MOTORWELT

Formel E Tokio – Lauf 2 / Wie Citroën Geschichte schreibt und de Vries den Titelkampf sprengt

Ein abgesagtes Freies Training wegen Wolkenbrüchen, eine abtrocknende Ideallinie, fehlerhafte Reifendruck-Gokart-Entscheidungen, Massenkarambolage und ein Ein-Runden-Showdown nach Roter Flagge: Das zweite Rennen des Tokio E-Prix (Lauf 15) lieferte motorsportliche Dramatik in Reinkultur. Während Nyck de Vries (Mahindra Racing) mit einem mutigen Trocken-Set-up-Poker zum Sieg stürmte, gipfelte das Wochenende für Citroën Racing in einem historischen Meilenstein. An der Spitze der Weltmeisterschaft kam es unterdessen zum totalen Umsturz.

Citroën Racing: Erste Doppel-Podium-Sensation im Zeichen des Gedenkens

Was für eine emotionale Machtdemonstration der Mannschaft von Stellantis Motorsport. Nur wenige Tage nach dem bitteren Verlust von Teamchef Cyril Blais verwandelte das Citroën Racing Formula E Team den schwierigen Fernost-Trip in ein motorsportliches Triumph-Wochenende. Nach der Halbgas-Anfangsphase im Regen zahlte sich die strategische Aufteilung der Garagen-Taktiken perfekt aus.

Photo by Takashi Aoyama/LAT Images)

Das Doppel-Podium im Taktik-Check

  • Nick Cassidy (P2): Von Startplatz 13 gestartet, hielt sich der Neuseeländer auf nasser Fahrbahn schadlos und bewahrte seinen State of Charge (SOC) penibel auf. Als der Asphalt abtrocknete und die Konkurrenz auf eilig gewählten Regen-Reifendrücken mit überhitzenden Laufflächen kämpfte, zündete Cassidy seine zwei Attack Modes. Mit fehlerfreien Überholmanövern arbeitete er sich bis auf Rang 2 vor und verteidigte den Podestplatz im abschließenden Ein-Runden-Sprint eiskalt gegen Jake Dennis.e-Formel.de
  • Jean-Éric Vergne (P5): Der Franzose pokerte auf die frühe Attacke. Bereits in der ersten Renn-Hälfte schoss Vergne mit der Power des ersten Attack Mode von Startplatz 12 bis auf Rang 3 nach vorne. In den turbulenten Schlussrunden fehlte ihm beim Re-Start zwar das letzte Delta an Restenergie zur reinen Verteidigung, doch Rang 5 sicherte den Franzosen das beste Teamergebnis der Citroën-Geschichte.Indiatimes

In der Teamwertung machte Citroën mit nun 166 Punkten einen gewaltigen Sprung nach vorne und reist als Tabellenfünfter zum Saisonfinale nach London.

Nick Cassidy: „Nach allem, was in den letzten Wochen passiert ist, bedeutet dieses Wochenende der gesamten Stellantis-Familie unglaublich viel. Das Auto war auf der abtrocknenden Strecke eine Waffe, und das doppelte Podium ist der Lohn für den Zusammenhalt im Team.“

Photo by Joe Portlock/LAT Images)

DS PENSKE: Bärenstarker Speed, aber der Reifendruck-Teufel schlägt zu

Bei der Konzernschwester DS PENSKE hinterlässt das Sonntagsrennen gemischte Gefühle. Die reine Chassis- und Qualifying-Pace des DS E-TENSE FE25 war über jeden Zweifel erhaben, doch das Abtrocknen der Piste verhinderte die verdiente Ernte.

Der Teufelskreis der Reifendrücke

  1. Taylor Barnard (P9): Der junge Briton zog erneut souverän in die Duels ein und brannte die viertbeste Zeit in den Asphalt. Im nassen ersten Renndrittel übernahm Barnard spektakulär die Führung des E-Prix. Weil das Auto jedoch mit hohen Regendrücken abgestimmt war, überhitzten die Allwetterreifen auf der trockenen Ideallinie im letzten Drittel massiv. Barnard verlor rapide an Grip und wurde bis auf Rang 9 durchgereicht.
  2. Maximilian Günther (P10): Der Deutsche pokerte vom 14. Startplatz genau gegensätzlich auf ein Trocken-Set-up. Während der nassen Phase hielt er sich schadlos und sparte enorm Energie. In der Endphase brannte Günther Fabelzeiten in den Kurs und flog durchs Feld. Ausgerechnet als er seinen zweiten Attack Mode zündete, löste ein Massencrash im Mittelfeld die Rote Flagge aus. Der strategische Vorteil verpuffte im Schutze der Rennunterbrechung.-
Photo by Joe Portlock/LAT Images)

Der Rennsieg: Wie Nyck de Vries die Gummi-Lotterie gewann

Für den Rennsieg benötigte es an diesem Sonntag den perfekten Kompromiss aus Mut und Timing. Mahindra Racingsetzte bei Nyck de Vries (Startplatz 5) alles auf eine abtrocknende Strecke und wählte niedrige Start-Reifendrücke.

The Girls Who Eat, Breathe and Dream Motorsport –

  • Anfangsphase: De Vries verlor im Nassen zunächst Boden, sparte hinter der Führungsgruppe jedoch akribisch Energie.
  • Die Wende: Ab Runde 20 drehte sich das Kräfteverhältnis dramatisch. Während die frühen Spitzenreiter (Edoardo Mortara und António Félix da Costa) mit zerstörten Laufflächen einbrachen, flog de Vries an der Konkurrenz vorbei.
  • Der Re-Start: Nach der Roten Flagge behielt de Vries beim Ein-Runden-Sprint die Nerven und parierte die Angriffe von Cassidy.

WM-Beben vor London: Dennis stürmt von P18 an die Spitze

Das zweite Rennen in Tokio brachte im Titelkampf das absolute Chaos. Beide bisherigen Hauptprotagonisten blieben komplett ohne Punkte: Pascal Wehrlein (Porsche) und Mitch Evans (Jaguar) schieden nach Kollisionen bzw.technischen Folgeschäden aus.

Der Nutznießer des Tages hieß Jake Dennis (Andretti): Der Weltmeister von Saison 9 brannte von Startplatz 18 eine sensationelle Aufholjagd in den Asphalt, schnappte sich Rang 3 und reist nun als WM-Spitzenreiter zum Finale.

Trotz des Debakels im Fahrer-Feld gab es bei Porsche Grund zum Jubeln: Die Zuffenhausener sicherten sich vorzeitig den Weltmeistertitel in der Hersteller-Wertung 2025/26.

Rennergebnis & WM-Stand nach Lauf 15

Top 5 Rennergebnis: 2026 TDK Tokyo E-Prix (Lauf 15)Formula E

PositionFahrerTeamPunkte
1Nyck de VriesMahindra Racing25
2Nick CassidyCitroën Racing18
3Jake DennisAndretti Formula E15
4Oliver RowlandNissan Formula E
Team
12
5Jean-Éric VergneCitroën Racing10

Stand der Fahrer-Weltmeisterschaft (Top 3 vor dem Finale)

PositionFahrerTeamPunkte
1Jake DennisAndretti Formula E145
2Mitch EvansJaguar TCS Racing144
3Pascal WehrleinPorsche Formula
E Team
141

Kommentar hinterlassen

Follow us

Wir würden uns sehr freuen, wenn Sie uns auf Facebook folgen.