Rallye-Weltmeisterschaft auf japanische Art
Die Rallye Japan war einmal mehr eine Machtdemonstration der derzeitigen Stärke und Überlegenheit, die Toyota Gazoo Racing in den vergangenen Jahren, speziell bei Asphalt-Rallyes, aufgebaut hat. Auf den anspruchsvollen Asphaltprüfungen rund um Toyota City führte auch diesmal kein Weg an den GR Yaris Rally1 vorbei. Elfyn Evans gewann zum bereits dritten Mal in Japan und führte Toyota zu einem beeindruckenden Vierfachsieg vor Sébastien Ogier, Sami Pajari und Lokalmatador Takamoto Katsuta, nicht der erste in dieser Saison.
Auch wenn auf den ersten Blick dieses Ergebnis sehr eindeutig wirkt, steckt hier bei weitem eine Geschichte dahinter, die über den Sport, Zahlen und Fakten hinausgeht.
Denn während viele Hersteller Motorsport heute primär als Marketingplattform betrachten, ist er bei Toyota längst wieder Teil der Unternehmenskultur geworden. Verantwortlich dafür ist ein Mann, der in Japan längst Kultstatus genießt: Akio Toyoda.

Der Mann hinter Morizo
Akio Toyoda ist nicht jener typische Konzernchef, der sich nur für Quartalszahlen interessiert. Der ehemalige Präsident und heutige Chairman von Toyota sitzt selbst hinter dem Lenkrad. Unter seinem Pseudonym „Morizo“ fährt er seit Jahren Rennen auf der Nürburgring Nordschleife, bei Langstreckenrennen und nationalen Wettbewerben, und genau diese Leidenschaft prägt heute Toyota Gazoo Racing.
Wer in Japan im Servicepark unterwegs war, konnte Toyoda beinahe ständig antreffen. Nicht abgeschirmt in VIP-Bereichen, sondern mitten im Team. Nach Oliver Solbergs Ausfall war er einer jener Menschen, die sofort das Gespräch mit dem jungen Schweden suchten. In einer Phase, in der Solberg sichtbar mit sich selbst haderte, war Toyoda präsent, nicht als Vorstandsvorsitzender, sondern als Racer. Auch Sébastien Ogier, Juha Kankkunen und Jari-Matti Latvala unterstützten Solberg nach dessen bitterem Rückschlag zum Teil auch mit sehr kritischen Worten wie Ogier, die aber wohl den jungen Schweden in die richtige Richtung drücken sollten.
Diese Kultur erklärt vielleicht besser als jede Pressemitteilung, warum Toyota aktuell der Maßstab in der Rallye-WM ist.

Evans nutzt die Chance
Sportlich gehörte die Rallye Elfyn Evans.
Der Waliser kontrollierte die Veranstaltung von Beginn an, nutzte seine günstige Startposition am Freitag optimal und ließ sich nach dem Ausfall Solbergs auch von Teamkollege Sébastien Ogier nicht mehr ernsthaft unter Druck setzen. Mit seinem 13. WRC-Sieg feierte Evans gleichzeitig sein 50. Podium in der Weltmeisterschaft.
Noch wichtiger: Im Titelkampf hat sich Evans eine hervorragende Ausgangsposition geschaffen. Mit 151 Punkten führt er die Weltmeisterschaft nach sieben von 14 Läufen an. Hinter ihm folgen Takamoto Katsuta mit 131 Punkten und Oliver Solberg mit 102 Zählern. Ogier liegt als Teilzeitpilot bereits 61 Punkte zurück.
Der große Unterschied zu früheren Jahren: Evans wirkt vor allem entschlossener und aggressiver, die Konstanz hatte er schon davor. Meist scheiterte an zu wenigen Punkten am Super-Sunday, dazu fehlte in der Vergangenheit oftmals der letzte Schritt vom Siegkandidaten zum Titelanwärter. 2026 scheint dieser Schritt gelungen zu sein.
Solberg: Der schnellste Mann – und sein größter Gegner
Bis zu seinem Ausrutscher am Samstag war der junge Schwede der einzige Fahrer, der Evans ernsthaft unter Druck setzen konnte. Sein Speed war beeindruckend. Nach dem Ausfall kehrte er am Sonntag zurück, gewann drei Prüfungen, holte den Sieg in der Power Stage und sicherte sich die Wertung des Super Sunday.
Kritik an seiner vierten Nullnummer der Saison wird es reichlich geben. Doch wer die Geschichte des Rallyesports kennt, weiß auch: Entwicklung verläuft selten geradlinig.
Sein Vater Petter Solberg galt in jungen Jahren ebenfalls als extrem schnell, produzierte aber regelmäßig Ausfälle. Als dann die Konstanz zur Geschwindigkeit kam, wurde er 2003 Weltmeister und zu einer der schillerndsten Figuren im Rallyesport.
Genau dort steht Oliver heute.
Die Geschwindigkeit besitzt er bereits. Sollte er lernen, an jenen zwei oder drei kritischen Stellen pro Rallye fünf Prozent Risiko herauszunehmen, wird er künftig nur schwer zu schlagen sein.

Hyundai kämpft mit den Bedingungen
Für Hyundai verlief das Wochenende deutlich schwieriger.
Adrien Fourmaux rettete Rang fünf vor Thierry Neuville und Hayden Paddon. Vor allem auf den trockenen Asphaltprüfungen fehlte dem Hyundai i20 N Rally1 die nötige Balance, um den Toyota ernsthaft herauszufordern. Teamchef Andrew Wheatley sprach offen davon, dass die Performance nicht den eigenen Erwartungen entsprochen habe.
Besonders bemerkenswert: Während Toyota vier Fahrzeuge unter die ersten vier brachte, kämpften die Hyundai-Piloten über weite Strecken mit mangelndem Vorderachsgrip und Reifenmanagement. Fourmaux selbst räumte ein, dass man realistisch eher auf einen Podiumsplatz in der Meisterschaft als auf den Titel blickt.
M-Sport erlebt das Ende einer Ära
Auch für M-Sport Ford stand weniger das Ergebnis, dazu fehlen einfach die Piloten, als vielmehr die Symbolik im Mittelpunkt.
Jon Armstrong und Josh McErlean erreichten die Plätze acht und zehn, während das Team die letzten Asphaltkilometer der aktuellen Rally1-Generation absolvierte. Teamchef Richard Millener sprach von einem besonderen Moment und erinnerte daran, dass diese Fahrzeuge seit Monte Carlo 2022 die Königsklasse geprägt haben.
Tatsächlich endet mit Japan eine Ära.
2027 kommen neue technische Regeln, und viele Beteiligte waren sich einig: Die aktuellen Rally1-Fahrzeuge gehören zu den spektakulärsten Asphalt-Rallyeautos, die der Sport je gesehen hat.

Mehr als nur Motorsport, auch automobile Kultur
Vielleicht war genau das die eigentliche Botschaft dieser Rallye. Toyota gewann nicht nur sportlich. Toyota gewann auch kulturell. Akio Toyoda hat in den vergangenen Jahren etwas geschafft, das vielen Herstellern verloren gegangen ist: Er hat den Motorsport wieder ins Zentrum der Marke gestellt. Formel 1, WRC, WEC, Paris-Dakar, Super Formula, GT3 und GT4, World Drift Challenge nur um die wichtigsten zu nennen.
Von den GR-Straßenmodellen wie dem GR Yaris, GR Corolla oder GR Supra bis hin zum Rallye-Werksteam zieht sich dieselbe Philosophie durch das gesamte Unternehmen. Natürlich geht es auch immer um Verkaufszahlen und Marktpräsenz, bei Toyota steht aber auch die Frage i9m Mittelpunkt, wie sich ein Auto anfühlt.
Dass derselbe Mann, der als Konzernchef Milliardenbudgets verantwortet, gleichzeitig unter dem Namen Morizo selbst Rennen fährt, erklärt vermutlich besser als jede Strategiepräsentation, warum Toyota heute sowohl auf der Rallyepiste als auch auf der Straße immer mehr zu den emotionalsten Automarken der Welt zählt.
Und genau deshalb war die Rallye Japan 2026 weit mehr als nur ein weiterer Sieg von Elfyn Evans. Sie war die Bestätigung einer Philosophie, die derzeit erfolgreicher funktioniert als jede andere im Rallyesport.
Und schaut auf das neue Reglement 2027, wohl auch bleiben wird.
Rallye Japan 2026 – Top 5 Endergebnis
| Pos. | Fahrer | Fahrzeug | Rückstand |
|---|---|---|---|
| 1 | Elfyn Evans | Toyota GR Yaris Rally1 | 3:17:08,0 |
| 2 | Sébastien Ogier | Toyota GR Yaris Rally1 | +12,8 s |
| 3 | Sami Pajari | Toyota GR Yaris Rally1 | +51,4 s |
| 4 | Takamoto Katsuta | Toyota GR Yaris Rally1 | +1:03,5 min |
| 5 | Adrien Fourmaux | Hyundai i20 N Rally1 | +2:34,8 min |
FIA Rallye-Weltmeisterschaft 2026 – Fahrerwertung nach Rallye Japan
| Pos. | Fahrer | Punkte |
|---|---|---|
| 1 | Elfyn Evans | 151 |
| 2 | Takamoto Katsuta | 131 |
| 3 | Oliver Solberg | 102 |
| 4 | Sami Pajari | 96 |
| 5 | Sébastien Ogier | 90 |























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