MOTORWELT

Peugeot zeigt in Spa erstmals echtes Hypercar-Potenzial

Drei Gesamtsiege bei den 24 Stunden von Le Mans, die legendären Peugeot 905 der frühen 1990er-Jahre, später der dominante 908 HDi FAP und Namen wie Jean Todt, Derek Warwick, Stéphane Sarrazin oder auch der Österreicher Alexander Wurz – Peugeot gehört historisch zu jenen Marken, die den Langstreckensport mit geprägt haben. Die Gesamterfolge 1992, 1993 und 2009 zählen bis heute zu den wichtigsten Kapiteln der Motorsportgeschichte der Franzosen. 

Entsprechend hoch war in den vergangenen Jahren daher auch die Erwartungshaltung, als Peugeot mit dem radikalen 9X8-Konzept in die Hypercar-Klasse der FIA WEC zurückkehrte. Das Projekt sorgte technisch zwar früh für Aufmerksamkeit, speziell durch das Weglassen des hinteren Flügels, sportlich blieb der große Durchbruch bisher allerdings aus.

Bis Spa.

Mit der ersten Hyperpole seit dem Wiedereinstieg in die FIA WEC setzte Peugeot in Spa-Francorchamps nun ein wichtiges sportliches Ausrufezeichen. Der PEUGEOT 9X8 zeigte dabei über das gesamte Wochenende deutlich bessere Balance, stabile Pace über längere Stints und erstmals echte Konkurrenzfähigkeit gegenüber Ferrari, Toyota und Cadillac.

Bereits das Qualifying in Spa brachte eine erste Erleichterung im gesamten Team und den ersehnten ersten Erfolg. Dabei begann die Session für Malthe Jakobsen im #94 alles andere als ideal. Der junge Däne drehte sich auf seiner Outlap am Ausgang von Raidillon auf kalten Reifen und musste anschließend zum Reifenwechsel zurück an die Box. Unter dem hohen Zeitdruck einer WEC-Qualifikation hätte diese Szene das Wochenende bereits früh beschädigen können.

Jakobsen schaffte dennoch den Einzug in die Hyperpole und nutzte dort seine Chance eindrucksvoll. Mit einer Runde von 2:00.653 Minuten stellte er den PEUGEOT 9X8 #94 auf Pole Position und sicherte Peugeot damit die erste Pole Position seit der Rückkehr in die Langstrecken-Weltmeisterschaft 2022.

Mehr als die Bestzeit selbst spürte man im Team eine Erleichterung, speziell weil man am 9X8 wohl an den richtigen Stellschrauben drehen konnte. Das Auto wirkte deutlich stabiler als noch bei Saisonbeginn, speziell im schnellen Streckenabschnitt zwischen Eau Rouge, Raidillon und Blanchimont, wo die Aerodynamik, mit der man in den letzten Jahren zu kämpfen hatte, eine entscheidende Rolle spielt.

Auch der zweite Peugeot erreichte mit Stoffel Vandoorne im #93 die Hyperpole-Session. Der Belgier qualifizierte sich schlussendlich auf Rang neun, bestätigte aber ebenfalls den klaren Aufwärtstrend des Autos.

Innerhalb des Teams war die Erleichterung spürbar. Seit dem WEC-Comeback 2022 stand das Projekt immer wieder unter Druck. Das ursprüngliche 9X8-Konzept ohne klassischen Heckflügel sorgte zwar technisch für Aufmerksamkeit, brachte sportlich jedoch nicht die erhoffte Stabilität und Konstanz. Peugeot reagierte später mit einer umfangreichen aerodynamischen Überarbeitung des Fahrzeugs – und genau diese Entwicklung scheint nun langsam Wirkung zu zeigen.

Auch im Rennen selbst bestätigten sich der positive Eindruck aus dem Training.

Loïc Duval verteidigte im #94 die Führung beim Start sauber durch La Source und Raidillon und etablierte sich früh innerhalb der Spitzengruppe. Vor allem während seines Doppelstints blieb Peugeot konstant in Schlagdistanz zu Ferrari und Toyota.

Auch Théo Pourchaire hielt den #94 anschließend stabil innerhalb der Topgruppe. Rund zwei Stunden vor Rennende lag das Fahrzeug weiterhin aussichtsreich im Kampf um ein Spitzenergebnis und übergab seinen Peugeot 9X8 an Pole-Setter Malthe Jakobsen.

Kurz nach Beginn seines Stints traf Malthe Jakobsen im Bereich Les Combes auf einen querstehenden GT3-Wagen. Der Däne befand sich zu diesem Zeitpunkt auf seiner Outlap mit kalten Reifen und hatte keine Möglichkeit mehr auszuweichen. Der Einschlag beschädigte den #94 schwer, das Rennen war beendet.

Der Schwesterwagen #93 mit Paul di Resta, Nick Cassidy und Stoffel Vandoorne brachte das Rennen zumindest noch auf Rang sieben ins Ziel und sicherte Peugeot damit die ersten WM-Punkte der Saison.

Vor allem gegen Rennende zeigte der 9X8 bei niedrigeren Temperaturen nochmals starke Pace. Stoffel Vandoorne fuhr in 2:04.177 Minuten die schnellste Rennrunde des gesamten Feldes.

Speziell vor den wichtigsten Rennen und Heimrennen für Peugeot, den 24h von LeMans, war dieses Ausrufezeichen wohl ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung.

Denn Spa deutete erstmals darauf hin, dass der 9X8 mittlerweile ein deutlich breiteres Arbeitsfenster besitzt. Das Auto wirkte berechenbarer auf den Reifen, stabiler über längere Stints und insgesamt wesentlich ruhiger im Verkehr. Gerade in der Hypercar-Klasse, in der sich die Leistungsdichte mittlerweile auf extrem hohem Niveau bewegt, war das ein wichtiger Schritt!

Zum Rennverlauf selbst:

BMW feiert in Spa den ersten Gesamtsieg in der FIA WEC – und gleich einen Doppelsieg mit dem M Hybrid V8.
Auffällig war dabei, dass nach den dominanten Auftritten von Ferrari und Toyota in Imola diesmal andere Hersteller an der Spitze standen.
Die Balance of Performance bleibt weiterhin schwer nachvollziehbar, weil viele Parameter intern bleiben und öffentlich nicht vollständig transparent sind.
Fest steht allerdings: BMW verfügte in Spa über außergewöhnlich starke Pace und ein extrem konstantes Auto über die Distanz.
Dazu kamen vier Safety-Car-Phasen und eine strategisch perfekt aufgeteilte Rennführung beider BMW.
Ferrari rettete Platz drei, Peugeot verlor nach der ersten WEC-Pole seit dem Comeback durch eine GT3-Kollision eine mögliche Spitzenplatzierung.

WEC Spa 2026: Ergebnis der 6 Stunden von Spa-Francorchamps (Hypercar)

Pos.FahrerTeamRückstand
1R. Frijns / R. Rast / S. van der LindeBMW
2K. Magnussen / R. Marciello / D. VanthoorBMW+1.969
3A. Fuoco / M. Molina / N. NielsenFerrari+2.622
4H. Tincknell / T. GambleAston Martin+5.004
5M. Conway / K. Kobayashi / N. De VriesToyota+6.015
6Y. Ye / R. Kubica / P. HansonAF Corse Ferrari+11.552
7P. Di Resta / S. Vandoorne / N. CassidyPeugeot+12.861

Kommentar hinterlassen

Follow us

Wir würden uns sehr freuen, wenn Sie uns auf Facebook folgen.