Rowland schlägt zurück – Monaco zeigt die ganze Spannbreite der modernen Formel E
Monaco liefert in der Formel E mittlerweile genau das, was man sich ursprünglich von der Serie erhofft hatte. Enge Stadtkurse, Old-School Tracks, permanente Positionskämpfe, taktische Hochspannung und gleichzeitig ein Motorsport-Event, das längst weit über den eigentlichen Rennsport hinausgeht.
Der zweite Lauf des Monaco E-Prix 2026 zeigte all das in komprimierter Form.
Während am Samstag noch Nyck de Vries im chaotischen ersten Rennen triumphierte, schlug im zweiten Lauf Oliver Rowland eindrucksvoll zurück. Der Nissan-Pilot arbeitete sich von Startplatz acht durch das Feld und sicherte sich mit einer strategisch wie fahrerisch extrem starken Leistung den Sieg im zweiten Monaco-Rennen. Nach Rang zwei zuletzt in Berlin bestätigt Rowland damit endgültig seine aktuell starke Formkurve und schiebt sich gleichzeitig auf Rang zwei der Weltmeisterschaft vor.

Hinter Rowland sorgte vor allem Felipe Drugovich für Aufsehen. Der Brasilianer brachte seinen Andretti erstmals in Monaco aufs Podium und bestätigte damit erneut, warum er intern als einer der interessantesten Aufsteiger der aktuellen Formel-E-Generation gilt. Rang drei sicherte sich Jaguar-Pilot António Félix da Costa, während Teamkollege Mitch Evans mit Platz vier vor allem im Titelkampf wichtigen Schaden begrenzte.
Denn genau dort wird Monaco langsam zum Wendepunkt der Saison.
Evans reist nach zwei starken Monaco-Rennen nun als Gesamtführender weiter Richtung Asien und hält bei 128 Punkten. Dahinter folgt Rowland mit 109 Zählern, Edoardo Mortara liegt mit 103 Punkten ebenfalls weiterhin in Schlagdistanz. Für Pascal Wehrlein verlief das Wochenende dagegen nahezu katastrophal. Nach der Kollision im ersten Lauf und einer weiteren schwierigen Vorstellung im zweiten Rennen verlässt der Porsche-Pilot Monaco nur noch auf Gesamtrang vier liegend.
Überhaupt entwickelte sich Monaco speziell für Porsche zum Wochenende zum Vergessen. Lediglich Nico Müller brachte einen Porsche im zweiten Rennen noch auf Rang sieben ins Ziel. Nach dem Sieg in Berlin wirkt das Momentum der Deutschen aktuell plötzlich deutlich fragiler als noch vor wenigen Wochen.

Ähnlich ernüchternd verlief das Heimwochenende für die beiden Stellantis-Teams Citroën Racing und DS Penske. Trotz guter Ausgangspositionen und einzelner starker Qualifying-Leistungen blieben am Ende kaum große Resultate übrig. Gerade vor heimischem Publikum hatte man sich intern deutlich mehr erwartet.
Besonders hart traf es dabei erneut Dan Ticktum. Der Cupra-Kiro-Pilot bestätigte am Sonntagvormittag zunächst nochmals seine rohe Monaco-Pace und sicherte sich nach Samstag bereits die zweite Pole Position in Folge. Im Rennen folgte dann allerdings der komplette Absturz. Eine Strafe wegen Speeding unter Full Course Yellow warf Ticktum weit zurück. Vom Helden des Qualifyings blieb am Ende lediglich Rang 14 übrig.
Dabei zeigte das gesamte Wochenende erneut, wie brutal eng die aktuelle GEN3-Ära mittlerweile geworden ist. Teilweise liegen im Qualifying 15 Fahrer innerhalb weniger Zehntelsekunden. Fehler, kleine Strategieabweichungen oder ein schlecht getimter Attack Mode entscheiden inzwischen unmittelbar über Sieg oder Mittelfeld.
Auch wird man Möglichkeiten finden müssen, zuviel taktisches Geplänkel,, vor allem in den Qualifying zu minimieren. Einerseits liefert das komplexe Energie-Management hochspannende taktische Rennen. Andererseits wünschen sich viele Fahrer und Fans wieder stärker unmittelbares Racing und klar nachvollziehbare Qualifying-Sessions ohne taktische Spielchen.

Monaco funktionierte dabei fast wie ein Gegenpol zu Berlin. Der Stadtkurs zwang die Fahrer wieder stärker zu Präzision, direktem Zweikampf und maximalem Risiko entlang der Leitplanken. Genau das verlieh dem Wochenende jene besondere Intensität, die Monaco im Motorsport seit Jahrzehnten einzigartig macht.
Und diese Intensität war längst nicht nur auf der Strecke spürbar.
Denn natürlich verwandelte sich Monte Carlo auch diesmal wieder in ein internationales Motorsport-Schaufenster. Im Fahrerlager und entlang der Boxengasse gaben sich zahlreiche prominente Namen die Ehre. Flavio Briatore war ebenso vor Ort wie Carlos Sainz oder Nico Hülkenberg. Auch Christian Horner wurde im Paddock gesichtet und sorgte nach seiner Trennung von Red Bull naturgemäß für Gesprächsstoff.
Dazu kamen Hollywood-Star Idris Elba, Marathon-Legende Paula Radcliffe, Zehnkampf-Ikone Daley Thompson sowie Ex-Formel-1-Star David Coulthard, der sogar einige Demonstrationsrunden im neuen GEN4-Fahrzeug absolvierte.

Und genau dort liegt wahrscheinlich auch die eigentliche Botschaft dieses Wochenendes.
Die Formel E wird größer. Sichtbarer. Relevanter.
Mit den kommenden GEN4-Fahrzeugen, mehr Leistung, Allradantrieb und nochmals aggressiverer Performance steht die Serie vor dem nächsten großen Technologiesprung. Monaco zeigte dabei bereits jetzt, dass die Formel E sportlich längst dort angekommen ist, wo sie immer hinwollte: mitten im globalen Motorsport-Zentrum zwischen Technologie, Entertainment und Hochleistungs-Racing.
Fahrer-Weltmeisterschaft nach Monaco
| Pos | Fahrer | Punkte |
|---|---|---|
| 1 | Mitch Evans | 128 |
| 2 | Oliver Rowland | 109 |
| 3 | Edoardo Mortara | 103 |
| 4 | Pascal Wehrlein | 101 |
| 5 | Nico Müller | 81 |
| 6 | António Félix da Costa | 80 |
| 7 | Jake Dennis | 74 |
| 8 | Nick Cassidy | 71 |


























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