Am Rande der statischen Weltpremiere in Mailand spricht Ralf Benecke, Generaldirektor der Renault Group Österreich, über das Potenzial des neuen Crossover-Kombis, Plattform-Synergien und die Frage, warum Dacia etablierten Platzhirschen im Flottenmarkt Marktanteile abjagen will.
In Österreich führt Dacia mit dem Sandero (Platz 1) und dem Bigster (Platz 3) die privaten Zulassungsstatistiken an. Mit dem neuen Dacia Striker stößt die Marke nun in ein Segment vor, das im deutschsprachigen Raum nach wie vor stark nachgefragt wird: den klassischen Kombi. Der 4,62 Meter lange Newcomer bricht mit gängigen Konventionen und kombiniert 600 Liter Ladevolumen sowie die flache Aerodynamik einer Limousine (1,53 m Höhe) mit bis zu 20 Zentimetern SUV-Bodenfreiheit.
Am Rande der Präsentation in Mailand stand Ralf Benecke, Generaldirektor der Renault Group Österreich, Achim Mörtl Rede und Antwort zu Strategie, Vertrieb und Technik.

Das Exklusiv-Interview
Welche Erwartungen haben Sie an den Striker für den österreichischen Markt?
Ralf Benecke: Ich freue mich sehr darauf, weil wir mit dem Striker etwas haben werden, was wir heute nicht haben: nämlich einen Lifestyle-Kombi. Im SUV-Segment sind wir mit Bigster und Duster hervorragend aufgestellt. Aber der Kombi, wie er in deutschsprachigen Märkten wie Österreich nachgefragt wird, hat uns bisher gefehlt. Der kommt jetzt, und das à la Dacia mit einer super Preispositionierung, mit Allrad und mit Hybrid. Er bringt enormes Potenzial mit und hat absolut das Zeug zum Bestseller für Dacia.
Dacia ist im Privatmarkt in Österreich extrem stark: Sandero auf 1, Bigster auf 3. Ist der Striker ein klarer Kandidat für die Top 3?
Ralf Benecke: Absolut. Dieses Potenzial hat er zweifellos. Wir sind davon überzeugt, dass wir damit zusätzliche Kunden gewinnen werden. Wir werden nicht weniger Bigster oder Duster verkaufen, denn der Striker hat eine ganz andere Zieladresse bei den Kunden.
Im Rahmen des Konzernplans „futuREady“ rollen viele neue Modelle an. Wie verhindern Sie eine Kannibalisierung innerhalb der Renault Group?
Ralf Benecke: Indem wir die Marken mit ihren Genen exakt beibehalten, pflegen und weiterentwickeln und nicht vermischen. Renault steht für Voiture à vivre, Dacia für das unschlagbare Preis-Leistungs-Verhältnis und Alpine für den sportdynamischen Teil. Diese drei Marken haben eine klare Eigenständigkeit. Alle neuen Modelle tragen die Gene ihrer jeweiligen Marke mit sich. Deshalb gibt es kein Risiko, dass wir uns gegenseitig wehtun.

Wie sieht der Fahrplan bei der Elektrifizierung aus?
Ralf Benecke: Wir werden bei Dacia weiter elektrifizieren. Wir haben schon heute einen sehr hohen Hybridmix. Perspektivisch wird es bei Dacia auch rein elektrische Fahrzeuge geben, das ist in Europa fest auf der Tagesordnung. Bis dahin setzen wir weiter auf den Ausbau von Hybridfahrzeugen, die heute schon extrem erfolgreich sind.
Wie hält man als Importeur attraktive Preise bei gleichzeitig solider Rentabilität?
Ralf Benecke: Wir nutzen konsequent die Renault Group Plattformen. Der Striker steht auf derselben CMF-B-Plattform wie Duster und Bigster. Wir nutzen enorme Synergien in Produktion und Entwicklung, schaffen es aber trotzdem, eigenständige Fahrzeugcharaktere zu bauen. Beim Importeur kommt es darauf an, nicht nur das Auto zu verkaufen, sondern Mobilität: Versicherung, Finanzierung, Aftersales. Das sichert die Rentabilität der Händler.
Welche Rolle spielt die firmeneigene Bank dabei?
Ralf Benecke: Eine zentrale. Gemeinsam mit Mobilize Financial Services treiben wir Finanzierungs- und Leasingthemen voran. Das ist nicht nur eine Einnahmequelle, sondern vor allem ein Hebel für Kundenbindung, Zufriedenheit und den Wiederverkauf. Kunden, die leasen oder finanzieren, bleiben bei uns und kaufen meist schneller wieder neu. Der enge Schulterschluss mit der Captive-Bank ist ein Kernelement unserer Strategie.

Der Wettbewerb wird durch neue Marktteilnehmer härter. Was geben Sie Ihren Händlern mit auf den Weg?
Ralf Benecke: Wir müssen mit Selbstbewusstsein und Stolz auftreten. Wir sollten uns bewusst machen, was wir haben und andere nicht: eine führende Rolle in der Elektromobilität, bei der Kreislaufwirtschaft und der Recycelbarkeit., zudem haben eine lange und beeindruckende Firmengeschichte. Wir erneuern unsere Modellpalette mit Innovationen und emotionalen Ikonen wie dem R5 oder dem Twingo. Und im Privatmarkt in Österreich sind wir mit unseren Marken einer der führenden Player, wenn nicht DER Player überhaupt.
Sie sind seit rund einem Jahr Generaldirektor für Österreich. Wie fällt Ihre Bilanz und der Ausblick aus?
Ralf Benecke: Ich habe mich sehr gut eingelebt, bin mit offenen Armen empfangen worden und kann auf eine extrem konstruktive Partnerschaft mit unserem Händlernetz bauen. Unsere Marken haben in Österreich riesiges Potenzial. Mit Renault wollen wir bei den leichten Nutzfahrzeugen weiter wachsen, und Dacia hat enorme Perspektiven. Wenn wir uns auf unsere Stärken fokussieren, werden wir in fünf bis sechs Jahren noch stärker dastehen.
Die Antriebe des Dacia Striker auf einen Blick
- Striker Hybrid 155 (FWD): 1,8-Liter-Vierzylinder (109 PS) mit zwei Elektromotoren und kupplungslosem Multi-Mode-Getriebe. Bis zu 80 % elektrischer Fahranteil im Stadtverkehr, CO2-Emissionen unter 100 g/km.
- Striker Hybrid 150 (4×4): 1,2-Liter-Mildhybrid vorne (140 PS) kombiniert mit einer entkoppelbaren 31-PS-E-Achse hinten. Volle Traktion bei Bedarf, niedriger Verbrauch auf der Langstrecke.
- Preise & Marktstart: Die Hybridversionen starten unter 27.000 Euro; Bestellstart ist im Herbst 2026, die ersten Auslieferungen erfolgen Anfang 2027.



















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