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Porsche Taycan Turbo GT in 6:55, 533 um die Nordschleife – nur 7″ hinter dem GT3RS

Mit einer offiziell gestoppten Zeit von 6:55,533 Minuten hat Porsche Taycan Turbo GT auf der Nürburgring-Nordschleife einen neuen Maßstab gesetzt. Und genau an diesem Punkt wird die Geschichte wirklich interessant. Denn diese Zeit muss man einordnen.

Der Taycan bewegt sich damit plötzlich in einem Bereich, der bisher klar den kompromisslosen Hochleistungs-Elfern vorbehalten war. Ein aktueller Porsche 911 GT3 absolvierte die Nordschleife offiziell in 6:56,294 Minuten. Der deutlich radikalere Porsche 911 GT3 RS liegt mit 6:49,328 Minuten ebenfalls nur noch wenige Sekunden entfernt.

Und wir sprechen hier nicht über irgendeinen flachen Elektro-Supersportwagen mit zwei Sitzen und Minimalgewicht, sondern über eine viertürige Luxuslimousine mit Komfortausstattung, großem Batteriepaket und einem Leergewicht von weit über zwei Tonnen. Noch vor wenigen Jahren wäre allein die Vorstellung absurd gewesen, dass ein solches Fahrzeug auf der Nordschleife praktisch im Bereich eines GT3 unterwegs sein könnte.

Porsche und Manthey haben dafür allerdings ein extrem konsequentes Technikpaket aufgebaut. Der Gesamtabtrieb steigt bei 200 km/h von 95 auf 310 Kilogramm. Bei 310 km/h produziert der Taycan mit Manthey Kit rund 740 Kilogramm Abtrieb. Das sind Werte, die längst nicht mehr nach Straßenfahrzeug klingen, sondern klar aus der Welt moderner GT-Renntechnik stammen.

Dazu kommen neue Aerodynamik-Komponenten, ein deutlich aggressiverer Heckflügel, modifizierte Unterbodenströmung, spezielle Pirelli Trofeo RS Trackreifen, leichtere Schmiederäder und eine nochmals geschärfte Fahrwerksabstimmung. Gleichzeitig wurde auch der elektrische Antrieb selbst überarbeitet. Höherer Batterie-Entladestrom, optimierte Pulswechselrichter, mehr Systemleistung und bis zu 730 kW im Attack-Mode zeigen, wohin die Reise inzwischen geht.

Und trotzdem bleibt die entscheidende Frage: Welche Relevanz hat das alles eigentlich für den Käufer und wievielt kWh/100km wurden dabei eingeströmt. Auf letztere Frage wird es wohl keine Antwort geben?!

Die ehrliche Antwort lautet: Im Alltag praktisch keine.

Der überwiegende Teil der Taycan-Kunden wird niemals in einen Bereich kommen, in dem 740 Kilogramm Abtrieb, Nordschleifen-Setups oder Attack-Mode irgendeinen realen Nutzen hätten. Diese Fahrzeuge verbringen ihr Leben nicht in „Schwedenkreuz“ oder „Fuchsröhre“, sondern im Pendelverkehr, auf Autobahnen oder vor Hotels und Bürogebäuden.

Genau deshalb wirken viele dieser Rekorddiskussionen oft etwas künstlich. Sie dienen weniger dem realen Kundenalltag als vielmehr der technischen Selbstinszenierung der Hersteller — und natürlich dem Stammtisch. Dort funktionieren Zahlen nach wie vor hervorragend. 6:55 gegen 6:56. Taycan gegen GT3. Elektro gegen Verbrenner.

Ganz bedeutungslos sind solche Fahrten trotzdem nicht. Denn sie zeigen mit brutaler Klarheit, wie schnell sich Elektro-Performancefahrzeuge entwickeln. Noch vor wenigen Jahren bestand die Diskussion rund um E-Modelle fast ausschließlich aus Reichweite, Ladezeit und Gewicht. Heute sprechen wir über reproduzierbare Hochleistungsfähigkeit, thermische Dauerstabilität, aktive Aerodynamik und Rundenzeiten im direkten Umfeld eines GT3 RS.

Und genau das ist vermutlich die eigentliche Botschaft dieser Runde. Nicht die Frage, ob ein Taycan schneller oder langsamer als ein Elfer ist. Sondern wie schnell sich die technische Realität verschoben hat.

KategoriePorsche Taycan Turbo GT
Nordschleifen-Zeit6:55,533 Minuten
StreckeNürburgring Nordschleife (20,832 km)
FahrerLars Kern
Rekord-KategorieElektrofahrzeuge Oberklasse
Vergleich 911 GT36:56,294 Minuten
Vergleich 911 GT3 RS6:49,328 Minuten
BasisfahrzeugTaycan Turbo GT mit Weissach-Paket
Systemleistung600 kW
Leistung im Attack-Modebis zu 730 kW
Zusatzleistung Attack-Mode+130 kW
Maximales Drehmoment1.270 Nm
Höchstgeschwindigkeit310 km/h
Abtrieb bei 200 km/h310 kg
Abtrieb Serie bei 200 km/h95 kg
Gesamtabtrieb bei 310 km/hrund 740 kg
Batterie-Entladestrom1.300 Ampere
Serie Entladestrom1.100 Ampere
ReifenPirelli P ZERO Trofeo RS
Räder21-Zoll Schmiedefräsräder
Bremsanlage vorne440 mm
Bremsanlage hinten410 mm
BesonderheitenManthey-Aeropaket, modifiziertes Fahrwerk, optimierte Leistungselektronik, spezielle Trackreifen

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