Citroën bringt den 2CV zurück, Peugeot erinnert an seine Rallyelegenden, Fiat interpretiert den Multipla neu und Opel entdeckt den Kombi wieder. Auf der Pariser Motorshow 2026 zeigte Stellantis eine bemerkenswerte Vielfalt an Konzeptfahrzeugen. Unser Autoexperte Achim Mörtl war vor Ort und erlebte neben den Neuheiten auch eine spürbare Aufbruchsstimmung bei den Verantwortlichen der einzelnen Marken. Dahinter könnte eine strategische Neuausrichtung stehen, die für den gesamten Konzern von Bedeutung ist.
Die Pariser Motorshow 2026 lieferte einige bemerkenswerte Einblicke in die Zukunft der europäischen Automobilindustrie. Besonders interessant war dabei der Auftritt von Stellantis. Der Konzern, zu dem unter anderem Citroën, Peugeot, Fiat, Opel, Alfa Romeo und DS Automobiles gehören, präsentierte eine ganze Reihe von Konzeptfahrzeugen, die sich auffallend intensiv mit der eigenen Markengeschichte beschäftigen.
Dabei war auf den Messeständen und in den Gesprächen mit den Verantwortlichen der einzelnen Marken eine Aufbruchsstimmung zu spüren, die nach den schwierigen vergangenen Jahren durchaus sehr positiv zu sehen ist. Man hatte den Eindruck, dass die Marken wieder stärker ihren eigenen Charakter entwickeln und sich deutlicher voneinander unterscheiden wollen.
Die historischen Vorbilder dafür sind reichlich vorhanden. Stellantis verfügt schließlich über einige der traditionsreichsten Namen der europäischen Automobilgeschichte. Viele davon haben über Jahrzehnte Fahrzeuge hervorgebracht, die ganze Segmente geprägt haben und bis heute einen hohen Wiedererkennungswert besitzen.
Paris zeigte, wie sich dieses Erbe mit moderner Technik verbinden lässt. Die entscheidende Frage wird allerdings sein, wie viele dieser Ideen tatsächlich ihren Weg in die Serienproduktion finden.
Citroën 2CV: Die Rückkehr einer automobilen Ikone

Der wohl emotionalste Auftritt gelang Citroën. Mit dem neuen 2CV Concept greift die französische Marke eine der bekanntesten und erfolgreichsten Automobilideen ihrer Geschichte auf. Die ursprüngliche Ente wurde 1948 auf dem Pariser Automobilsalon vorgestellt. Ihre Entwicklung folgte einem ausgesprochen pragmatischen Auftrag: ein einfaches, preiswertes und robustes Auto für eine breite Bevölkerungsschicht zu schaffen. Die Konstruktion war auf schlechte Straßen, geringe Betriebskosten und hohe Alltagstauglichkeit ausgelegt. Gerade daraus entstand jener unverwechselbare Charakter, der den 2CV über Generationen hinweg zu einem Kultauto machte.
Die neue Studie übernimmt die wichtigsten gestalterischen Merkmale. Runde Scheinwerfer, ausgeprägte Kotflügel, die gewölbte Dachlinie und das charakteristische Stofffaltdach machen sofort deutlich, welches Auto hier Pate gestanden hat. Besonders gelungen sind die praktischen Details. Herausnehmbare Aufbewahrungskörbe und eine vordere Sitzbank, die sich auch außerhalb des Fahrzeugs verwenden lässt, greifen die ursprüngliche Philosophie auf. Hier wurde nicht einfach eine historische Karosserieform auf eine moderne Plattform gesetzt, sondern auch über die damaligen Nutzungsideen nachgedacht.
Mit der ebenfalls gezeigten 2CV Fourgonnette wird das Konzept um eine Nutzfahrzeugvariante erweitert. Schon die historische Kastenente war für Handwerker, Lieferdienste und kleinere Unternehmen ein ausgesprochen praktisches Arbeitsgerät.
Gerade für Citroën könnte diese Rückbesinnung eine wichtige Rolle spielen. Die Marke stand über Jahrzehnte für eigenständige technische Lösungen, außergewöhnlichen Komfort und eine oft mutige Formgebung. Ein moderner, erschwinglicher 2CV würde hervorragend in diese Tradition passen.

Peugeot E-T16: Die Rallyegeschichte lebt weiter
Peugeot wählte für seine spektakulärste Studie einen anderen Zugang zur eigenen Geschichte. Das E-T16 Concept erinnert an den legendären Peugeot 205 Turbo 16, mit dem die französische Marke in den 1980er-Jahren die Rallye-Weltmeisterschaft dominierte.
Der historische 205 T16 war eines der erfolgreichsten Fahrzeuge der Gruppe-B-Ära. Peugeot gewann damit 1985 und 1986 sowohl die Fahrer- als auch die Herstellerweltmeisterschaft. Mit Timo Salonen und Juha Kankkunen standen zwei Fahrer am Steuer, die den Erfolg dieser außergewöhnlichen Konstruktion maßgeblich prägten.
Technisch hatte der damalige Wettbewerbswagen mit dem serienmäßigen Peugeot 205 nur wenig gemeinsam. Mittelmotor, Allradantrieb und eine kompromisslos auf den Wettbewerb ausgelegte Konstruktion machten ihn zu einem der leistungsfähigsten Rallyeautos seiner Zeit.
Die elektrische Neuinterpretation greift diese Geschichte auf und übersetzt sie in eine moderne Hochleistungsstudie. Mit einer angegebenen Leistung von 816 PS unterstreicht Peugeot, dass sich die Faszination eines solchen Fahrzeugs nicht zwangsläufig aus einem Verbrennungsmotor ergeben muss.
Gerade aus fahrdynamischer Sicht ist dieser Ansatz interessant. Entscheidend für ein außergewöhnliches Fahrerlebnis sind die Präzision der Lenkung, die Rückmeldung des Fahrwerks, die Balance des Fahrzeugs und die Art, wie sich Leistung auf die Straße übertragen lässt.
Peugeot RCZ Vision: Ein Coupé mit Perspektive
Neben dem E-T16 sorgte der RCZ Vision für Aufmerksamkeit. Schon der ursprüngliche Peugeot RCZ, der ab 2010 produziert wurde, gehörte mit seinem charakteristischen Dach und seiner eigenständigen Linienführung zu den interessantesten Coupés seiner Klasse.
Die neue Studie greift diesen Gedanken auf und verbindet ihn mit einer deutlich futuristischeren Formgebung. Mit 500 PS, einer angekündigten Feststoffbatterie und 1.000-Volt-Technologie demonstriert Peugeot auch technologische Ambitionen.
Ob daraus tatsächlich ein Serienfahrzeug entstehen wird, bleibt abzuwarten, eine verwendbare Form die sich auch umsetzen Liese hätte er ja schon. Für Peugeot wäre ein eigenständiges sportliches Coupé jedenfalls eine interessante Ergänzung zum bestehenden Modellprogramm. Die Marke hat über Jahrzehnte bewiesen, dass sie neben praktischen Alltagsautos auch ausgesprochen attraktive und fahrdynamisch überzeugende Fahrzeuge entwickeln kann.

Fiat Multiplay: Eine alte Idee neu interpretiert
Auch Fiat beschäftigte sich in Paris intensiv mit der eigenen Vergangenheit. Der Multiplay greift die Grundidee des 1998 vorgestellten Multipla auf, der damals mit seiner ungewöhnlichen Karosserieform und dem außergewöhnlichen Raumkonzept für reichlich Diskussionen sorgte, auch optisch und designtechnisch bedingt.
Der ursprüngliche Multipla war mit seinen sechs Sitzplätzen in zwei Reihen zu je drei Sitzen vor allem eines: konsequent auf die Bedürfnisse seiner Insassen ausgelegt. Die ungewöhnliche Breite und die eigenwillige Gestaltung waren unmittelbare Folgen dieser Philosophie.
Mit dem neuen Multiplay denkt Fiat diese Idee weiter. Die 4,45 Meter lange Studie verbindet Eigenschaften eines Vans, eines SUV und eines Pick-ups. Eine verschiebbare hintere Karosseriestruktur ermöglicht den Wechsel zwischen einer geschlossenen Familienkonfiguration mit sechs regulären Sitzen und einem zusätzlichen flexiblen Sitz sowie einer offenen Pick-up-Variante mit vier Sitzplätzen.
Selbst der Heckspoiler erfüllt eine praktische Funktion und lässt sich in einen Fahrradträger für zwei Fahrräder verwandeln.
Das ist eine interessante Antwort auf eine Entwicklung, bei der viele moderne Automobile zwar immer größer werden, ihre tatsächliche Variabilität aber nicht im gleichen Maß zunimmt.
Fiat versteht den Multiplay ausdrücklich als Experimentierfeld und nicht als unmittelbare Ankündigung eines Serienmodells. Dennoch wäre gerade diese Form der Vielseitigkeit für viele Familien und Freizeitnutzer eine durchaus interessante Alternative zum klassischen SUV.

Opel STX Concept: Hat der klassische Kombi wieder Zukunft?
Eine der für mich besonders interessanten Studien war der Opel STX Concept. Die deutsche Stellantis-Marke widmet sich damit einer Fahrzeugkategorie, die über Jahrzehnte zu den wichtigsten Säulen des europäischen Automobilmarktes gehörte: dem Kombi.
Gerade Opel besitzt hier eine lange Tradition. Vom Rekord Caravan über den Omega Caravan bis zu den verschiedenen Astra- und Insignia-Generationen gehörten praktische, geräumige Kombis fest zum Modellprogramm.
Mit dem STX Concept zeigt Opel eine ausgesprochen moderne Interpretation dieses Karosseriekonzepts. Die lange Dachlinie, das flach auslaufende Heck und die klar gezeichneten Flächen ergeben ein Fahrzeug, das sowohl sportliche als auch praktische Ansprüche vermitteln soll.
Die neue Interpretation des Opel Vizor und die weiterentwickelte Lichtsignatur geben zugleich einen Ausblick auf die zukünftige Designsprache der Marke. Opel bestätigt ausdrücklich, dass einzelne Gestaltungselemente in spätere Serienfahrzeuge übernommen werden sollen, vor allem schon mal im neuen Opel Astra Kombi!
Für den europäischen Markt ist das durchaus interessant. Während SUV-Modelle mittlerweile einen erheblichen Teil des Angebots bestimmen, besitzen klassische Kombis weiterhin konstruktive Vorteile. Eine vergleichsweise niedrige Karosserie kann sich positiv auf Aerodynamik, Energieverbrauch und Fahrverhalten auswirken.
Gerade bei Elektroautos könnte diese Fahrzeugkategorie deshalb wieder an Bedeutung gewinnen.

DS F3VER: Eine eigenständige Identität für die französische Premiummarke
DS Automobiles steht innerhalb des Stellantis-Konzerns vor einer besonderen Herausforderung. Die Marke möchte sich im Premiumsegment etablieren, muss dafür aber eine unverwechselbare Identität entwickeln, die über hochwertige Materialien und eine umfangreiche Ausstattung hinausgeht.
Mit dem F3VER Concept präsentierte DS in Paris eine Studie, die genau diesen Anspruch aufgreift. Im Mittelpunkt stehen eine eigenständige Formgebung, vielfältige Möglichkeiten zur Individualisierung und ein variables Nutzungskonzept. Die Studie soll zeigen, wie sich die französische Vorstellung von Luxus und Gestaltung in ein zeitgemäßes Automobil übertragen lässt.
Für DS wird entscheidend sein, daraus eine dauerhaft erkennbare Designsprache zu entwickeln. Im Premiumsegment spielen Markenimage, Wiedererkennungswert und die langfristige Entwicklung einer Modellfamilie eine besonders wichtige Rolle.
Parallel dazu zeigte DS mit dem neuen N°7 auch ein konkretes Serienfahrzeug, das mit Hybrid- und Elektroantrieben angeboten wird. Für die elektrische Version nennt der Hersteller eine Reichweite von bis zu 740 Kilometern.

Alfa Romeo Cuorerosso: Eine Erinnerung an die eigene Stärke
Einen der schönsten Entwürfe der gesamten Messe stellte für mich Alfa Romeo mit dem Cuorerosso aus. Die italienische Marke verfügt über eine außergewöhnliche Designgeschichte. Fahrzeuge wie die Giulia Sprint GTA, der Montreal, der Spider oder auch der jüngst vorgestellte 33 Stradale zeigen, wie eng sportliche Technik und automobile Gestaltung bei Alfa Romeo seit Jahrzehnten miteinander verbunden sind.
Der Cuorerosso greift diese Tradition auf. Seine flache, breite Karosserie, die ausgeprägten Proportionen und die eigenständige Gestaltung von Front und Heck ergeben einen Sportwagen, der die historische Identität der Marke ausgesprochen überzeugend interpretiert.
Technisch skizziert Alfa Romeo unter anderem einen 2,9-Liter-V6 mit Vollhybridisierung und Q4-Allradantrieb als mögliche Hochleistungskonfiguration.
Gerade dieses Konzept macht deutlich, dass sich die künftige Markenidentität nicht ausschließlich über eine bestimmte Antriebsart definieren muss.
Für Alfa Romeo wäre es jedenfalls wünschenswert, wenn sich die gestalterische Qualität solcher Studien künftig auch stärker im regulären Modellprogramm wiederfinden würde.

Stellantis: Die wirtschaftliche Bedeutung der eigenen Markengeschichte
Hinter den vielen spektakulären Konzeptfahrzeugen steckt eine wesentlich größere strategische Frage.
Stellantis vereint unter seinem Dach eine außergewöhnliche Anzahl historisch gewachsener Automobilmarken. Diese Vielfalt ist wirtschaftlich anspruchsvoll, eröffnet dem Konzern aber auch Möglichkeiten, über die viele jüngere Wettbewerber nicht verfügen.
Gemeinsame Fahrzeugarchitekturen, Antriebssysteme, Batterietechnologien und elektronische Komponenten ermöglichen Skaleneffekte. Gerade angesichts des zunehmenden internationalen Wettbewerbs und des hohen Investitionsbedarfs bei der Elektromobilität ist diese technische Zusammenarbeit von entscheidender Bedeutung. Allerdings besteht bei einer weitreichenden technischen Vereinheitlichung auch die Gefahr, dass sich die einzelnen Marken in ihren Produkten immer stärker angleichen.
Genau hier kommt die Markengeschichte ins Spiel. Ein Citroën muss andere Erwartungen erfüllen als ein Peugeot. Ein Fiat hat andere historische Stärken als ein Opel. Und Alfa Romeo oder DS müssen ihre Eigenständigkeit gerade deshalb besonders konsequent entwickeln, weil sie sich in anspruchsvollen Marktsegmenten behaupten wollen.
Der Auftritt in Paris lässt erkennen, dass Stellantis diese Differenzierung wieder stärker in den Mittelpunkt rücken möchte. Dazu passt auch die personelle Präsenz des Konzerns. Stellantis-CEO Antonio Filosa, Europachef Emanuele Cappellano und die Designverantwortlichen nutzten die Messe, um die neue Ausrichtung zu unterstreichen. Im Rahmen der Strategie FaSTLAne 2030 plant Stellantis bis zum Ende des Jahrzehnts mehr als 50 neue Produkte.
Die auf den Messeständen spürbare Aufbruchsstimmung war deshalb durchaus nachvollziehbar. Nach Jahren der Diskussionen über Kosten, Modellpolitik und die Positionierung einzelner Marken scheint die eigenständige Produktidentität wieder deutlich mehr Gewicht zu bekommen.
Dabei könnte gerade der wachsende Wettbewerb durch chinesische Hersteller eine wichtige Rolle spielen. Viele neue Anbieter verfügen über moderne Elektroplattformen, hohe Entwicklungsgeschwindigkeit und eine zunehmend überzeugende technische Ausstattung.
Die europäischen Traditionsmarken besitzen dagegen einen Vorteil, der sich nicht kurzfristig aufbauen lässt: jahrzehntelang gewachsene Markenidentitäten und Modelle, die teilweise über Generationen hinweg das Bild einer Marke geprägt haben.
Diese Geschichte allein verkauft allerdings noch kein neues Auto. Sie kann nur dann wirtschaftlich wirksam werden, wenn sie sich in überzeugenden Produkten, angemessenen Preisen und einer klaren Positionierung widerspiegelt.
Fazit: Paris hat überzeugt. Jetzt ist die Serienproduktion gefragt.
Für mich gehörte Stellantis zu den interessantesten Ausstellern der Pariser Motorshow 2026. Nicht allein wegen der großen Anzahl neuer Fahrzeuge, sondern vor allem wegen der unterschiedlichen Ideen, die hinter den einzelnen Studien stehen.
Die neue Ente könnte Citroën wieder stärker mit jenen Eigenschaften verbinden, die die Marke einst groß gemacht haben. Peugeot demonstriert mit E-T16 und RCZ Vision sportliche Ambitionen. Fiat beschäftigt sich mit praktischer Variabilität, Opel mit der Zukunft des Kombis, DS mit seiner Premiumidentität und Alfa Romeo mit seiner außergewöhnlichen Designgeschichte.
Dabei war besonders bemerkenswert, wie viel Zuversicht und Gestaltungswillen auf den einzelnen Messeständen zu spüren waren.
Ob daraus bereits eine nachhaltige Trendwende für Stellantis entsteht, lässt sich zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht beurteilen. Dafür werden die kommenden Serienmodelle, ihre Qualität, ihre Preise und letztlich ihre Akzeptanz bei den Kunden entscheidend sein.
Die Ausgangslage ist jedenfalls interessant. Stellantis verfügt über die technischen Ressourcen eines großen internationalen Konzerns und gleichzeitig über eine Vielfalt traditionsreicher Marken, deren Geschichte bis heute einen erheblichen Wert besitzt.
Gemeinsame Technik schafft Skaleneffekte. Eigenständige Markenidentitäten schaffen Begehrlichkeit und Kaufanreize.
Paris hat gezeigt, dass Stellantis diese Möglichkeiten wieder stärker nutzen möchte.
Jetzt müssen daraus die richtigen Autos entstehen. Denn über den Erfolg der neuen Ausrichtung wird letztlich nicht auf den Messeständen entschieden, sondern bei den Händlern und auf unseren Straßen.




























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