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Renault auf der Pariser Motorshow: Die Klassiker kehren zurück. Und der Van?

Unser Autoexperte Achim Mörtl war auf Einladung von Renault Österreich auf der Pariser Motor Show. Die Renault Group zeigt dort, wie sich ihre Geschichte für neue Fahrzeuge nutzen lässt. Neben dem Renault 8 Gordini Concept und der Alpine A310 Studie verdient vor allem das elektrische E-Space Concept Aufmerksamkeit. Es greift eine Idee auf, die im heutigen Angebot vieler Hersteller fehlt.

Renault hat ein Gespür für die eigenen Klassiker entwickelt. Der Renault 5, der Renault 4 und der Twingo besitzen Formen, die über Jahrzehnte im Gedächtnis geblieben sind. Ihre Neuinterpretationen nutzen diese Vertrautheit und geben ihr eine zeitgemäße Gestaltung, erinnern an die Heritage und sind doch modern. Für eine Marke mit einer langen Geschichte ist das eine wertvolle Fähigkeit, auf die speziell in der heutigen Transformation zu oft und von zu vielen vergessen wurde.

Auf der Pariser Motor Show setzt die Renault Group diesen Weg, der eben mit dem Renault 5 e-Tech begonnen wurde, konsequent fort. Das Renault 8 Gordini Concept und die Alpine A310 Studie greifen dabei ihre sportliche Vergangenheit auf, das E-Space Concept beschäftigt sich mit dem Familienauto und mit einem Segment, das von Renault selbst mit dem Ur-Espace im Grunde neu erfunden wurde. Alle drei Entwürfe zeigen, dass sich aus dem historischen Bestand erheblich mehr gewinnen lässt als ein bekannter Name auf einer neuen Karosserie.

Für Achim Mörtl ist der Blick auf Gordini und Alpine auch persönlich geprägt. Beide gehörten zu jenen Fahrzeugen, die seine Begeisterung für den Rallyesport schon in der Kindheit weckten. Entsprechend genau schaut unser Autoexperte hin, wenn diese Modelle wieder aufgegriffen werden. Sein Urteil nach dem Besuch in Paris fällt klar aus: Die gestalterische Umsetzung ist ausgesprochen gelungen. Beim E-Space kommt eine Frage hinzu, die weit über das Design hinausgeht: Gibt es wieder einen Markt für einen konsequent entwickelten Van?

Gordini: Ein Name aus dem Wettbewerb

Das Renault 8 Gordini Concept ist 4,12 Meter lang, 1,88 Meter breit und nur 1,27 Meter hoch. Die viertürige Limousine von einst wurde gegen ein zweisitziges Coupé eingetauscht, der Elektromotor mit 270 PS treibt die Hinterräder an. Kantige Radhäuser, runde Frontleuchten und die beiden weißen Streifen auf blauem Lack stellen die Verbindung zum Original her.

Die niedrige Karosserie und das kräftig ausgeformte Heck geben dem Entwurf einen eigenständigen Charakter und erinnern dennoch an den ursprünglichen Gordini. Vorne stehen 19 Zoll große Räder, hinten 20 Zoll. Sechs runde Leuchten bestimmen die Front, die Rückleuchten schließen bündig mit der Karosserie ab, und auch dort taucht das Motiv der Doppelstreifen wieder auf.

Im Cockpit sitzen runde digitale Anzeigen auf einem horizontalen Band aus gebürstetem Aluminium, die blauen Cord Elemente in den Schalensitzen, Alcantara und die reduzierte Gestaltung passen fast perfekt zum sportlichen Anspruch und Purismus des Ur-Modells. Renault hat sich mit den Details beschäftigt, ohne den Entwurf mit historischen Zitaten zu überladen.

Und dann wäre da der Name, ein Name der verpflichtet. Amédée Gordini machte 1964 aus dem Renault 8 mit Heckmotor und Hinterradantrieb ein ernsthaftes Sportgerät. Jean Vinatier gewann damit noch im selben Jahr die Tour de Corse, Pierre Orsini und Jean François Piot holten 1965 und 1966 zwei weitere Siege auf Korsika.

1966 folgte die Version mit 1.255 Kubikzentimetern und Fünfganggetriebe. Im selben Jahr begann der Coupe Gordini, der jungen Fahrern einen erschwinglichen Einstieg in den Wettbewerb ermöglichte, wo sich unter anderem kein Geringerer als Jean Ragnotti mit anderen jungen Fahrern matchte. Der Gordini verband das Straßenauto mit einem Motorsport, an dem Besitzer selbst teilnehmen konnten.

Beim neuen Concept bleibt vorerst offen, wie viel von diesem Anspruch fahrdynamisch eingelöst wird. Renault hat keine Angaben zu Gewicht, Batterie oder Fahrleistungen veröffentlicht. Eine Serienversion ist ebenfalls nicht angekündigt. Der Wagen soll später in die Renault Collections in Flins aufgenommen werden. Für Achim ein bedauerlicher Endpunkt, denn dieser Entwurf macht Lust darauf, ihn zu fahren, macht Lust auf Elektromobilität.

Alpine A310: Die Form bleibt im Gedächtnis

Auch die Alpine A310 Studie lebt von einer klar erkennbaren Herkunft. Die flache Front, das breite Heck und die charakteristische Linienführung greifen das historische Modell auf. Die Proportionen wurden natürlich neu ausgearbeitet und vor allem aerodynamisch optimiert, die Identität bleibt erhalten.

Die ursprüngliche A310 kam 1971 auf den Markt, zunächst mit einem Vierzylinder und ab 1976 auch mit einem V6. Heckmotor und Hinterradantrieb bestimmten ihr technisches Konzept. Ihre kantige Karosserie gab Alpine damals eine neue gestalterische Richtung.

Die heutige Studie zeigt, wie tragfähig und dynamisch diese Form noch immer wirkt. Flach, breit und bullig und bereits von Weitem erinnert man sich auch hier an das Ur-Modell. Für eine Sportwagenmarke besitzt das besondere Bedeutung, muss eine Alpine bereits im Stand als Alpine erkennbar sein. In Paris gelingt das über die Karosserie und Formsprache selbst.

E-Space: Die wichtige Frage nach dem Familienauto

Die größte Bedeutung für den Alltag könnte jedoch das E-Space Concept haben. Renault kehrt damit zu jener Grundidee zurück, die den ersten Espace von 1984 auszeichnete: ein großzügiger, heller und variabler Innenraum für Familien und gemeinsame Reisen, dazu ausreichend Platz für diverse Spielzeuge für Sport und Outdoor.

Der ursprüngliche Espace etablierte den Van in Europa maßgeblich, oder noch präziser ausgedrückt, schaffte Renault mit dem Espace ein neues Segment. Seine weit nach vorne gezogene Fahrgastzelle, große Fenster und flexibel nutzbare Sitze machten den verfügbaren Raum zum entscheidenden Kaufargument. Heute ist dieses Fahrzeugkonzept in den Modellpaletten vieler Hersteller kaum noch vertreten oder wurde gegen einen SUV eingetauscht.

Das elektrische E-Space Concept misst 4,70 Meter in der Länge, 2,02 Meter in der Breite und 1,67 Meter in der Höhe. Die niedrige Gürtellinie, große Seitenfenster und das Glasdach bestimmen den Auftritt, die Windschutzscheibe setzt die Linie der Motorhaube fort und greift damit ein charakteristisches Merkmal des ersten Espace auf.

Im Innenraum stehen sechs Einzelsitze auf einem ebenen Boden. Die zweite Reihe lässt sich um 180 Grad drehen, sodass die Passagiere der beiden hinteren Reihen einander gegenübersitzen können. Klapptische und eine verschiebbare Mittelkonsole erweitern die Nutzungsmöglichkeiten. Gegenläufig öffnende Türen ohne B-Säule erleichtern beim Konzeptfahrzeug den Zugang.

Einige dieser Lösungen sind bewusst für eine Studie ausgelegt. Ihr Nutzen in einem Serienauto müsste sich an Sicherheitsanforderungen, Gewicht, Kosten und Alltagstauglichkeit messen lassen. Die grundsätzliche Idee bleibt dennoch überzeugend: Renault entwickelt das Auto aus dem Raumbedarf seiner Insassen.

Technisch zeigt die Studie unter anderem eine Lenkung ohne mechanische Verbindung zwischen Lenkrad und Lenkgetriebe. Das 1,13 Meter breite OpenR Panorama erstreckt sich nahezu über das gesamte Cockpit. Es wird über separate berührungsempfindliche Bedienflächen am Lenkradträger gesteuert. Renault kündigt das Panoramadisplay für kommende Generationen von Rafale und Scenic bereits an.

Zu Batterie, Leistung und Reichweite des E-Space nennt die vorliegende Presseinformation keine Daten. Auch eine Serienfertigung ist bislang nicht bestätigt.

Was folgt aus dem Interesse?

Für Achim Mörtl ist der E-Space deshalb der interessanteste Prüfstein des Messeauftritts. Ein elektrischer Van könnte Familien ansprechen, die Platz und Variabilität suchen. Ob daraus ein wirtschaftlich tragfähiges Modell wird, hängt jedoch von konkreten Bedingungen ab: Preis, Reichweite, Ladeleistung und dem Raumangebot bei vollständig besetztem Fahrzeug.

Die Messe bietet Renault eine Gelegenheit, erste Reaktionen einzuholen. Für eine Entscheidung über die Serie braucht es anschließend belastbare Erkenntnisse über Käufer, Märkte und mögliche Stückzahlen. Zustimmung am Messestand ist ein Anfang. Kaufbereitschaft muss sich erst zeigen.

Renault macht in Paris aus Mörtls Sicht viel richtig. Die Gruppe interpretiert ihre Klassiker mit gestalterischer Sicherheit und nutzt den E-Space, um eine vernachlässigte Fahrzeugidee wieder zur Diskussion zu stellen. Gerade darin liegt die Bedeutung dieses Concept Cars. Ein Familienauto mit viel Platz, guter Übersicht und einem variablen Innenraum hätte auch heute eine konkrete Aufgabe. Renault sollte prüfen, wie daraus wieder ein Angebot werden kann.

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