türverkleidungen wurden umfassend überarbeitet und verfügen nun über einen weich unterfütterten oberen Bereich (Soft Material Top Roll) sowie Ziernähte im Doppelstich-Design. Das Auge wandert weiter über die Armaturentafel, deren untere Blende (Dashboard Fascia) ebenfalls mit weichen Materialien veredelt wurde.

Für den harten Allrad-Einsatz unerlässlich: Die Sitze (Durable Seats) wurden mit einem hochgradig strapazierfähigen, komplett waschbaren Material bezogen. Dennoch bleibt der Komfort nicht auf der Strecke – das zeigt das exklusive Abdeckpad für den Mitteltunnel (Dedicated Pad Cover), welches mit feinen Kontrastnähten verziert ist.

Mechanische Naturgewalt: 1.900 Newtonmeter an der Hinterachse

Während Jeep für klassische urbane Ansprüche weiterhin hocheffiziente Aggregate bereithält – darunter den traditionellen Petrol-Schalter (1.2 Turbo mit neuer Steuerkette), den komfortablen e-Hybrid mit Doppelkupplungsgetriebe sowie den rein elektrischen BEV mit 400 Kilometern WLTP-Reichweite –, deklassiert der 4xe die Konkurrenz im Gelände durch seine technologische Sonderstellung.

Anstelle einer schweren, mechanischen Kardanwelle vertraut der Avenger 4xe auf ein intelligentes E-AWD-System. Ein 136 PS starker Verbrennungsmotor arbeitet an der Vorderachse mit einer 21 kW starken E-Maschine zusammen, während ein identischer 21 kW Elektromotor exklusiv die Hinterachse antreibt.

Was auf dem Papier nach sanfter Hybrid-Unterstützung klingt, entpuppt sich im Unterholz als logische Entscheidung: Der hintere Elektromotor liefert ein nominelles Drehmoment von 88 Nm. Dieses wird durch ein hochgradig übersetztes Reduktionsgetriebe (Übersetzungsverhältnis 22,7:1) vervielfältigt. Das mathematische und physische Resultat sind atemberaubende 1.900 Nm Drehmoment direkt an den Hinterrädern.

Dank dieser Kraftverteilung transformiert sich der Avenger 4xe zu einer echten Bergziege im B-Segment und glänzt mit beeindruckenden Slope Performances:

  • Er bezwingt mühelos Steigungen von bis zu 40 % auf losem Schotter.
  • Selbst bei völligem Traktionsverlust an der Vorderachse (0 % Grip) schiebt der Heckmotor den Wagen Steigungen von bis zu 20 % unbeirrt hinauf.

Die Bergziege im direkten Modellvergleich

Dass der 4xe kein bloßes Ausstattungspaket, sondern eine tiefgreifende Neuentwicklung ist, untermauern die nackten Zahlen im Vergleich zu den frontgetriebenen Schwestermodellen (wie dem e-Hybrid):

KriteriumStandard-Modelle (4×2 / e-Hybrid)Avenger 4xe (Allrad)
Bodenfreiheit200 mm210 mm (+10 mm Erhöhung)
Wattiefe230 mm400 mm (Fast verdoppelt!)
Böschungswinkel (v/m/h)21∘/20∘/34∘22∘/21∘/35∘ (Jeweils +1° Rampenwinkel)
AntriebsachseNur FrontachseZusätzlicher Motor auf der Hinterachse
Systemdrehmoment205 Nm230 Nm gesamt
Zwischensprint (80–120 km/h)8,9 Sekunden7,5 Sekunden (Satte Performance-Steigerung)

Dreifaltigkeit des Allrads: Die drei Ausführungen

Jeep bietet den Avenger 4xe in drei maßgeschneiderten Ausstattungslinien an, um den Spagat zwischen robuster Funktionalität und exklusivem Lifestyle perfekt zu bedienen:

  1. Upland: Das robuste Fundament. Basierend auf der Altitude-Linie, bringt dieser Allradler bereits die waschbaren Sitze, die 17-Zoll-M+S-Räder und den kompletten Unterfahrschutz mit.
  2. Overland: Die voll ausgestattete Speerspitze. Hier fusionieren maximale Geländetauglichkeit mit feinen Assistenzsystemen (L2-Driving) und dem edlen, grünen Dashboard samt integriertem 4xe-Schriftzug.
  3. 85th Anniversary: Das Sammlerstück. Eine exklusive Hommage an die Markengründung im Jahr 1941. Sie glänzt mit goldenen Akzenten an den Stoßfängern, opulenten 18-Zoll-Rädern in Gold-Finish, einem historisch inspirierten Tartan-Muster auf den Sitzen sowie dem markanten, beleuchteten Sieben-Schlitz-Grill.

Fazit

Der neue Jeep Avenger 4xe ist ein automobiles Statement gegen den Einheitsbrei moderner Kompakt-SUVs. Durch die geniale Nutzung der elektrifizierten Hinterachse beweist Jeep, dass man die technischen Vorteile des 21. Jahrhunderts nutzen kann, ohne die unerbittliche Offroad-DNA der Gründerväter zu verraten. Ein hochkarätiges Stück Technik, verpackt in ein frisches Gewand, das stolz jeden Kratzer als Auszeichnung trägt

Kommentar hinterlassen

Follow us

Wir würden uns sehr freuen, wenn Sie uns auf Facebook folgen.