Der überarbeitete Tonale tritt als Veloce mit 270 PS, elektrischem Allradantrieb, aktiven Dämpfern und roten Brembo Bremssätteln an. Nach der ersten Fahrt bei der Präsentation in Italien stand das stärkste Modell nun für einen ausführlichen Test in Österreich zur Verfügung.
270 PS, elektrischer Allradantrieb, aktive Dämpfer und rote Brembo Bremssättel: Als Tonale Veloce Ibrida Plug in Q4 tritt der stärkste Tonale mit einem klaren sportlichen Anspruch an. Nach der ersten Fahrt bei der Präsentation in Italien stand das überarbeitete Modell nun für einen ausführlichen Test in Österreich zur Verfügung.
Und dabei ging es nicht nur um Fahrleistungen und Fahrverhalten, auch darum, wie der Tonale mit leer angezeigter Batterie fährt und ob Systemleistung und Allradantrieb weiterhin vollständig verfügbar bleiben.
Behutsame Modellpflege
Alfa Romeo hat die Form des 4,52 Meter langen Tonale nicht grundlegend verändert. Die Überarbeitung konzentriert sich auf die Front, deren Scudetto nun horizontale Streben trägt. Vier kleine senkrechte Öffnungen neben dem zentralen Kühlergrill greifen Gestaltungselemente früherer GTA Modelle auf. Das Kennzeichen sitzt nicht mehr seitlich, ein typischen Alfamerkmal bisher, sondern mittig unterhalb des Scudetto, was dem Veloce nun mehr Symmetrie und Volumen geben.
Die dreiteilige Lichtsignatur blieb erhalten. Beim Veloce kommen Voll Matrix LED Scheinwerfer, 19 Zoll große Leichtmetallräder, ein glänzend schwarzer Karosseriekit, schwarz eingerahmte Türrahmen, dunkle Schriftzüge und rote Brembo Bremssättel hinzu.
Unser Testwagen trägt die neue Lackierung Rosso Brera. Das dunkle, je nach Lichteinfall beinahe rubinfarbene Rot betont die Wölbung der Motorhaube und die ausgeprägte Schulter über den Hinterrädern. Zusammen mit den schwarzen Elementen der Veloce Ausstattung wirkt der Tonale sportlich, ohne seinen Auftritt durch zusätzliche Dekoration zu überladen.
Das Design bleibt eine seiner stärksten Eigenschaften. Scudetto, Lichtsignatur, Seitenlinie und Räder ergeben ein geschlossenes Erscheinungsbild, das klar der Marke zugeordnet werden kann.

Klassischer Fahrerplatz mit digitalen Instrumenten
Das Cockpit orientiert sich stärker am Fahrer als an der Größe seiner Bildschirme. Das digitale 12,3 Zoll Instrumentendisplay sitzt in der klassischen Cannocchiale Einfassung. Der zentrale Touchscreen misst 10,25 Zoll und ist niedrig genug angeordnet, um das Sichtfeld nicht unnötig einzuschränken.
Wichtige Funktionen lassen sich weiterhin über Tasten und Drehregler bedienen. Der Startknopf sitzt am Lenkrad, der DNA Regler auf der Mittelkonsole. Die großen Aluminium Schaltpaddles sind fest an der Lenksäule montiert und auch bei starkem Lenkeinschlag eindeutig zu erreichen. Die Paddles steuern allerdings ausschließlich die sechs Fahrstufen der Wandlerautomatik. Eine manuelle Regelung der Rekuperation ist nicht möglich. Gerade auf längeren Gefällestrecken wäre diese Funktion sinnvoll.
Die elektrisch verstellbaren Ledersitze bieten guten Seitenhalt und sind beheizt sowie belüftet. Auch die Sitzposition passt zum sportlichen Anspruch, weil man nicht unnötig hoch über der Straße platziert wird. Die Verarbeitung ist sauber, die Materialauswahl wirkt im direkten Sichtbereich hochwertig.
Im Fond stehen ausreichende Platzverhältnisse für Erwachsene zur Verfügung. Der Kofferraum fasst 385 Liter und wächst bei umgelegter Rückbank auf 1.430 Liter. Der normale Hybrid bietet 500 Liter. Damit kostet die Plug in Technik nicht nur Gewicht, sondern auch einen spürbaren Teil des Ladevolumens.

Zwei Motoren, zwei angetriebene Achsen
An der Vorderachse arbeitet ein 1,3 Liter großer Vierzylinder Turbobenziner mit 150 PS und 270 Newtonmetern. Die Kraftübertragung übernimmt eine Sechsgang Wandlerautomatik. An der Hinterachse sitzt ein Elektromotor mit 128 PS und 250 Newtonmetern. Eine mechanische Verbindung zwischen den Achsen gibt es nicht, der Allradantrieb entsteht durch die elektronische Abstimmung beider Motoren. Die maximale Systemleistung beträgt 270 PS.
Die elektrische Hinterachse prägt das Fahrverhalten stärker, als es bei vielen Plug in Hybriden der Fall ist. Der Elektromotor übernimmt nicht nur eine unterstützende Aufgabe, sondern sorgt für den gesamten Antrieb der Hinterräder. Beim Anfahren und beim Herausbeschleunigen aus engen Kurven stellt er sein Drehmoment ohne Verzögerung bereit. Auf nasser Fahrbahn verteilt das System die Leistung sauber zwischen beiden Achsen und vermeidet störende Antriebseinflüsse in der Lenkung.
Für den Sprint von null auf 100 km/h nennt Alfa Romeo 6,6 Sekunden, die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 195 km/h. Rein elektrisch sind bis zu 135 km/h möglich. Die Fahrleistungen sind kräftig, wirken subjektiv aber weniger eindrucksvoll, als 270 PS vermuten lassen. Der Tonale bringt rund 1.835 Kilogramm nach DIN auf die Waage. Außerdem wechselt die Sechsgangautomatik ihre Fahrstufen eher ruhig als besonders schnell. Der 1,3 Liter Motor ist unter hoher Last deutlich zu hören, entwickelt dabei jedoch wenig akustischen Charakter.
Die großen Paddles verleiten zum manuellen Eingriff, das Getriebe reagiert darauf zuverlässig, aber vielleicht weniger unmittelbar, als es die Größe der Paddels vermuten lässt.
Fahrwerk und Lenkung
Die direkte Lenkung, zumindest im Sport-Mode, gehört zu den überzeugendsten Eigenschaften des Tonale. Sie reagiert präzise, verlangt nur geringe Lenkwinkel und vermittelt früh ein klares Gefühl für die Vorderachse. Das Fahrzeug lenkt willig ein und hält die gewählte Linie auch bei höherem Tempo sauber. Die Seitenneigung bleibt gering, das hohe Gewicht verschwindet dennoch nicht. In schnellen Wechselkurven wirkt der Tonale stabil und gut kontrollierbar, ist dabei aber nicht wirklich leichtfüßig. Der elektrische Hinterachsantrieb verbessert die Traktion deutlich, und gibt am Ende auch entsprechende Sicherheit.
Der Veloce ist serienmäßig mit Alfa Active Suspension ausgestattet. Die elektronisch geregelten Dämpfer verändern ihre Kennlinie abhängig vom gewählten DNA Modus. In Dynamic fällt die Abstimmung auf schlechtem Asphalt sehr straff und direkt aus, was eine wohltuende Abwechslung zu manchen “Gummischauckeln” ist. Über die Taste im Zentrum des DNA Reglers lässt sich die Dämpfung auf eine komfortablere Stufe zurückstellen, während die schärfere Reaktion von Motor und Getriebe erhalten bleibt.
Natural bietet die ausgewogenste Abstimmung für den Alltag. Advanced Efficiency priorisiert den elektrischen Betrieb. Dynamic hält den Verbrennungsmotor häufiger aktiv, verzögert das Hochschalten und stellt die elektrische Unterstützung schneller bereit.

Elektrisches Fahren
Die Lithium Ionen Batterie besitzt eine Bruttokapazität von 15,5 kWh, davon sind 12,0 kWh nutzbar. Alfa Romeo nennt eine elektrische Reichweite von bis zu 61 Kilometern im kombinierten WLTP Zyklus und bis zu 81 Kilometer im Stadtbetrieb. Der hintere Elektromotor ist mit 128 PS stark genug, um den Tonale im normalen Stadtverkehr souverän zu bewegen. Das Fahrzeug fährt grundsätzlich elektrisch an, beschleunigt unmittelbar und kann einen erheblichen Teil der täglichen Kurzstrecken ohne Unterstützung des Benzinmotors zurücklegen.
Geladen wird mit maximal 7,4 kW Wechselstrom. An einer entsprechenden Wallbox dauert eine vollständige Ladung rund zweieinhalb Stunden. Gleichstromladen ist nicht möglich. Gemessen am aktuellen Stand der Plug in Technik ist die Batterie überschaubar und die Ladeleistung nicht mehr außergewöhnlich.
Der Vorteil liegt in der relativ kurzen Ladezeit und der Möglichkeit, den täglichen Aktionsradius bei entsprechender Nutzung weitgehend elektrisch zurückzulegen. Voraussetzung dafür ist allerdings ein regelmäßiger Anschluss an die Steckdose.
Was bleibt bei leerer Batterie?
Zeigt das Instrument null Kilometer elektrische Reichweite, ist die Hochvoltbatterie technisch nicht vollständig entladen. Das Energiemanagement hält einen nicht sichtbaren Puffer zurück, damit elektrisches Anfahren, Rekuperation und der Antrieb der Hinterachse weiterhin möglich bleiben. Zusätzlich verfügt der Tonale über einen Hochvolt Startergenerator mit einer Spitzenleistung von 33 kW. Er wird vom Verbrennungsmotor angetrieben und kann während der Fahrt elektrische Energie erzeugen. Alfa Romeo bezeichnet diese Betriebsstrategie als Power Looping.
Damit bleibt der Tonale auch bei leer angezeigter Batterie grundsätzlich ein Q4. Der Elektromotor an der Hinterachse kann weiterhin für Traktion und zusätzliche Beschleunigung eingesetzt werden. Die maximalen 270 PS stehen unter diesen Bedingungen allerdings nicht zwingend dauerhaft zur Verfügung.
Der hintere Elektromotor kann bis zu 94 kW leisten, der Startergenerator höchstens 33 kW erzeugen. Bei voller Leistungsanforderung muss die Differenz aus dem verbliebenen Batteriepuffer kommen. Nach mehreren starken Beschleunigungen kann die elektrische Unterstützung deshalb reduziert werden, bis durch Rekuperation oder den Startergenerator wieder genügend Energie aufgebaut wurde.
Alfa Romeo veröffentlicht keine gesonderte Beschleunigungszeit für den Betrieb mit leer angezeigter Batterie. Die Werksangabe von 6,6 Sekunden setzt voraus, dass das Hybridsystem seine vollständige Leistung bereitstellen kann. Neben dem Ladezustand beeinflussen auch die Temperatur der Batterie und die unmittelbar vorausgegangene Belastung die verfügbare Leistung.
Der Q4 Antrieb verschwindet also nicht mit dem letzten angezeigten elektrischen Kilometer. Seine Leistungsfähigkeit hängt dann aber stärker vom aktuellen Energievorrat des internen Puffers ab.

Energie für später
Über die E Save Funktion lässt sich elektrische Energie für einen späteren Streckenabschnitt erhalten oder während der Fahrt mithilfe des Verbrennungsmotors aufbauen. Das kann sinnvoll sein, wenn nach einer Autobahnetappe eine längere Stadtfahrt folgt.
Beim aktiven Laden steigt allerdings der Kraftstoffverbrauch. Der Verbrennungsmotor muss das Fahrzeug antreiben und gleichzeitig über den Startergenerator elektrische Energie erzeugen. Für den normalen Betrieb bleibt das externe Laden die effizientere Lösung.
Beim Verzögern und Bremsen gewinnt der Tonale Energie zurück. Die Rekuperation funktioniert automatisch, kann vom Fahrer jedoch nicht in mehreren Stufen eingestellt werden. Das System entscheidet abhängig von Fahrmodus, Geschwindigkeit und Ladezustand über die Stärke der Energierückgewinnung.
Ein Plug in Hybrid mit klarer Bedingung
Der Tonale fährt am überzeugendsten mit geladener Batterie. Im Stadtverkehr arbeitet er leise und spontan, auf der Landstraße sorgt die elektrische Hinterachse für gute Traktion und ein sauberes Herausbeschleunigen. Der Verbrennungsmotor wird entlastet und muss seltener in hohe Drehzahlbereiche wechseln. Mit leer angezeigter Batterie bleibt der Tonale voll fahrfähig und behält grundsätzlich seinen Allradantrieb. Der Benzinmotor läuft dann häufiger, die Automatik schaltet mehr und die maximale Systemleistung ist nicht mehr unter allen Bedingungen über längere Zeit abrufbar.
Wer einen Plug in Hybrid nicht regelmäßig lädt, führt Batterie und Elektromotor weiterhin mit, kann deren Vorteile aber nur eingeschränkt nutzen. Beim Tonale fällt dieser Punkt besonders ins Gewicht, weil der Elektromotor nicht nur Verbrauch und Beschleunigung beeinflusst, sondern die gesamte Hinterachse antreibt.

Fazit
Der überarbeitete Alfa Romeo Tonale Veloce Ibrida Plug in Q4 überzeugt mit eigenständigem Design, präziser Lenkung und hoher Traktion. Die Modellpflege verändert seinen Charakter nicht, gibt der Front aber mehr Ordnung und Breite. Rosso Brera und die schwarzen Veloce Details stehen ihm ausgezeichnet.
Sein Fahrwerk besitzt eine klare sportliche Grundabstimmung, das hohe Gewicht bleibt in schnellen Richtungswechseln jedoch spürbar. Auch die 270 PS vermitteln weniger Temperament, als das Datenblatt erwarten lässt. Dafür arbeitet der elektrische Allradantrieb im Alltag wirkungsvoll und weitgehend unauffällig.
Die Plug in Technik verlangt eine konsequente Nutzung. Mit regelmäßig geladener Batterie kann der Tonale kurze und mittlere Strecken elektrisch bewältigen und stellt gleichzeitig kräftige Fahrleistungen sowie Allradantrieb bereit. Mit leer angezeigtem Akku bleibt das System funktionsfähig, kann die volle Leistung aber nicht in jeder Situation dauerhaft garantieren.
Bei einem Listenpreis von 58.100 Euro ist der Tonale kein günstiges Angebot. Er besitzt jedoch Eigenschaften, die über sein Design hinausreichen. Vor allem Lenkung, Vorderachspräzision und der kräftige elektrische Hinterachsantrieb geben ihm einen eigenständigen fahrerischen Charakter.
Technische Daten
| Alfa Romeo Tonale Veloce Ibrida Plug in Q4 | |
|---|---|
| Verbrennungsmotor | 1,3 Liter Vierzylinder Turbo |
| Leistung Verbrennungsmotor | 150 PS |
| Drehmoment Verbrennungsmotor | 270 Nm |
| Elektromotor hinten | 128 PS |
| Drehmoment Elektromotor | 250 Nm |
| Systemleistung | 270 PS |
| Getriebe | Sechsgang Wandlerautomatik |
| Antrieb | elektrischer Allradantrieb Q4 |
| Batterie | 15,5 kWh brutto, 12,0 kWh nutzbar |
| Maximale Ladeleistung | 7,4 kW AC |
| Elektrische Reichweite | bis 61 km WLTP |
| Beschleunigung 0 bis 100 km/h | 6,6 Sekunden |
| Höchstgeschwindigkeit | 195 km/h |
| Kofferraum | 385 bis 1.430 Liter |
| Listenpreis Österreich | 58.100 Euro |
























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