Die Debatte um die Sinnhaftigkeit batterieelektrischer Antriebe im Motorsport krankt zumeist an einer Verengung auf das Sportgerät selbst. Dass ein tiefer Schwerpunkt die Fahrdynamik begünstigt und das unmittelbar anliegende Drehmoment für exzellente Beschleunigungswerte sorgt, steht außer Frage. Die eigentliche Hürde des emissionsfreien Rallyesports liegt vielmehr in der Logistik: wie man bringt man den Strom dorthin, wo er gebraucht wird? Mit dem neu strukturierten ADAC Opel GSE Rally Cup und dem Einsatz des Mokka GSE Rally unternimmt der Hersteller nun den Versuch, diese systemische Schwachstelle durch ein mobiles und autarkes Ladekonzept zu beheben.
Bislang scheiterte die uneingeschränkte Integration von Elektrofahrzeugen in den klassischen Rallye-Ablauf an den Distanzen der zusammenhängenden WP´s. Da die Fahrzeuge nach wenigen Wertungsprüfungen (WP) zum Laden an eine zentrale Station zurückkehren mussten, schrumpfte der Aktionsradius. Das nun eingeführte Prinzip des „Remote Charging“ verlegt den Ladevorgang dorthin, wo er im Zeitplan ohnehin vorgesehen ist: auf die Verbindungsetappen zwischen den Prüfungen.

Der dezentrale Ladeablauf im Detail
Das logistische Fundament dieses Systems bilden batterieelektrische Schwerlasttransporter, die als mobile Energie-Hubs fungieren. Der physische und elektrische Ablauf während einer Rallyeveranstaltung vollzieht sich in drei eng aufeinander abgestimmten Schritten:
- Die Bereitstellung am Intervallpunkt: Vor dem Start einer Sektion transportieren die elektrischen Sattelzüge die mobilen Ladeeinheiten des Herstellers Schall-E an definierte Zwischenstationen auf den Verbindungsetappen. Der Aufbau dieser dezentralen Ladepunkte erfolgt innerhalb weniger Stunden direkt am Straßenrand oder auf ausgewiesenen Stellflächen zwischen den Wertungsprüfungen.
- Der Ladevorgang unter Spitzenlast: Erreichen die Rallyefahrzeuge die Station, werden sie an die Ladewürfel angeschlossen. Jede mobile Einheit greift auf einen internen Speicher von 160 kWh zurück und stellt eine Gesamtleistung von bis zu 250 kW bereit. Um die fahrzeugseitig maximal mögliche Ladeleistung von 110 kW für zwei Fahrzeuge gleichzeitig stabil zu halten, stützt ein im Hintergrund geschalteter 150 kWh fassender Pufferspeicher das System. Dieser fängt den initialen Einschaltstrom ab und verhindert einen Spannungsabfall im mobilen Netz.
- Die autarke Puffer-Sicherung: Sollten die kumulierten Ladevorgänge die Kapazität des lokalen Zwischenspeichers erschöpfen, speisen die Akkumulatoren der Transport-Lkw über bordeigene Wechselrichter zusätzlichen Strom ein. Diese fahrzeugübergreifende Kaskadierung sichert die Autarkie des Systems an Standorten ohne physischen Netzanschluss, bevor die Trucks nach dem Durchlauf des Feldes zum Haupt-Ladepark zurückkehren, wo ein 500 kWh großer Batteriespeicher als zentrales Reservoir dient.

Für den 207 kW (281 PS) starken Opel Mokka GSE Rally bedeutet diese Infrastruktur eine signifikante Erhöhung der Reichweite unter Wettbewerbsbedingungen. Bei der österreichischen Rallye Weiz (17. bis 18. Juli) führt dies zu einer Premiere: Die Elektro-Fahrzeuge absolvieren erstmals sämtliche elf Wertungsprüfungen über die volle Distanz und werden regulär im Gesamtklassement gewertet. Dies ermöglicht einen direkten Leistungsvergleich mit konventionellen Rally4-Fahrzeugen.
Österreichische Expertise in der Fahrzeugentwicklung
Dass der Mokka GSE Rally die nötige Standfestigkeit für diesen Härtetest besitzt, ist maßgeblich das Resultat einer Kooperation mit der österreichischen Stohl Group (STARD) unter der Leitung des ehemaligen Gruppe N Rallye-Weltmeisters Manfred Stohl. Das in Pachfurth ansässige Unternehmen zeichnet für wesentliche Teile der Entwicklungs-, Abstimmungs- und Simulationsarbeit des Cup-Fahrzeugs verantwortlich.
Stohl, der sich seit Jahren mit elektrischen Antriebskonzepten im Motorsport befasst, verweist auf die fortgeschrittene Reife der Technologie:
„Die Simulationen und ersten Einsätze zeigen, dass dieses Fahrzeug in puncto Kurvendynamik und Traktion im engen Geläuf einem klassischen Rally4-Verbrenner überlegen sein kann.“
Die mechanische Basis des Serienfahrzeugs – einschließlich der Batterie – bleibt dabei weitgehend unangetastet; optimiert wurden vor allem das Kühlsystem, das Sperrdifferenzial zur Traktionsverbesserung und das Sicherheitslayout nach FIA-Standards.

Funktionierendes Nachwuchskonzept mit abruptem Ende
Der sportliche Wert des Markenpokals bemisst sich jedoch nicht allein an der Technik, sondern an seiner Funktion als Ausbildungskategorie. Der Cup hat sich als funktionierendes Sprungbrett etabliert. Das prominenteste Beispiel für diese Durchlässigkeit ist der Schwede Calle Carlberg: Nach seinem Gesamtsieg im Markenpokal stieg er in das offizielle ADAC Opel Rally Junior Team auf und sicherte sich im Folgejahr im Opel Corsa Rally4 den Europameistertitel in der Klasse ERC4.
Die Effektivität dieser Nachwuchsförderung offenbart jedoch im oberen Segment eine strukturelle Schwachstelle. Die logisch aufgebaute Pyramide bricht nach den Erfolgen in der ERC4 ab. Dem Reglement und der Ausrichtung des Herstellers fehlt der Anschluss an die nächsthöhere Kategorie, die allradgetriebene Klasse Rally2 (WRC2).
Wer sich im Junior-Team von Opel für höhere Aufgaben empfiehlt, findet im eigenen Konzern mit Lancia eine WRC2 – Möglichkeit, jedoch bietet Opel diesen Abschluss der Pyramide nicht selbst. So bleibt die vorbildliche Nachwuchsarbeit des Cups vorerst auf die nachgeordneten Klassen beschränkt, was am Ende des Tages aber doch zu begrüßen ist, weil es eben auch speziell im deutschsprachigen Raum die einzige Möglichkeit für junge Fahrer bietet, ihr Können und Ihre Performance zu zeigen!

















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