Nach den beiden Erfolgen auf Asphalt in Kroatien und auf den Kanaren stand für Lancia Corse HF bei der Rallye Portugal erstmals der große WM-Härtetest auf Schotter auf dem Programm. Portugal präsentierte sich dabei einmal mehr, dem wechselnden Wetter sei Dank, als eine der technisch schwierigsten Rallyes der gesamten Saison. Wechselnde Wetterbedingungen, trockene und extrem lose Schotterpassagen, tiefer Schlamm, ausgefahrene Spurrinnen und permanent wechselnde Gripverhältnisse verlangten speziell den Rally2-Fahrzeugen enorm viel ab. Besonders schwierig wurde die Situation für jene Crews, die direkt hinter den Rally1-Fahrzeugen unterwegs waren, musste diese durch die von den Rallye1-Fahrzeugen in den Brems- und Einlenkten erzeugten tiefen Spurrillen, die jedoch auf Grund der anderen Fahrzeuggeometrie, nicht zur Spurweite der RAllye2-Fahrzeuge passten.
Lancia Corse HF hier nach der Rückkehr in die Rallye-WM erstmals auf Schotter, präsentierte sich von Beginn an konkurrenzfähig. Sowohl Yohan Rossel als auch Nikolay Gryazin, der hier nicht um WM-Punkte kämpfte, konnten bereits am ersten Tag das Tempo an der Spitze mitgehen. Rossel beendete den Auftakt auf Rang zwei der WRC2-Wertung, lediglich 4,3 Sekunden hinter der Spitze, während Gryazin auf Rang vier folgte.

Am Freitag gelang beiden Fahrern Bestzeiten in der WRC2-Kategorie. Gryazin setzte sich zwischenzeitlich sogar an die Spitze des Feldes und beendete den Tag als Führender der WRC2-Wertung. Dahinter folgten Jan Solans und Rossel in unmittelbarer Schlagdistanz.
Auch am Samstag blieb Lancia im Spitzenfeld präsent. Rossel und Gryazin konnten weiterhin Topzeiten fahren und hielten den Kontakt zur Spitze konstant aufrecht. Erst auf der vorletzten Prüfung des Tages endete der starke Auftritt von Rossel nach einem Kontakt mit einem Felsen. Der Franzose musste aufgeben, konnte die Rallye jedoch unter Rally2-Reglement fortsetzen und wichtige Erkenntnisse für die weitere Entwicklung sammeln.
Gryazin hingegen brachte die Rallye konstant und kontrolliert zu Ende. Vor dem Schlusstag lag der Lancia-Pilot lediglich 15,2 Sekunden hinter Rang zwei und blieb damit voll in Schlagdistanz selbst zum Sieg. Am letzten Tag bestätigte das Team schließlich nochmals seine Geschwindigkeit. Rossel sicherte sich Rang zwei auf der Powerstage, während Gryazin die Rallye Portugal auf Gesamtrang zwei der Rally2-Fahrzeuge beendete.
Auch in der Weltmeisterschaft bleibt Lancia damit weiterhin hervorragend positioniert. Yohan Rossel führt die WRC2-Wertung nach Portugal gemeinsam mit seinem Bruder Léo Rossel sowie Roope Korhonen mit jeweils 52 Punkten an. Nikolay Gryazin liegt mit 31 Punkten aktuell auf Rang sieben der Meisterschaft.

Entsprechend positiv fiel auch das Fazit innerhalb des Teams aus. Lancia-CEO Roberta Zerbi sprach nach dem Wochenende von einem „sehr wichtigen Meilenstein“ für das gesamte Projekt. Nach den starken Asphalt-Auftritten bestätige das Ergebnis auf Schotter bei einer der schwierigsten Rallyes des gesamten WRC-Kalenders nun auch die Konkurrenzfähigkeit des Ypsilon Rally2 HF Integrale auf losem Untergrund. Gleichzeitig betonte sie die Bedeutung der Arbeit innerhalb des gesamten Projekts rund um Lancia Corse HF und Stellantis Motorsport. Die Rückkehr von Lancia in den Rallyesport sei ein glaubwürdiges und langfristig aufgebautes Motorsportprogramm mit klarer technischer Struktur und hoher Ambition.
Auch Teamchef Didier Clément zeigte sich mit dem ersten Schotter-Auftritt des Fahrzeugs auf WM-Niveau zufrieden. Beide Fahrzeuge hätten über lange Zeit auf Podiumskurs gelegen, ehe die wechselnden Wetterbedingungen und speziell der starke Regen die Rallye nochmals massiv verändert hätten. Gleichzeitig unterstrich Clément aber auch den hohen Lernwert dieses Wochenendes. Während Rossel unter extrem schwierigen Bedingungen unglücklich ausgeschieden sei, hätten Gryazin und Aleksandrov mit ihrem Podiumsresultat ein starkes Ergebnis geliefert. Viel Zeit zur Analyse bleibt allerdings nicht, denn innerhalb des Teams richtet sich der Fokus bereits auf die Rallye Japan in weniger als drei Wochen.

Auch Yohan Rossel selbst sprach von einer enorm wichtigen Lernrallye. Die direkt aufeinanderfolgenden Einsätze der vergangenen Wochen hätten die Vorbereitung auf den ersten großen Schotter-WM-Lauf zusätzlich erschwert. Gleichzeitig sei aber von Beginn an klar gewesen, dass Portugal viele neue Erkenntnisse bringen würde. Im Kampf um den Sieg habe letztlich ein kleiner Fehler gereicht, um entscheidend Zeit zu verlieren. Nun arbeite das gesamte Team bereits wieder intensiv daran, für die kommenden Rallyes noch besser vorbereitet zu sein.
Portugal zeigte damit vor allem eines sehr deutlich: Der neue Lancia Ypsilon Rally2 HF Integrale besitzt auch auf Schotter bereits ein hohes Grundpotenzial. Und genau das dürfte innerhalb des Projekts aktuell die wichtigste Erkenntnis dieses Wochenendes gewesen sein.
WRC2 – Rallye Portugal 2026 Top 5
| Pos. | Fahrer | Fahrzeug | Gesamtzeit | Rückstand |
|---|---|---|---|---|
| 1 | Teemu Suninen | Toyota GR Yaris Rally2 | 4:04:15,5 | — |
| 2 | Nikolay Gryazin | Lancia Ypsilon Rally2 HF Integrale | 4:04:40,4 | +24,9 s |
| 3 | Roope Korhonen | Toyota GR Yaris Rally2 | 4:05:01,1 | +45,6 s |
| 4 | Andreas Mikkelsen | Škoda Fabia RS Rally2 | 4:05:29,7 | +1:14,2 min |
| 5 | Jan Solans | Škoda Fabia RS Rally2 | 4:07:02,5 | +2:47,0 min |
WRC2 – FIA Rallye-WM 2026 Stand nach Portugal Top 5
| Pos. | Fahrer | Fahrzeug | Punkte |
|---|---|---|---|
| 1 | Yohan Rossel | Lancia Ypsilon Rally2 HF Integrale | 52 |
| 2 | Roope Korhonen | Toyota GR Yaris Rally2 | 52 |
| 3 | Léo Rossel | Citroën C3 Rally2 | 52 |
| 4 | Teemu Suninen | Toyota GR Yaris Rally2 | 42 |
| 5 | Roberto Daprà | Škoda Fabia RS Rally2 | 37 |




















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