Der elektrische Hot-Hatch im VW-Konzern!
Als Luca de Meo 2018 die Sportabteilung CUPRA aus der klassischen SEAT-Welt herauslöste und als eigenständige Marke positionierte, wurde das in der Automobilindustrie durchaus aufmerksam verfolgt. Denn plötzlich ging es nicht mehr nur um sportlich ausgestattete Derivate innerhalb eines Großkonzerns, sondern um den Versuch, eine eigenständige Marke über Design, Emotionalität und Fahrdynamik aufzubauen. Genau dieser Ansatz verschaffte CUPRA innerhalb des Volkswagen-Konzerns rasch ein gewisses Alleinstellungsmerkmal. Während viele Hersteller zunehmend rationaler wurden, rückten bei CUPRA Charakter, Auftritt und Fahrgefühl wieder stärker in den Mittelpunkt.
Und genau diese Philosophie soll nun auch im kompakten Elektrosegment funktionieren.
Mit dem neuen CUPRA Raval bringt CUPRA nämlich kein klassisches Stadt-Elektroauto auf den Markt, sondern bewusst einen elektrisch angetriebenen Hot-Hatch. Ein Fahrzeug, das Emotionalität transportieren soll, obwohl genau diese Eigenschaft bei vielen Elektroautos zuletzt zunehmend verloren ging.

Beim internationalen Media Drive rund um Barcelona war daher schnell klar, welche Version ich fahren wollte. Natürlich die VZ-Topversion. 226 PS, 290 Nm Drehmoment, adaptives DCC-Fahrwerk, elektronische Differenzialsperre, 15 Millimeter Tieferlegung, eine um 10mm verbreiterte Spur und – ganz wichtig – Frontantrieb. Genau jene Zutaten also, die man klassischerweise mit sportlichen Kompaktfahrzeugen verbindet.
Bereits auf den ersten Kilometern durch Barcelona wirkt der Raval angenehm kompakt, übersichtlich und leichtfüßig. Richtig interessant wird es allerdings erst auf den engen, kurvenreichen Straßen im Hinterland der katalanischen Metropole. CUPRA-Modus aktivieren, das Fahrwerk spannt sich spürbar an und plötzlich versteht man relativ schnell, worauf die Entwickler hinaus wollten.
Der kompakte Fronttriebler lenkt überraschend präzise ein, folgt den Lenkbefehlen sehr direkt und lässt sich sauber positionieren. Gerade am Kurvenausgang arbeitet das elektronische Sperrdifferenzial spürbar mit und zieht den Raval sauber nach vorne, ohne dabei früh in massives Untersteuern zu kippen. Genau dort erinnert der Charakter tatsächlich wieder an klassische Hot-Hatches. Dazu passt auch die Kombination aus der 235/40-19-Bereifung und dem straff abgestimmten Fahrwerk, das fahrdynamisch durchaus noch etwas mehr Leistung vertragen würde.

Interessant dabei: Der Raval versucht gar nicht erst, seine Elektroplattform vollständig zu kaschieren. Vielmehr nutzt er deren Vorteile bewusst aus. Der tiefe Schwerpunkt sorgt für Stabilität, gleichzeitig wirkt das Fahrzeug spürbar agiler als viele größere Elektroautos. Vor allem aber vermittelt er etwas, das zuletzt selten geworden ist: ein echtes Gefühl von Leichtfüßigkeit.
Trotz der kompakten Außenlänge von nur 4,04 Metern bietet der Raval überraschend gute Platzverhältnisse. Der 2,60 Meter lange Radstand sorgt für ordentlichen Raum im Fond, dazu kommen 441 Liter Kofferraumvolumen. Der Innenraum wirkt klar fahrerorientiert, angenehm aufgeräumt und endlich wieder mit haptischen Lenkradtasten versehen. Danke dafür.
Diskutieren kann man hingegen durchaus über die teils sehr ausgeprägten Lichtinszenierungen und digitalen Effekte im Innenraum. Nicht alles davon wirkt zwingend notwendig, vermutlich will CUPRA damit aber bewusst jene jüngere Zielgruppe ansprechen, die klassische Cockpitwelten zunehmend langweilig findet.
Und genau darin liegt wahrscheinlich auch die eigentliche Stärke des Raval. Er will nicht primär vernünftig sein, kann es bei Bedarf aber trotzdem. Er vermittelt Fahrspaß, wirkt dynamisch und besitzt Charakter – Eigenschaften, die im aktuellen Elektroalltag oft verloren gegangen sind.

Interessant wird nun die Frage, wie sich der Markt entwickeln wird. Denn technisch teilt sich der Raval vieles mit den kommenden kompakten Elektrofahrzeugen des Volkswagen-Konzerns. Während ein elektrischer VW Polo vermutlich stärker über Rationalität und Alltag argumentieren wird, setzt CUPRA bewusst auf Emotionalität und Dynamik.
Preislich startet der Raval Base mit 115 PS und 37-kWh-Batterie inklusive möglicher Bonifikationen bei rund 21.400 Euro. Die getestete VZ-Topversion mit 52-kWh-Batterie und 226 PS liegt bei rund 30.900 Euro inklusive möglicher Förderungen. Dazwischen positionieren sich weitere Varianten mit 135 PS sowie eine zusätzliche Performance-Version knapp unterhalb des VZ.
In Summe bringt CUPRA mit dem Raval ein Elektroauto auf den Markt, das genau jene Werte transportieren soll, für die die Marke mittlerweile steht: Dynamik, Fahrfreude und Emotion. Und genau deshalb könnte der Raval deutlich wichtiger werden, als es seine kompakten Abmessungen zunächst vermuten lassen.
| Modell | CUPRA Raval VZ |
|---|---|
| Fahrzeugklasse | Elektrischer Kompaktwagen / B-Segment |
| Plattform | MEB+ |
| Antrieb | Frontantrieb |
| Leistung | 226 PS |
| Drehmoment | 290 Nm |
| Batterie | 52 kWh |
| Ladeleistung DC | bis 130 kW |
| Fahrwerk | Adaptives DCC-Fahrwerk |
| Tieferlegung | 15 mm |
| Spurverbreiterung | +10 mm |
| Differenzialsperre | Elektronisch |
| Bereifung Testwagen | 235/40 R19 |
| Länge | 4,04 m |
| Radstand | 2,60 m |
| Kofferraumvolumen | 441 Liter |
| Cockpit-Display | 12,9 Zoll |
| Infotainment | 13 Zoll |
| Basisversion | 115 PS / 37-kWh-Batterie |
| Weitere Varianten | Raval+, Endurance, VZ |
| Einstiegspreis Base | ab € 21.400* |
| Preis VZ | ab € 30.900* |
| Marktstart 52-kWh-Modelle | Sommer 2026 |
| Marktstart 37-kWh-Modelle | Herbst 2026 |
*inklusive möglicher Bonifikationen/Förderungen.

















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