MOTORWELT

Dacia Sandero Stepway und die Frage nach dem Wesentlichen

Heute dürfen wir einmal die persönliche Sicht unseres Cheftesters Achim Mörtl ansehen!
Der neue Dacia Sandero Stepway Extreme steht als weiteres Testfahrzeug vor der Tür. Und je länger ich mich mit der Automobilbranche beschäftige, desto mehr interessieren mich genau solche Fahrzeuge.

Nicht, weil sie Rekorde brechen würden. Nicht, weil sie technische Revolutionen versprechen. Sondern weil sie eine Frage stellen, die in einer Zeit immer teurerer Autos bemerkenswert geworden ist: Wie viel Auto braucht ein Mensch tatsächlich?

Der Sandero gehört seit Jahren zu den erfolgreichsten Modellen Europas. Seit 2017 ist er das meistverkaufte Fahrzeug auf dem europäischen Privatkundenmarkt, 2024 war er sogar das meistverkaufte Auto Europas über alle Vertriebskanäle hinweg. Allein im Jahr 2025 entschieden sich knapp 290.000 Käufer für einen Sandero. Marktanteile, Elektromobilität oder neue Geschäftsmodelle werden oft diskutiert, der Geschäftskundenbereich noch immer dominant, und trotzdem findet ein großer Teil des Automarktes nach wie vor dort statt, wo Menschen ihr eigenes Geld ausgeben.

Und genau dort wird der Sandero interessant.

Denn betrachtet man die technischen Daten nüchtern, wirkt das Konzept unspektakulär, aber wie man sieht doch sehr relevant. Der Stepway Extreme wird von einem 1,0-Liter-Dreizylinder-Turbobenziner mit 110 PS angetrieben. Die Kraftübertragung erfolgt über ein manuelles Sechsganggetriebe. Der Durchschnittsverbrauch liegt laut Hersteller bei rund 5,5 Litern pro 100 Kilometer, ich fuhr den Sanders mit 6,2 Liter / 100km! Mit einer Länge von 4,10 Metern bleibt das Fahrzeug angenehm kompakt, bietet aber gleichzeitig eine erhöhte Sitzposition, bis zu 200 Millimeter Bodenfreiheit und einen Kofferraum mit bis zu 410 Litern Fassungsvermögen. Werte, die im Alltag oft wichtiger sind als Beschleunigungsrekorde oder Höchstgeschwindigkeiten.

Natürlich merkt man dem Sandero an, dass Dacia anders kalkuliert als viele Mitbewerber. Die Materialien im Innenraum sind robust und funktional. Hartplastik ist kein Makel, sondern Teil des Konzepts. Auch die Geräuschdämmung verfolgt nicht den Anspruch eines Premiumfahrzeugs. Der Dreizylinder bleibt hörbar und gelegentlich auch spürbar. Wer aus einem Fahrzeug der Mittel- oder Oberklasse umsteigt, wird diese Unterschiede innerhalb weniger Kilometer wahrnehmen.

Die spannendere Frage lautet allerdings, ob diese Unterschiede im Alltag tatsächlich jene Bedeutung haben, die ihnen oft zugeschrieben wird, oder eben nur Preise wie das doppelte und mehr rechtfertigen sollen.

Unser Testwagen in der Ausstattung Extreme bringt bereits vieles mit, was vor wenigen Jahren noch höheren Fahrzeugklassen vorbehalten war: Klimaautomatik, digitales Cockpit, schlüssellosen Zugang, Rückfahrkamera, Totwinkelwarner, Sitzheizung, ein 10,1-Zoll-Infotainmentsystem inklusive kabelloser Smartphone-Integration sowie das Extended-Grip-System für bessere Traktion auf losem Untergrund. Inklusive der verbauten Optionen liegt der Listenpreis bei rund 20.700 Euro.

Genau an diesem Punkt beginnt die eigentliche Diskussion.

Denn selbstverständlich fährt sich ein Fahrzeug um 40.000 oder 50.000 Euro kultivierter. Es bietet hochwertigere Materialien, bessere Dämmung, oft stärkere Motoren und zusätzliche Komfortfunktionen. Die entscheidende Frage lautet jedoch nicht, ob diese Fahrzeuge besser sind. Natürlich sind sie das.

Die Frage lautet vielmehr, ob sie doppelt so gut sind.

Der Erfolg des Sandero deutet darauf hin, dass viele Menschen diese Frage zunehmend kritisch beantworten. Während die Automobilindustrie in den vergangenen Jahren immer größere, schwerere und teurere Fahrzeuge entwickelt hat, ist die Kaufkraft vieler Haushalte nicht im gleichen Ausmaß gewachsen. Für zahlreiche Familien, Berufseinsteiger, Pendler oder Pensionisten wird das Auto wieder stärker zu dem, was es ursprünglich einmal war: ein Werkzeug zur persönlichen Mobilität.

Vielleicht liegt genau darin das Geheimnis des Sandero.

Er versucht nicht, mehr zu sein als er ist. Er verspricht weder Prestige noch Exklusivität. Er verkauft keine automobile Selbstdarstellung. Er bietet Mobilität, Platz, Vernunft und ein Preis-Leistungs-Verhältnis, das in der heutigen Automobilwelt zunehmend zur Ausnahme wird.

In den kommenden Tagen wird sich auf Kärntner Landstraßen, im städtischen Alltag und auf längeren Touren zeigen, wie gut dieses Konzept tatsächlich funktioniert. Die spannendste Frage wird dabei nicht sein, was dem Sandero fehlt.

Sondern ob er vielleicht näher an den tatsächlichen Bedürfnissen vieler Menschen liegt als manche Fahrzeuge, die das Doppelte oder Dreifache kosten.

Dacia Sandero Stepway Extreme TCe 110 – Technische Daten (Testfahrzeug)

MerkmalWert
Motor3-Zylinder-Turbobenziner
Hubraum999 cm³
Leistung110 PS
Getriebe6-Gang-Schaltgetriebe
AntriebFrontantrieb
Durchschnittsverbrauch WLTP5,5 l/100 km
CO₂-Ausstoß128–130 g/km
Länge4.102 mm
Breite (ohne Spiegel)1.853 mm
Höhe1.586 mm
Radstand2.604 mm
Bodenfreiheit unbeladen200 mm
Kofferraumvolumen410 l
Kofferraum maximal1.455 l
Spurweite vorne1.533 mm
Spurweite hinten1.519 mm
Sitzplätze5
AntriebshilfeExtended Grip
Bereifung Testwagen16 Zoll
Einstiegspreis Stepway Essential TCe 11015.490 €
Testwagen Stepway Extreme TCe 11018.490 €
Testwagen inkl. Optionen20.717 €

Quellen: 

Interessante Zahlen für den Artikel

VergleichDacia Sandero Stepway
Preis Testwagenca. 20.700 €
Bodenfreiheit200 mm
Kofferraum410 l
Länge4,10 m
Verbrauch5,5 l/100 km
Leistung110 PS

Und genau diese Zahlen machen den Sandero interessant. Denn nüchtern betrachtet erhält man für knapp über 20.000 Euro ein Fahrzeug mit SUV-Optik, 20 Zentimetern Bodenfreiheit, 410 Liter Kofferraum, Klimaautomatik, Rückfahrkamera, Totwinkelwarner, Sitzheizung, schlüssellosem Zugang und modernem Infotainment.

Und das wiederum führt direkt zu einer interessanten Kernfrage der heutigen Mobilität:

Braucht der Durchschnittskäufer tatsächlich mehr Auto als 110 PS, 410 Liter Kofferraum und 200 Millimeter Bodenfreiheit – oder haben wir uns lediglich daran gewöhnt, dass Autos immer größer, schwerer und teurer werden?

Kommentar hinterlassen

Follow us

Wir würden uns sehr freuen, wenn Sie uns auf Facebook folgen.