Toyota bringt die Celica zurück und stellt ihr einen neuen GR Yaris Rally1 zur Seite. Aufgeteilt auf zwei Teams liefert Toyota zudem ein Fahrer-LineUp mit 13 Fahrer-WM-Titeln: Evans, Solberg und Pajari treffen im Celica WRC1 auf die Heimkehrer Tänak und Rovanperä sowie Katsuta im Yaris WRC1. Auch Ogier könnte wieder einzelne Rallyes bestreiten. Wer soll dieses Aufgebot über eine komplette Saison schlagen?
Von Achim Mörtl
Die ersten drei der Rallye-Weltmeisterschaft 2026 sitzen im kommenden Jahr gemeinsam im neuen Toyota GR Celica Rally1. Weltmeister Elfyn Evans, Vizeweltmeister Oliver Solberg und der WM-Dritte Sami Pajari bilden TOYOTA RACING. Allein mit dieser Mannschaft wäre Toyota ein naheliegender Titelfavorit. Doch daneben tritt ein zweites Team an, dessen Besetzung ähnlich hohe Erwartungen rechtfertigt.
Unter GAZOO Racing TOYOTA werden Ott Tänak, der ja bereits mehrere tausend Testkilometer im neuen Auto absolviert hat, Takamoto Katsuta und Kalle Rovanperä den neuen GR Yaris Rally1 fahren. Tänak kehrt zu jener Mannschaft zurück, mit der er 2019 Weltmeister wurde. Rovanperä, Champion von 2022 und 2023 und jüngster Titelträger der WM-Geschichte, bestreitet ausgewählte Läufe. Für weitere Einsätze kommt auch Sébastien Ogier infrage. Ein Programm des neunfachen Weltmeisters ist bislang allerdings nicht bestätigt, darf aber als FIX angenommen werden.
Mit Ogier vereint dieser Fahrerkreis 13 WM-Titel. Noch schwerer wiegt für die Konkurrenz, dass Toyota neben den etablierten Weltmeistern auch jene jungen Fahrer unter Vertrag hat, die bereits um ihre ersten Titel kämpfen.

Evans: Endlich Weltmeister, jetzt ein neues Auto
Evans geht nach fünf zweiten WM-Plätzen erstmals als Titelverteidiger in eine Saison. Gemeinsam mit Scott Martin setzte er sich 2026 erst auf der letzten Prüfung durch: fünf Punkte vor Solberg, gefolgt von Pajari. Schon 2026 dominierte Toyota die Weltmeisterschaft, gewann die Marken-WM überlegen, und unterstrich während der gesamten Saisondie sportliche Qualität des eigenen Aufgebots sehr deutlich.
„Es war natürlich etwas ganz Besonderes, die Weltmeisterschaft nach mehreren knappen Anläufen endlich zu gewinnen“, sagt Evans. „Ich bin allen dankbar, die uns weiter unterstützt und an uns geglaubt haben, ganz besonders dem Team.“
2027 beginnt seine achte volle Saison mit Toyota, die Struktur bleibt gewohnt, auch dürfte er weiterhin mit seinem portugiesischen Ingenieur arbeiten. Das technische Umfeld verändert sich durch die Reglementänderung grundlegend. Evans erwartet deshalb trotz des Titelgewinns einen beträchtlichen Arbeitsaufwand: „Das neue Auto wird sich deutlich von dem unterscheiden, was wir bisher gewohnt waren. Für uns alle wird es Arbeit bedeuten, uns anzupassen und das Beste daraus herauszuholen.“
Neben ihm fahren zwei Teamkollegen, die längst mehr sind als Nachwuchshoffnungen. Solberg gewann in seiner ersten vollen Toyota-Saison drei Rallyes und mehr Wertungsprüfungen als jeder andere Fahrer. Pajari holte ebenfalls drei Siege und stand bei neun von 13 Veranstaltungen auf dem Podest. Beide haben bewiesen, dass sie eine WM über Monate offenhalten können.

Tänak kehrt als Mitentwickler zurück
Im zweiten Team bekommt Toyota mit Ott Tänak einen Fahrer zurück, über dessen Qualitäten man nicht näher sprechen muss, der aber nach seinem Titel 2019, die Mannschaft von Toyota wohl zu früh Richtung Hyundai verlassen hat. Der Este gewann während seiner ersten beiden Toyota-Jahre zehn WM-Läufe und 2019 gemeinsam mit Martin Järveoja den Weltmeistertitel. Seine Rückkehr erfolgt nach einem Sabbatical, in dem er bereits an der Entwicklung des neuen Autos mitgearbeitet hat.
„Ich fühle mich geehrt, zu GAZOO Racing TOYOTA und zu jener Mannschaft zurückzukehren, mit der Martin und ich Weltmeister geworden sind“, erklärt Tänak. „Ich habe die Zeit abseits des Wettbewerbs genossen, aber der Wunsch zu fahren war weiterhin sehr stark.“
Die Entwicklungsarbeit gab ihm Gelegenheit, sich frühzeitig mit den Anforderungen der neuen Fahrzeuggeneration auseinanderzusetzen. „Mit diesen großen technischen Veränderungen gab es für uns während des Prozesses viel zu entdecken und zu lernen“, sagt er. „Es wird für alle ein Neustart, und es gibt noch viele Unbekannte.“
Gerade darin liegt ein möglicher Vorteil für Toyota: Tänak kommt mit Erfahrung aus der Arbeit am neuen Projekt zurück, was ihm durchaus ebenso zum Favoritenkreis zählen lässt wie seine Kollegen auf der Celica.
Rovanperä: Die Freude am Rallyefahren war wieder da
Auch Kalle Rovanperä und Jonne Halttunen kehren nach einem Jahr Auszeit zurück. Ihr Programm umfasst derweilen einige ausgewählte Rallyes. Damit ist Rovanperä zunächst als Titelkandidat zu handeln, aber auch hier könnte es spannend werden, sollten sich diesbezüglich eine Chance ergeben. Für einzelne Rallyesiege muss man aber auch Rovanperä wohl ganz oben auf die Liste setzen.
„Dieses Team hat sich für mich immer wie eine Familie angefühlt. Irgendwie hatte ich nie wirklich das Gefühl, weggegangen zu sein“, sagt der Finne. „Rallyefahren war ein großer Teil meines Lebens, und nach einiger Zeit habe ich das Fahren natürlich vermisst.“
Rovanperä spricht auch über die gesundheitlichen Prioritäten während seiner Pause: „Als ich wieder fit genug zum Fahren war, bot mir das Team die Möglichkeit, das Entwicklungsauto zu testen. Von dort aus haben wir begonnen, die nächste Saison zu planen.“
Sein Anspruch für die Rückkehr klingt bewusst offen: „Das Wichtigste wird sein, Freude am Fahren und am Wettbewerb zu haben, das Auto kennenzulernen und zu sehen, was wir gemeinsam erreichen können.“
Mit Katsuta steht daneben ein Fahrer, der 2026 in Kenia und Kroatien seine ersten beiden WM-Siege gefeiert hat. Auch der sechste bestätigte Pilot dieses Aufgebots hat damit seine Siegfähigkeit nachgewiesen.

Die Celica bekommt eine Fortsetzung
Die Celica war Legende, und mit der Rückkehr auf die Straße 2027 feiert die Celica auch im Rallyeiensatz ihr Comeback, auch wenn davon ausgegangen werden kann, daß es sich sowohl bei der Celica als auch beim Yaris WRC1 um die gleiche technische Basis handelt. Carlos Sainz, Juha Kankkunen und Didier Auriol gewannen mit ihr ihre WM-Titel für Toyota. In den Neunzigerjahren gehörte sie zu den prägenden Autos der Weltmeisterschaft.
Für Achim Mörtl, unseren Motorsport-Experten und Auto-Cheftester, kommt eine persönliche Verbindung dazu: Mit einer Celica hat er seine eigene Rallyekarriere begonnen. Diesen Namen wieder auf einer WM-Nennliste zu lesen, weckt entsprechend konkrete Erinnerungen.
Toyota nutzt das neue Reglement nun für zwei Modellauftritte. Die Celica und der neue Yaris entstehen unter dem Dach von TGR-WRT in Jyväskylä. Beide werden nach denselben neuen technischen Vorschriften entwickelt; Toyota kündigt gleiche Leistung und gleiches Leistungsniveau an. Wie weit die technische Übereinstimmung im Detail reicht, wird erst mit weiteren Informationen zu den Autos klar werden.
Bis zu sechs Werksfahrzeuge pro Rallye sind vorgesehen. Die beiden Teams sollen gleichberechtigt um Siege kämpfen. Für Toyota eröffnet das die Möglichkeit, die Rückkehr der Celica zu inszenieren und gleichzeitig den Yaris im Spitzenmotorsport präsent zu halten.

Wer kann Toyota über ein ganzes Jahr gefährden?
Toyota ist der klare Favorit. Als einziger Hersteller hat man bereits früh mit der Entwicklung des WRC1 begonnen, hat tausende Testkilometer auf allen Untergründen absolvier. Kein anderes Team hat hier dagegen gehalten, und den privaten Teams fehlt es schlicht an den finanziellen Möglichkeiten ein derart großes Testprogramm zu absolvieren. Dazu das Driver LineUp mit den wohl besten 5-6 Piloten, ausgenommen Neuville, die es zur Zeit in der Rallye-Weltmeisterschaft gibt. Evans, Solberg und Pajari haben zuletzt bis zur letzten Prüfung um den Titel gekämpft. Tänak bringt Weltmeisterklasse und Entwicklungserfahrung mit. Rovanperä kann bei seinen Einsätzen jedem Konkurrenten Punkte abnehmen. Katsuta hat den Schritt zum Laufsieger geschafft. Dazu bleibt die Option Ogier.
Toyota ist daraus kein Vorwurf zu machen, wenn sie was machen, machen sie es zu 100%, siehe auch WEC oder Dakar. Die Mannschaft investiert, entwickelt und schafft Perspektiven für mehrere Fahrergenerationen. Die Frage richtet sich an die Konkurrenz: Wer stellt ein ähnlich überzeugendes Gesamtpaket dagegen?
Interne Duelle können hervorragenden Rallyesport liefern, und bei 6 potentiellen Siegfahrern auch für ausreichend Spannung sorgen, siehe auch den WM-Kampf bis zur letzten Prüfung 2026. Eine Weltmeisterschaft gewinnt aber zusätzlich an Bedeutung, wenn unterschiedliche Hersteller ernsthaft um ihre Titel kämpfen. Genau das soll das zugänglichere neue Reglement ermöglichen.
Nach der Präsentation dieses Aufgebots bleibt für mich dennoch der Verdacht, dass die entscheidende Frage 2027 wieder innerhalb von Toyota beantwortet wird: Welcher ihrer Fahrer wird Weltmeister?

















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