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Rallye WM: Die Celica ist zurück

Drei Safari-Siege in Serie in den Achtzigerjahren, vier Fahrer-Weltmeistertitel und zwei Marken-WM-Titel in den Neunzigern: Mit der Celica wurde Toyota zu einer der erfolgreichsten Marken im Rallyesport. 2027 kehrt sie in die Weltmeisterschaft zurück. Ein guter Anlass, sich an jene Autos und Menschen zu erinnern, die diesen Namen groß gemacht haben.

Von Achim Mörtl

Toyota bringt die Celica zurück in die Rallye-Weltmeisterschaft. Elfyn Evans, Oliver Solberg und Sami Pajari werden 2027 den neuen GR Celica Rally1 fahren. Der amtierende Weltmeister und seine beiden unmittelbaren Verfolger übernehmen damit einen Namen, der mitunter zu den bedeutendsten der Rallyegeschichte gehört.

Für mich hat diese Nachricht eine persönliche Bedeutung. Mit einer Celica habe ich meine eigene Rallyekarriere begonnen. Da kommen Erinnerungen zurück, die weit über Ergebnislisten und technische Daten hinausgehen. Carlos Sainz gewann damals gerade zum zweiten mal die Rallyeweltmeisterschaft, es gab die Carlos Sainz Edition, und das war für mich Grund genug mit eben einer solchen Celica in den Rallyesport einzusteigen. Erinnerungen an die ersten Einsätze, an die Arbeit mit dem Auto und an das besondere Gefühl, selbst in einem Toyota zu sitzen, dessen größere Brüder auf den internationalen Prüfungen um Siege kämpften.

Erinnerungen an das Studium der damaligen Auto Revue, der einzige wirkliche Informationsgeber zur großen Rallye-Welt, als man Mitte der 80ziger Jahre die Safari-Rallye gewann. Aber auch ohne diese persönliche Verbindung ist die Rückkehr eine große Nachricht. Die Celica hat den Rallyesport über mehrere Generationen begleitet: als hinterradgetriebene Ausdauerspezialistin in Afrika und später als allradgetriebener Titelgewinner auf den unterschiedlichsten Straßen der Welt.

Ove Andersson legt den Grundstein

Die Geschichte beginnt lange vor den Weltmeistertiteln. 1972 überzeugte Ove Andersson Toyota-Verantwortliche davon, ihn mit einer Celica bei der britischen RAC Rally starten zu lassen. Der Schwede hatte bereits die Rallye Monte Carlo gewonnen. Er kannte den internationalen Rallyesport und wusste, was eine Mannschaft brauchte, um dort bestehen zu können. Aus dieser Zusammenarbeit entwickelte sich Toyotas europäische Rallyeorganisation, Toyota Team Europe, heute noch legendär.

Was später unter Toyota Team Europe, kurz TTE, zu einer der erfolgreichsten Mannschaften der Weltmeisterschaft wurde, musste sich zunächst gegen etablierte europäische Hersteller behaupten. Die Celica war dabei über viele Jahre das zentrale Arbeitsgerät. Unterschiedliche Generationen, neue Motoren und veränderte Reglements verlangten immer wieder Entwicklungsarbeit.

1982 gelang in Neuseeland ein wichtiger Erfolg. Björn Waldegård gewann mit der Gruppe-4-Celica RA63 vor seinem Teamkollegen Per Eklund. Ein Doppelsieg beim ersten WM-Einsatz dieser Variante. Ein Jahr später begann mit der Celica Twin-Cam Turbo, intern TA64, das nächste Kapitel.

Die Celica und Afrika

Wer an die Gruppe B denkt, hat meist sofort Audi quattro, Peugeot 205 T16 oder Lancia Delta S4 vor Augen. Toyota ging damals mit der Celica einen anderen Weg. Die Twin-Cam Turbo blieb beim Hinterradantrieb, während die Konkurrenz zunehmend auf vier angetriebene Räder setzte. Ihr 2,1-Liter-Turbomotor entwickelte je nach Ausführung bis zu rund 380 britische PS.

Auf engen, traktionsarmen Prüfungen war dieses Konzept gegenüber den Allradlern im Nachteil. Auf den afrikanischen Langstreckenveranstaltungen hatte die Celica dagegen Qualitäten, die besonders wertvoll waren: Sie war robust, sorgfältig vorbereitet und konnte enorme Belastungen verkraften.

Die damalige Safari war eine andere Form des Rallyefahrens als die heutigen kompakten WM-Läufe. Über gewaltige Distanzen mussten Fahrer und Beifahrer das Tempo so wählen, dass sie schnell blieben und das Auto trotzdem ins Ziel brachten. Staub behinderte die Sicht, Regen verwandelte Straßen in Schlammpassagen, und harte Schläge beanspruchten Fahrwerk und Karosserie. Dazu kamen die Anforderungen an Navigation, Reparaturen und die Organisation des Service.

copyrights: Toyota Motorsport GmbH

Hier wurde die Celica zu einem der prägenden Autos ihrer Zeit. Mit Rammschutz, großen Zusatzscheinwerfern und der für diese Einsätze vorbereiteten Karosserie hatte sie einen unverwechselbaren Auftritt. Vor allem aber gewann sie.

1984 holte Björn Waldegård den Safari-Sieg für Toyota. 1985 folgte Juha Kankkunen vor Waldegård, 1986 gewann erneut der Schwede. Drei Siege in Serie. Für Kankkunen war der Erfolg von 1985 zugleich sein erster Sieg in einem Rallye-WM-Lauf.

Der Ruf als „King of Africa“ war verdient. Auch auf den harten Straßen der Elfenbeinküste war die Twin-Cam Turbo erfolgreich. Toyota hatte ein Auto gebaut, das gerade dort überzeugte, wo technische Standfestigkeit und die Erfahrung der Besatzungen besonders stark über das Ergebnis entschieden.

Die GT-Four verändert Toyotas Anspruch

Mit dem Ende der Gruppe B musste sich Toyota neu aufstellen. Die Celica GT-Four ST165 brachte permanenten Allradantrieb und einen Zweiliter-Turbomotor. Damit war die technische Grundlage vorhanden, um über eine gesamte Weltmeisterschaft um den Titel zu kämpfen. Der Erfolg kam allerdings nicht sofort. Ein neues Antriebskonzept musste entwickelt und zuverlässig gemacht werden. 1989 gewann Juha Kankkunen in Australien erstmals einen WM-Lauf mit der ST165. Die Celica war nun auch als Allradler siegfähig.

Den entscheidenden Durchbruch schafften Carlos Sainz und Luis Moya 1990. Sie gewannen die Fahrer-Weltmeisterschaft und machten Toyota endgültig zum Titelgegner der bis dahin so erfolgreichen Lancia-Mannschaft. Besondere Bedeutung hatte ihr Sieg bei der 1000-Seen-Rallye in Finnland. Sainz und Moya waren die erste Besatzung von außerhalb der nordischen Länder, die diese Veranstaltung gewann. Auf den schnellen Kuppen, Sprüngen und kaum einsehbaren Kurven galt die Erfahrung der heimischen Fahrer als fast unüberwindlicher Vorteil. Darüber hinaus siegte Waldegaard 1990 erneut bei der Safari-Rallye

Für Sainz war es ein Erfolg, der viel über seine Arbeitsweise aussagte. Er wollte sich nicht damit abfinden, dass bestimmte Rallyes anderen vorbehalten sein sollten. Gemeinsam mit Moya und Toyota erarbeitete er sich jene Präzision und Sicherheit, die es brauchte, um auch dort zu gewinnen.

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Sainz, Kankkunen, Auriol: vier Fahrertitel

1992 folgte der zweite Weltmeistertitel für Sainz, nun mit der Celica GT-Four ST185. Mit ihrer rundlichen Karosserie, den Klappscheinwerfern und den ausgestellten Radhäusern gehört sie bis heute zu den bekanntesten Rallyeautos der Neunzigerjahre.

Sie wurde auch zur erfolgreichsten Celica-Generation in der Weltmeisterschaft. Nach Sainz gewann Juha Kankkunen 1993 den Fahrertitel, 1994 folgte Didier Auriol. Toyota holte in beiden Jahren zusätzlich die Herstellerwertung.

Damit stehen für die Celica vier Fahrer-Weltmeistertitel zu Buche: Carlos Sainz 1990 und 1992, Juha Kankkunen 1993 und Didier Auriol 1994. Dazu kommen die beiden Marken-WM-Titel von 1993 und 1994.

Es waren unterschiedliche Fahrerpersönlichkeiten, die mit ihr erfolgreich wurden. Sainz mit seiner akribischen Vorbereitung und seinem kompromisslosen Anspruch. Kankkunen mit jener Ruhe, die selbst schwierige Situationen oft unspektakulär aussehen ließ. Auriol mit seiner außergewöhnlichen Geschwindigkeit, besonders auf Asphalt. Die Celica bot ihnen die Grundlage, ihre jeweiligen Stärken auszuspielen.

Auch für die Fans war diese Zeit besonders. Die Verbindung zwischen Straßenauto und Rallyefahrzeug war unmittelbar sichtbar. Die GT-Four RC beziehungsweise Carlos Sainz Limited Edition entstand als Homologationsmodell in einer weltweiten Auflage von 5.000 Exemplaren. Gezielte Änderungen unter anderem an Turbo und Ladeluftkühlung sollten die Wettbewerbsfähigkeit des Rallyeautos verbessern. Wer eine solche Celica auf der Straße sah, erkannte die Verwandtschaft zum Werksauto sofort. Genau diese Nähe machte einen wesentlichen Teil der Faszination der Gruppe A aus.

Afrika bleibt Toyota-Land

Auch während der Titeljahre verlor die Celica ihre besondere Beziehung zur Safari nicht. 1993 belegten vier Toyota die ersten vier Plätze, angeführt von Juha Kankkunen. Ein Ergebnis, das die Stärke von Auto, Mannschaft und Einsatzvorbereitung eindrucksvoll dokumentierte. 1994 gewann der Kenianer Ian Duncan. Ein Jahr später folgte Yoshio Fujimoto, wobei die Safari 1995 nicht zur obersten WM-Wertung gehörte. Toyota hatte seine afrikanische Erfolgsgeschichte damit über mehrere Fahrzeuggenerationen fortgesetzt.

Die Celica konnte inzwischen Weltmeisterschaften gewinnen und blieb zugleich auf jenen Veranstaltungen erfolgreich, die ihren Ruf in den Achtzigerjahren begründet hatten.

1995: Der folgenschwere Regelverstoß

Zur Geschichte gehört allerdings auch ihr dunkelstes Kapitel. Mit der ST205 trat die nächste Celica-Generation an. Bei der Rallye Catalunya 1995 entdeckten die technischen Kontrolleure eine illegale Vorrichtung am Luftmengenbegrenzer des Turboladers. Toyota Team Europe wurde aus der Weltmeisterschaft 1995 ausgeschlossen und für zwölf Monate gesperrt. Nach den großen Erfolgen der vorangegangenen Jahre war das ein schwerer Schlag für die Mannschaft und die Marke.

Dieser Regelverstoß gehört zur Celica-Geschichte ebenso wie die Titel. Er beendete die erfolgreiche Phase der Werksmannschaft abrupt und überschattete das sportliche Potenzial der ST205. Auf den Prüfungen blieb die Celica dennoch präsent. Private Teams und Importeure setzten sie weiter ein, auch während der Sperre von TTE. Später übernahm der Corolla WRC Toyotas Spitzenprogramm. Für viele nationale Mannschaften und Privatfahrer blieb die Celica aber ein wichtiges Wettbewerbsauto.

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2027: Wieder eine Celica am Start

Nun werden Evans, Solberg und Pajari im neuen GR Celica Rally1 sitzen. Sie übernehmen einen Namen, mit dem Waldegård die Safari gewann, Kankkunen seinen ersten WM-Sieg feierte und Sainz und Auriol Weltmeister wurden.

Wer diese Jahre erlebt hat, erinnert sich an die kantige Twin-Cam Turbo mit Rammschutz und Zusatzscheinwerfern. An die GT-Four mit Klappscheinwerfern. An die weiß-roten Toyota und später an die Castrol-Farben, an Nachtprüfungen, Schotterfontänen und die konzentrierten Gesichter der Besatzungen vor dem Start.

Für mich gehört die Celica auch zum Beginn meiner eigenen Rallyekarriere. Deshalb freue ich mich besonders darauf, diesen Namen wieder in einer WM-Startliste zu lesen. Und noch mehr auf die erste Prüfung.

Die Celica kommt zurück. Für viele von uns war sie ohnehin immer da.

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