Wenn Mode auf Motorsport trifft: Lacoste und Alpine inszenieren ein elektrisierendes Gesamtkunstwerk aus Stoff und Carbon.
Es gibt Kooperationen in der Industrie, die wirken wie am Reißbrett einer Marketingagentur künstlich insziniert, und haben oftmals auch nix zu erzählen. Treffen jedoch mit dem Sportbekleidungsriesen Lacoste und der Renault-Sporttochter Alpine zwei französische Ikonen aufeinender, dann kann das deutlich mehr als dasübliche Doppelbranding auf einen Baumwoll-Piquet sein. Was die beiden französischen Ikonen nun im geschichtsträchtigen Rahmen des Musée des Archives nationales in Paris enthüllt haben, ist dann sehr schnell eine rasante Liebeserklärung an den gallischen Erfindergeist.
Im Zentrum der Liaison steht ein automobiles Unikat mit spürbarem Biss: die „Beware of the Crocodile – Alpine Lacoste A290 Rallye“. Als technische Basis dient kein zahmes Serienmodell, sondern die radikale, rein elektrische A290 Rallye aus Alpines Kundensport-Abteilung. Ein kleiner, giftiger Stromer mit 220 PS, Breitbau, mächtigem Heckflügel und Sichtcarbon, der für den harten Einsatz auf den Wertungsprüfungen der Championnat de France des Rallyeskonstruiert wurde. Doch statt im klassischen Blau erstrahlt dieses Einzelstück in einem matten, feinstrukturierten Bläulich-Weiß, das an das ewige Eis der Seealpen erinnern soll – jenes Terrain, auf dem Alpine-Gründer Jean Rédélé einst seine größten Triumphe feierte.

Ein automobiler Rachen
Wer die Tür des Konzeptfahrzeugs öffnet, erlebt jedoch eine optische Eruption. Der Innenraum präsentiert sich als monochromes, radikales Meer aus sattem Rot. Die Designer ließen sich hierfür von einem extrem spezifischen Detail inspirieren: dem Rot der Zunge des weltberühmten Lacoste-Krokodils.
„Man nimmt im Grunde im Rachen des Reptils Platz“, heißt es aus den Designstudios.
Die Symbiose der beiden Welten zieht sich konsequent durch die Materialauswahl: Die tiefen Schalensitze und Türtafeln sind mit dem klassischen Petit Piqué-Stoff bezogen, gewebt und bestickt in den Traditions-Werkstätten von Potencier, die sonst die edlen Poloshirts der Modemarke veredeln. Gleichzeitig blickt man auf hochmoderne, rot eloxierte Strukturbauteile und ultraleichte Gitterkomponenten aus dem 3D-Drucker. Insgesamt exakt 290 stilisierte Krokodile haben die Kreativen als „Easter Eggs“ im und am Fahrzeug versteckt – eines davon lauert auf der hinteren Gepäckablage im ewigen Kampf gegen die Uhr.

Das Erbe zweier Besessener
Dass diese Partnerschaft eine bemerkenswerte Tiefe besitzt, liegt in der Historie begründet. René Lacoste, der Tennis-Pionier der 1920er Jahre, und Jean Rédélé, der motorsportbegeisterte Konstrukteur der Nachkriegszeit, waren seelenverwandte Getriebene. Beide revolutionierten ihre Disziplinen durch eine obsessive Suche nach Leichtigkeit, aerodynamischer beziehungsweise anatomischer Präzision und funktionaler Eleganz. Lacoste befreite die Tennisspieler aus den starren, schweren Hemden der Epoche; Rédélé bewies der Welt, dass ein agiler Leichtbau-Sportwagen schwerfällige Hubraum-Monster deklassieren kann.
Um diesen Geist in die Gegenwart zu übersetzen, flankiert eine minimalistische, technisch anspruchsvolle Kapsel-Kollektion das Projekt. Poloshirts, leichte Funktionsjacken und Accessoires transferieren die Ästhetik des Tennisplatzes auf den Asphalt der Rennstrecke.

Begleitet wird der Aufschlag von einem bemerkenswert selbstironischen Kurzfilm namens „The Test“. Produziert von der Filmschmiede des Schauspielers und Lacoste-Botschafters Pierre Niney, liefert sich dieser darin ein amüsantes Wortgefecht mit Alpine-Formel-1-Pilot Pierre Gasly – eine humorvolle Note, die dem oft bierernsten automobilen High-End-Marketing sichtlich guttut.
Kaufen kann man das Krokodil auf Rädern leider nicht; es bleibt ein reines Ausstellungsstück und rollendes Manifest. Doch es setzt im Jahr 2026 ein klares Zeichen: Wahre Eleganz im Elektrozeitalter speist sich nicht aus lautem Protz, sondern aus intelligentem Design, textiler Meisterschaft und einer gehörigen Portion französischem Esprit.






















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