Mit der Ausstellung des 100. „Certificate of Authenticity“ setzt Maserati Classiche einen klaren Bezugspunkt innerhalb der eigenen Heritage-Strategie. Das 2021 etablierte Programm dient dabei nicht nur der Dokumentation historischer Fahrzeuge, sondern der technischen und archivbasierten Verifikation – ein strukturierter Zugang zur eigenen Markengeschichte.
Das Jubiläumszertifikat geht an den Maserati 3500 GT Vignale Convertible Prototype mit der Chassisnummer 101505*. Die Wahl ist nachvollziehbar: Das Fahrzeug markiert den Ausgangspunkt der offenen Gran-Turismo-Modelle der Marke.
Der Ausgangspunkt
Ende der 1950er-Jahre gelingt Maserati mit dem 3500 GT der Schritt vom reinen Motorsporthersteller hin zu einem etablierten Anbieter straßentauglicher Gran-Turismo-Fahrzeuge. Eine offene Variante ist zu diesem Zeitpunkt noch nicht vorgesehen.
Diese entsteht 1959 bei Carrozzeria Vignale unter der Leitung von Giovanni Michelotti. Präsentiert auf dem Turiner Autosalon und in lediglich fünf Exemplaren gebaut, bleibt der Convertible Prototype zunächst ein Einzelprojekt – ohne direkte Serienabsicht.
Seine Bedeutung liegt in der Funktion:
Er definiert erstmals, wie Maserati ein offenes Fahrzeug konzipiert.

Eigenständige Architektur
Während viele offene Varianten dieser Zeit eng am Coupé bleiben, geht Vignale einen eigenständigen Weg. Proportionen, Linienführung und Gesamtauftritt sind von Beginn an als offenes Fahrzeug gedacht – nicht als nachträgliche Ableitung.
Die klassische Maserati-Formensprache bleibt erhalten, wird jedoch neu interpretiert: lange Motorhaube, klare Seitenlinie, reduziertes Heck. Das Ergebnis ist ein Fahrzeug, das als eigenständige Konstruktion funktioniert.
Technik ohne Abstriche
Unter der Haube arbeitet der bekannte Maserati-Reihensechszylinder mit 3.485 cm³ Hubraum und 235 PS bei 5.500 U/min, gespeist von Weber-Vergasern und kombiniert mit einem manuellen ZF-4-Gang-Getriebe.
Das Fahrwerk folgt der klassischen Architektur der Zeit mit Doppelquerlenkern vorne und Starrachse hinten, ergänzt durch Borrani-Speichenräder.
Entscheidend ist weniger die Konstruktion als der Anspruch:
Auch in der offenen Version bleibt der 3500 GT ein vollwertiger Gran Turismo mit entsprechender Langstreckentauglichkeit und einer Höchstgeschwindigkeit von rund 235 km/h.

Vom Prototyp zur Serie
Aus dem Vignale-Entwurf entsteht in der Folge die Serienversion. Zwischen 1959 und 1964 werden rund 250 Exemplare des 3500 GT Convertible gebaut.
Damit etabliert Maserati erstmals eine klare Linie im offenen Segment. Der Ansatz bleibt über Jahrzehnte nachvollziehbar und setzt sich über Modelle wie den Ghibli Spyder oder spätere Biturbo-Derivate bis hin zum heutigen GranCabrio fort.
Restaurierung und Referenz
Das nun zertifizierte Fahrzeug wurde zwischen 2023 und 2026 in Modena restauriert – mit direkter Unterstützung von Maserati Classiche. Grundlage war ein detaillierter Abgleich mit historischen Archivdaten sowie die technische Verifikation aller relevanten Komponenten.
Ziel war die exakte Rückführung auf den Zustand des Turiner Autosalons 1959. Damit wird der Prototyp nicht nur erhalten, sondern als Referenzfahrzeug innerhalb der Modellhistorie definiert.

Einordnung
Der Maserati 3500 GT Vignale Convertible Prototype ist kein Meilenstein im klassischen Sinn von Produktionszahlen oder Markterfolg.
Seine Relevanz liegt in der Definition:
Er beschreibt erstmals klar, wie Maserati ein offenes Gran-Turismo-Fahrzeug versteht – als eigenständige Konstruktion ohne technischen oder konzeptionellen Kompromiss.
Technische Daten – Maserati 3500 GT Vignale Convertible Prototype
| Kategorie | Daten |
|---|---|
| Modell | Maserati 3500 GT Vignale Convertible Prototype |
| Baujahr | 1959 |
| Stückzahl | 5 Prototypen |
| Karosserie | Carrozzeria Vignale (Design: Giovanni Michelotti) |
| Motor | Reihensechszylinder |
| Hubraum | 3.485 cm³ |
| Leistung | 235 PS bei 5.500 U/min |
| Gemischaufbereitung | Weber-Vergaser |
| Getriebe | 4-Gang-Schaltgetriebe (ZF) |
| Antrieb | Hinterradantrieb |
| Fahrwerk vorne | Doppelquerlenker |
| Fahrwerk hinten | Starrachse mit Blattfedern |
| Räder | Borrani-Speichenräder |
| Höchstgeschwindigkeit | ca. 235 km/h |
| Serienableitung | ca. 250 Einheiten (1959–1964) |
| Besonderheit | Ursprung der offenen Maserati Gran Turismo |















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