Zwischen Casino, Leitplanken und Energie-Management! Warum Monaco für die Formel E längst mehr ist als nur Glamour
Monaco bleibt Monaco. Egal ob Formel 1, Rallye Monte Carlo oder mittlerweile auch Formel E. Kaum ein anderer Ort im Motorsport erzeugt diese Mischung aus Geschichte, Prestige, Druck und globaler Aufmerksamkeit. Seit 1929 wird im Fürstentum Rennen gefahren, seit 1950 gehört der Grand Prix von Monaco praktisch zum Fundament der modernen Formel-1-Weltmeisterschaft. Namen wie Ayrton Senna, Graham Hill oder Michael Schumacher wurden hier endgültig zu Legenden.
Und genau deshalb war die Skepsis anfangs durchaus verständlich, als die Formel E begann, sich in Monaco zu etablieren. Wurde belächelt, ,nicht wirklich ernst genommen, Mario Kart und so, wobei man halt ganz ehrlich sagen muss, daß man in Monaco eben in sehr große Fußstapfen treten wollte.
Zu Beginn fuhr die Serie lediglich eine verkürzte Variante des Stadtkurses. Viele sahen darin eher eine Showveranstaltung als echten Motorsport. Doch spätestens seit der Nutzung des vollständigen Grand-Prix-Kurses hat sich das Bild massiv verändert. Die Formel E funktioniert in Monaco mittlerweile erstaunlich gut und bietet guten Motorsport, vielleicht sogar besser, als viele erwartet hätten.

Denn die aktuellen GEN3- und vor allem die kommenden GEN4-nahen Fahrzeuge bieten mit ihrer direkten Leistungsentfaltung, der hohen Rekuperation und den aggressiven Zweikämpfen guten Motorsport auf diesem engen Stadtkurs zwischen Hafen, Casino und Leitplanken.
Gerade Abschnitte wie Beau Rivage, Casino Square, Mirabeau, die Fairmont-Haarnadel oder Rascasse erzeugen mittlerweile genau jene Mischung aus Präzision und Risiko, die Monaco immer ausgezeichnet hat. Nur eben elektrisch.
Und sportlich ist das Wochenende inzwischen längst ernstzunehmen.
Citroën und DS im Stellantis-Konzern weiter zentraler Faktor
Besonders interessant wird Monaco diesmal auch aus Stellantis-Sicht. Denn obwohl die frühere Dominanz von DS Penske mittlerweile etwas in den Hintergrund gerückt ist, bleibt die französische Gruppe zumindest heuer noch ein enorm wichtiger Teil der Formel E.
DS Automobiles war über Jahre eines der erfolgreichsten Teams der Serie und holte mit Jean-Éric Vergne zwei Fahrertitel sowie mehrere Team- und Herstellermeisterschaften. Vergne selbst gehört bis heute zu den prägenden Figuren der Formel E. Gerade auf Stadtkursen wie Monaco zählt der Franzose nach wie vor zu den fahrerisch stärksten Piloten im Feld.

Mit Citroën Racing setzt Stellantis nun zusätzlich ein neues Zeichen. Und Monaco eignet sich perfekt dafür.
Der Auftritt des Teams wird im Fürstentum entsprechend groß inszeniert. Über 300 Gäste, Händler und Medienvertreter werden vor Ort erwartet. Man merkt klar: Monaco ist für Citroën und Stellantis nicht irgendein Rennen, sondern auch ein internationales Schaufenster, ein Ausblick auch auf die Ausrichtung der Marke in der Zukunft!
Sportlich bringt das Team ebenfalls Potenzial mit.
Nick Cassidy gewann hier bereits 2023 nach einer beeindruckenden Aufholjagd und gilt mittlerweile als einer der stärksten Monaco-Spezialisten im Feld. Mehrere Podestplätze in Folge unterstreichen das zusätzlich. Cassidy fährt Monaco extrem intelligent, kombiniert Energie-Management, Präzision und Rennübersicht sehr effizient, wie zuletzt auch in Berlin / Tempelhof, wo er jedoch im Rennen 2 nach Kollision keine Punkte anschreiben konnte!
Nach dem Podium durch Cassidy in Rennen 1 zuletzt in Berlin reist Citroën nun mit deutlich mehr Selbstvertrauen und Motivation an die Côte d’Azur.

PIT BOOST macht Monaco taktisch noch komplexer
Besonders spannend wird erneut das PIT BOOST-Rennen am Samstag.
Der verpflichtende Zwischenstopp mit ultraschnellem Nachladen verändert die Rennen mittlerweile massiv. 600-kW-Ladeleistung, 3,85 kWh Zusatzenergie in nur 30 Sekunden – technisch ist das aktuell eines der spannendsten Elemente der gesamten Serie.
Vor allem aber verändert es die Fahrweise.
Die Fahrer können aggressiver attackieren, später Energie sparen und strategisch deutlich variabler arbeiten. Gerade in Monaco könnte das zu besonders interessanten Rennverläufen führen. Denn Überholen bleibt schwierig, aber eben nicht unmöglich.
Und genau das unterscheidet die Formel E mittlerweile stark von vielen klassischen Monaco-Rennen anderer Serien.
Während in der Formel 1 die Qualifikation oft bereits 80 Prozent des Ergebnisses bestimmt, entstehen in der Formel E durch Attack Mode, Energie-Management und PIT BOOST immer wieder komplett neue Rennsituationen.
116 Überholmanöver wurden etwa 2023 gezählt. Teilweise gewinnen Fahrer neun oder mehr Positionen innerhalb eines Rennens. Genau das macht Monaco in der Formel E mittlerweile so interessant.

Porsche gegen Jaguar – aber Stellantis lauert
Besonders spannend präsentiert sich aktuell die Weltmeisterschaft selbst. Denn vor Monaco liegt das Feld ungewöhnlich eng zusammen.
Porsche führt aktuell zwar knapp die Fahrer-, Team- und Herstellerwertung an, doch der Vorsprung ist alles andere als komfortabel. Pascal Wehrlein reist mit 101 Punkten als WM-Leader nach Monaco, direkt dahinter folgt allerdings bereits Mitch Evans im Jaguar mit 98 Punkten. Auch Edoardo Mortara im Mahindra bleibt mit 93 Punkten voll im Titelkampf.
Gerade Jaguar wirkt zuletzt extrem stark. Vier Siege aus den ersten acht Saisonrennen zeigen klar, dass das Gesamtpaket aktuell hervorragend funktioniert. Evans gewann zuletzt in Berlin nach einer fast perfekten strategischen Vorstellung von Startplatz 17 aus. Dazu kommt António Félix da Costa, der sich bei Jaguar ebenfalls immer besser integriert und zuletzt konstant punktete.
Porsche punktet dagegen vor allem über Konstanz, Effizienz und ein extrem stabiles Gesamtpaket. Genau diese Mischung könnte gerade in Monaco entscheidend werden.
Doch auch Stellantis lauert mittlerweile wieder gefährlich. Citroën kommt sportlich immer besser in Fahrt, Cassidy zählt aktuell zu den konstantesten Fahrern der Saison und Vergne gehört speziell in Monaco traditionell zu den gefährlichsten Piloten im Feld.
Und genau Monaco könnte nun ein echter Wendepunkt der Saison werden. Denn auf keinem anderen Stadtkurs liegen Risiko, Strategie, Energie-Management und Präzision derart eng beisammen. Fehler werden hier brutal bestraft, gleichzeitig können starke Wochenenden das Kräfteverhältnis einer gesamten Meisterschaft verändern.
Vielleicht zeigt gerade Monaco deshalb besonders gut, wie stark sich die Formel E mittlerweile entwickelt hat. Weg vom reinen Showformat, hin zu einer technisch komplexen, fahrerisch anspruchsvollen Weltmeisterschaft, die sich ihren Platz im internationalen Motorsport inzwischen durchaus verdient hat.
Formel-E-WM Stand vor Monaco 2026
| Pos. | Fahrer | Team | Punkte |
|---|---|---|---|
| 1 | Pascal Wehrlein | Porsche | 101 |
| 2 | Mitch Evans | Jaguar | 98 |
| 3 | Edoardo Mortara | Mahindra | 93 |
| 4 | Oliver Rowland | Nissan | 83 |
| 5 | Nico Müller | Porsche | 75 |
| 6 | Nick Cassidy | Citroën | 69 |
| 7 | Jake Dennis | Andretti Formula E | 66 |
| 8 | António Félix da Costa | Jaguar | 65 |
| 9 | Sébastien Buemi | Envision Racing | 55 |
| 10 | Pepe Martí | Cupra Kiro | 25 |
















Kommentar hinterlassen