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Dacia Talk Hellsklamm – Dacia wächst weiter

Duster und Bigster mit neuem Allradantrieb, Österreich Premieren für Spring und Striker und ein ausführliches Gespräch mit Dacia CEO Katrin Adt: Beim Dacia Talk in der Hellsklamm wurde deutlich, wie stark die Marke ihr Angebot in den kommenden Jahren verbreitern wird.

Dacia verkaufte 2025 in Österreich 13.231 Fahrzeuge, erreichte damit 4,6 Prozent Marktanteil und erstmals Platz fünf im österreichischen Pkw Markt. 87 Prozent der Zulassungen entfielen auf Privatkunden, Sandero, Duster und Bigster belegten in dieser Kundengruppe die Plätze eins, zwei und vier.

Für eine Marke, die 2006 mit 631 Zulassungen in Österreich gestartet war, ist das eine beachtliche Entwicklung. Gleichzeitig verändert sich das Modellprogramm. Aus dem lange auf günstige Fahrzeuge im B Segment konzentrierten Hersteller ist eine Marke geworden, die mit dem Bigster inzwischen im C Segment stark vertreten ist, mit dem Dacia Striker dort in Zukunft weiter ausbauen wird, und bis 2030 neben weiteren Modellen zudem auch vier vollelektrische Modelle auf den Markt bringt.

Beim Dacia Talk in der Hellsklamm nahe Wien traf diese Zukunftsplanung auf einen wesentlichen Teil der bisherigen Markenidentität. Duster und Bigster standen für Fahrten im Gelände bereit, Spring und Striker wurden erstmals live in Österreich gezeigt und Dacia CEO Katrin Adt stellte sich ausführlich den Fragen der österreichischen Journalisten.

Elektrischer Allrad für Duster und Bigster

Der Hybrid 150 4×4 unterscheidet sich konstruktiv deutlich von einem konventionellen Allradantrieb. Vorne arbeitet ein 1,2 Liter Dreizylinder Turbo mit 140 PS und 230 Nm, die Hinterachse wird von einem eigenen Elektromotor mit 31 PS und 87 Nm angetrieben. Die Systemleistung beträgt 154 PS.

Eine Kardanwelle zwischen Vorder und Hinterachse entfällt, der Elektromotor übernimmt den Antrieb der Hinterräder und verfügt über ein eigenes Zweiganggetriebe, wodurch Dacia den elektrischen Hinterachsantrieb sowohl auf niedrige Geschwindigkeiten im Gelände als auch auf höhere Fahrgeschwindigkeiten abstimmen kann.

Über den zentralen Drehregler stehen verschiedene Fahrprogramme zur Verfügung. Dazu gehört ein Lock Modus für schwierige Untergründe sowie eine Bergabfahrhilfe, die zwischen 3 und 30 km/h arbeitet und auf steilen Abfahrten die Geschwindigkeit kontrolliert. Auf dem nassen Untergrund der Hellsklamm ließ sich das Zusammenspiel gut nachvollziehen. Bei steilen Auffahrten und Verschränkungen greift der Elektromotor an der Hinterachse gezielt ein, sobald zusätzliche Traktion erforderlich ist. Bei entsprechend rutschigem Untergrund setzt schließlich vielmehr der Reifen die physikalische Grenze.

Duster und Bigster werden dadurch nicht zu klassischen Geländewagen. Das Konzept erweitert aber ihren Einsatzbereich, ohne dafür eine mechanische Verbindung zwischen den beiden Achsen zu benötigen.

Spring kommt künftig aus Europa

Parallel zum 4×4 Programm zeigte Dacia den neuen Spring erstmals in Österreich. Die neue Generation des elektrischen Einstiegsmodells wird künftig nicht mehr in China, sondern gemeinsam mit dem Renault Twingo im slowenischen Novo Mesto produziert. Diese Entscheidung ist auch wirtschaftlich relevant. Dacia kann Komponenten und Produktionsstrukturen innerhalb der Renault Group nutzen und gleichzeitig ein Elektrofahrzeug in Europa fertigen, das weiterhin am unteren Ende des europäischen Neuwagenmarktes positioniert werden soll.

Der Spring ist zugleich Teil einer deutlich umfangreicheren Elektrifizierungsstrategie. Bis 2030 will Dacia vier vollelektrische Modelle anbieten. Parallel dazu werden Hybridantriebe über weitere Baureihen ausgerollt. Auch der Sandero ist inzwischen mit Hybridantrieb erhältlich. Die nächste Sandero Generation soll dieses Prinzip fortführen und unterschiedliche Antriebstechnologien ermöglichen. Damit verabschiedet sich Dacia nicht vom Verbrennungsmotor, erweitert das Angebot aber schrittweise um elektrifizierte Varianten.

Striker erweitert das C Segment

Für Österreich dürfte der Striker mindestens ebenso interessant werden. Nach dem Bigster erweitert Dacia damit sein Angebot im C Segment um eine weitere Karosserieform und zielt diesmal auf einen Bereich, der am österreichischen Markt traditionell eine größere Rolle spielt: den Kombi.

Dacia Österreich erwartet entsprechend viel von dem Modell und spricht intern bereits vom kommenden „Striker Jahr“, wie es Österreich Direktor Ralf Benecke formulierte. Nach dem Marktstart soll das Fahrzeug im Rahmen einer Trailertour bei den österreichischen Händlern gezeigt werden. Der Schritt folgt der Entwicklung, die mit dem Bigster begonnen hat. Dacia erschließt größere Fahrzeugklassen, ohne die bisherige Preispositionierung grundsätzlich aufzugeben. Der Bigster war dabei der erste Test, ob Kunden dieses Prinzip auch oberhalb von Sandero und Duster akzeptieren.

In Österreich ist diese Frage zumindest vorläufig beantwortet. Der Bigster erreichte 2025 bereits 3.244 Zulassungen. Dacia Österreich spricht zudem von einer Eroberungsrate von mehr als 60 Prozent, womit ein großer Teil der Käufer zuvor Fahrzeuge anderer Marken gefahren ist.

Vom Logan zum C Segment

Als Renault 1999 Dacia übernahm, lag der Schwerpunkt zunächst auf einer möglichst einfachen und günstigen Form individueller Mobilität. Der Logan wurde zum bekanntesten Produkt dieses Ansatzes. Ausstattung und technische Komplexität wurden konsequent auf jene Funktionen reduziert, die für den vorgesehenen Einsatz notwendig waren. Diese Positionierung besteht weiterhin, die Voraussetzungen haben sich allerdings verändert. Sicherheitsvorschriften, Assistenzsysteme, Emissionsvorgaben und Elektrifizierung erhöhen den technischen Aufwand eines Neuwagens erheblich. Gleichzeitig fragen Kunden größere Fahrzeuge, Automatikgetriebe, Hybridantriebe und zunehmend Elektroautos nach.

Katrin Adt beschreibt die daraus entstehende Aufgabe mit einem internen Dacia Grundsatz:

„To remain the same, we need to change.“

Dacia will seine Preisposition und die Konzentration auf Privatkunden erhalten, muss dafür aber Antriebe, Fahrzeugklassen und Produktionsstrukturen weiterentwickeln. Das Wachstum im C Segment ist deshalb ein wesentlicher Teil der Strategie. Nach Angaben von Adt stammen derzeit rund 20 Prozent des Dacia Absatzes aus diesem Bereich, künftig soll es etwa ein Drittel werden.

Gleichzeitig bleibt der Privatkunde der wichtigste Käufer. Dacia weist europaweit eine Kundenloyalität von rund 70 Prozent aus und nennt gleichzeitig eine Eroberungsrate von mehr als 60 Prozent. Bestehende Kunden bleiben der Marke also häufig erhalten, während gleichzeitig Käufer anderer Hersteller hinzukommen.

Österreich bleibt ein ausgeprägter Privatkundenmarkt

Diese Struktur zeigt sich in Österreich besonders deutlich. Von den 13.231 im Jahr 2025 zugelassenen Dacia entfielen rund 87 Prozent auf Privatkunden. Sandero und Sandero Stepway kamen gemeinsam auf 3.842 Zulassungen, der Duster auf 3.170 und der Bigster bereits in seinem ersten Jahr auf 3.244 Einheiten.

Auch der Allradantrieb spielt außerhalb der urbanen Regionen eine wichtige Rolle. Dacia Österreich nennt für einzelne Bundesländer, unter anderem Tirol, Allradanteile von rund 40 Prozent. Der neue elektrische 4×4 Antrieb von Duster und Bigster ist damit nicht nur eine technische Ergänzung, sondern für den österreichischen Markt ein relevantes Verkaufsargument.

Parallel dazu will Dacia stärker bei Firmenkunden auftreten. Bigster und Striker eröffnen dafür Möglichkeiten, die Sandero und Duster bisher nur eingeschränkt boten. Eine klassische Flottenstrategie über hohe Nachlässe lehnt Dacia dabei allerdings ab. Österreich Geschäftsführer Ralf Benecke betonte in der Hellsklamm, dass zusätzliches Geschäft produktgetrieben entstehen müsse.

Der Hintergrund liegt bei den Restwerten. Hohe Rabatte auf Neuwagen wirken sich langfristig auf die Gebrauchtwagenpreise aus und können damit Leasingraten und Gesamtkosten verschlechtern. Für eine Marke, deren Positionierung wesentlich auf niedrigen Kosten für den Kunden beruht, wäre kurzfristig eingekauftes Volumen deshalb mit entsprechenden Risiken verbunden.

Kein Volumen um jeden Preis

Auch Katrin Adt schließt eine Entwicklung Dacias zur klassischen Volumenmarke aus. Die Position innerhalb der Renault Group verschafft Dacia dabei Spielraum, weil Plattformen, Technologien und Produktionskapazitäten gemeinsam genutzt werden können. Der neue Spring ist dafür ein aktuelles Beispiel. Die Produktion in Novo Mesto gemeinsam mit dem Renault Twingo ermöglicht Skaleneffekte, ohne dass Dacia eine eigene technische Basis für ein vergleichbares Fahrzeug entwickeln und produzieren muss.

Ähnliches gilt für die Elektrifizierung der übrigen Baureihen. Dacia kann auf Technik innerhalb der Renault Group zurückgreifen und sie für die eigenen Anforderungen adaptieren. Diese Arbeitsteilung war schon beim Aufbau der Marke ein wesentlicher Bestandteil des Geschäftsmodells. Neu sind die Fahrzeugklassen und Technologien, auf die dieses Prinzip inzwischen angewendet wird.

Mit Bigster und Striker reicht das Angebot mittlerweile weit ins C Segment, der Spring wird in Europa produziert, vier Elektroautos sind bis 2030 vorgesehen und Hybridantriebe werden über die Modellpalette ausgerollt. Gleichzeitig bleiben Privatkunden, vergleichsweise einfache Konfigurationen, hohe Restwerte und eine kontrollierte Preispolitik zentrale Bestandteile der Strategie.

Dacia wird damit in den kommenden Jahren breiter aufgestellt sein als jemals zuvor. Die österreichische Entwicklung von 631 Zulassungen im Jahr 2006 auf 13.231 Fahrzeuge im Jahr 2025 zeigt, dass dieser Ausbau bereits auf einer erheblich größeren Kundenbasis stattfindet.

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