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Renault 8 Gordini Concept: Bitte nicht nur ausstellen

Renault hat den 8 Gordini als elektrisches Coupé neu entworfen. 270 PS treiben die Hinterräder an. Die Form ist eigenständig, die Geschichte dahinter erheblich. Jetzt fehlt der Schritt vom Einzelstück zum Auto, zumindest darf man sich das ja wünschen!

Blau, zwei weiße Streifen, kantige Radhäuser: Der Renault 8 Gordini ist auf Anhieb zu erkennen. Das neue Concept übernimmt diese Merkmale und macht daraus ein flaches, breites Coupé für zwei Personen. Es ist 4,12 Meter lang, 1,88 Meter breit und nur 1,27 Meter hoch. Unter dem Heck arbeitet ein Elektromotor mit 270 PS, angetrieben werden die Hinterräder. Renault zeigt damit einen Entwurf, dessen technische Grundidee zum legendären Namen passt. 

Und dieser Name hat Gewicht. Der 1964 vorgestellte Renault 8 Gordini entstand aus einer viertürigen Limousine mit Heckmotor und Hinterradantrieb. Amédée Gordini überarbeitete Motor und Fahrwerk für den sportlichen Einsatz. Die erste Version besaß 1.108 Kubikzentimeter Hubraum. Ihre häufig genannten 95 PS stammen aus der damaligen SAE Angabe; Renaults deutsche Unterlagen nennen 86 PS nach DIN. Solche Unterschiede fallen bei historischen Leistungsdaten oftmals erheblich aus, die Zahl allein erklärt aber ohnehin kaum, weshalb der Gordini 8 einen festen Platz in der Motorsportgeschichte bekam. 

Den Grund dafür lieferte bereits sein erster großer Auftritt, als Jean Vinatier mit dem Gordini bereits 1964 die Tour de Corse gewinnen konnte. Beim dieser Ausgabe der Tour de Corse 1964 erreichten nur acht der 79 gestarteten Fahrzeuge das Ziel, die Gordini´s belegten dabei die Plätze eins, drei, vier und fünf, bei einer Veranstaltung, die damals Fahrer und Material hart beanspruchte. Mit ein Grund, daß bereits zu Beginn der ersten Auftritte des Gordini dieser zur Rennsport-Legende wurde. Pierre Orsini siegte dann 1965, Jean François Piot 1966.

In diesem Jahr folgte auch die weiterentwickelte Version mit 1.255 Kubikzentimetern und einem Fünfganggetriebe. Sie war an vier Frontscheinwerfern zu erkennen. Im selben Jahr begann der Coupe Gordini, ein Markenpokal für Besitzer und Nachwuchsfahrer. Aus seinem Umfeld gingen unter anderem Jean Pierre Jabouille und Jean Ragnotti hervor. Der Gordini bot damit einen Weg in den Wettbewerb, dessen Einstieg für junge Fahrer finanzierbar war, man Perspektiven zeigen und sich in die Auslage fahren konnte. Seine weißen Streifen wurden berühmt, weil unter ihnen gefahren wurde. 

Am neuen Concept interessiert daher zuerst die Entscheidung für den Hinterradantrieb. Sie gibt dem historischen Bezug einen technischen Kern. Welche fahrdynamischen Eigenschaften daraus entstehen, ist offen. Renault nennt weder mögliche Batteriegröße noch Fahrzeuggewicht, Beschleunigung oder Reichweite. Angaben zu Fahrwerk und Reifen fehlen ebenfalls, handelt es sich in erster Linie um eine Studie, um ein Concept-Car, dessen Weg in die Serie man sich schon mal optisch wünschen würde. Natürlich waren bei einem sportlichen Elektroauto vor allem das Gewicht aufschlussreich, hätte es doch erheblichen Anteil an Fahrdynamik und Fahrspaß.

Die Gestaltung und Optik hingegen präsentiert sich bereits deutlich konkreter, dargestellt gerne so beibehalten werden. Renaults Designteam entwickelte mehr als 300 Skizzen, bevor der Entwurf feststand. Die Front trägt sechs runde Leuchten; hinten schließen die Rückleuchten bündig mit der Karosserie ab. Ein neues Emblem bildet die Acht aus acht Segmenten. Die Außenspiegel haben eine muschelförmige Gestalt, die Radhäuser bewahren ihre kantige Kontur. Vorne stehen Räder im Format 19 Zoll, hinten 20 Zoll. Das breite Heck macht den Hinterradantrieb auch optisch zum Thema. 

Sehr fein die Optik und Lackierung, eine gut gelungene Neuinterpretation des alten Gordini. Ihr Blau nimmt die historische französische Rennfarbe auf, erhält durch einen dreischichtigen Aufbau mit Perlmutt aber eine eigene Tiefe. Die beiden weißen Streifen laufen über die Karosserie und tauchen an weiteren Stellen wieder auf, etwa an den Rückleuchten und im Innenraum. Renault hat sich bei diesem Wagen sichtbar mit den Details beschäftigt. Das Ergebnis besitzt eine klare Identität, ohne die viertürige Form von 1964 nachzeichnen zu müssen. 

Auch das Cockpit verdient Beachtung. Runde digitale Anzeigen sitzen auf einem horizontalen Band aus gebürstetem Aluminium. Hinzu kommen Schalensitze mit blauen Cord Elementen, Alcantara und zurückhaltende Beleuchtung. Die Anordnung der Instrumente erinnert an die Metallblende und die Rundanzeigen des alten Renault 8. Zugleich bleibt der Innenraum aufgeräumt und auf das Wesentliche und die beiden Insassen konzentriert. So kann eine historische Vorlage im Jahr 2026 aussehen: mit erkennbarer Herkunft und einem eigenständigen Entwurf. 

Renault bezeichnet das 8 Gordini Concept als Stilübung und wurde am 24. September in Paris vorgestellt und soll vom 12. bis 18. Oktober auf dem Pariser Autosalon zu sehen sein. Danach ist ein Platz in den Renault Collections in Flins vorgesehen. Eine Serienversion ist bislang nicht angekündigt, was, schaut man sich die Bilder an, wiederum sehr schade ist, und man sich durchaus bemüssigt fühlt zu fragen: Warum fehlt noch der Mut und die Absicht, schon aus PR-Gründen, den Gordini in Serie zu bringen?

Und das ist wohl auch der schwächste Punkt an diesem bemerkenswerten Auto. Renault hat eine Form gefunden, die Lust auf ein elektrisches Fahrerauto macht, und den Antrieb an die richtige Achse gelegt. Ob daraus auch ein überzeugender Gordini werden kann, müsste sich auf der Straße zeigen. Dort gehört dieser Name nämlich hin.

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