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Renault E-Space Concept: Kommt endlich der Espace zurück?

Renault greift auf dem Pariser Automobilsalon die Idee seines großen Familienvans wieder auf. Noch ist der E-Space eine elektrische Studie. Für ein Serienmodell mit den Qualitäten des Originals gäbe es aber durchaus gute Gründe.

Wer heute ein Familienauto sucht, muss sich erstaunlich oft mit Kompromissen beim Platzangebot abfinden. Selbst außen stattliche Abmessungen garantieren weder drei bequem nutzbare Plätze in der zweiten Reihe noch einen ausreichend großen Kofferraum bei voller Besetzung, dafür aber SUV. Für Kinderwagen, Sportausrüstung und Urlaubsgepäck braucht es allerdings ziemlich konkrete Lösungen. Renault hatte dafür schon 1984 ein überzeugendes Konzept: den Espace und der wurde nicht nur über Jahrzehnte hinweg ein Erfolg sondern markierte auch ein komplett neues Segment.

Mit dem E-Space Concept will die Marke nun ausdrücklich an dessen ursprüngliche Idee anknüpfen. Die Weltpremiere ist für den 12. Oktober auf dem Pariser Automobilsalon angekündigt und Renault spricht von einer Vision für vollelektrische Familienmobilität und nennt eine Länge von 4,70 Metern. Das lässt aufhorchen, vielleicht auch ein wenig hoffen, denn ein modernes Auto, das seine Grundfläche konsequent für die Menschen an Bord nutzt, würde das Angebot an Mobilität bereichern als auch erweitern.

Die Frage liegt damit auf der Hand: Bringt Renault endlich wieder einen Espace, der diesen Namen auch durch sein Raumkonzept verdient?

Der Name selbst war nie verschwunden. Doch die 2023 vorgestellte sechste Generation trat ausdrücklich als SUV mit fünf oder sieben Sitzen an. Damit hatte sich der Espace weit von jener eigenständigen Fahrzeugidee entfernt, mit der Renault die Baureihe einst begründet hatte. Hat meiner in den ersten Genrationen kein Problem gehabt Räder, ausreichend Gepäck und sonstige Sportutensilien mitzunehmen, war dies zu Beginn der 20er kaum mehr möglich. Die neue Studie eröffnet nun zumindest die Möglichkeit, diese Entwicklung zu überdenken, und vielleicht wartet man auch auf die Reaktion einer möglichen Käuferschicht ab?!

1984 war der Espace ein ungewöhnliches Auto. Entstanden aus einem Projekt von Matra, brachte er einen großzügigen, wandelbaren Innenraum in eine für europäische Verhältnisse neue Karosserieform. Einzelne Sitze ließen sich herausnehmen und die Bestuhlung lies sich an den jeweiligen Bedarf anpassen. Die hohe Sitzposition und die große Verglasung gehörten ebenso zum Konzept wie der Anspruch, sich mit dem Komfort eines Personenwagens fortzubewegen.

Der Anfang verlief zögerlich. Renault verzeichnete im ersten Verkaufsmonat lediglich neun Bestellungen. Die ungewohnte Form musste sich erst durchsetzen. Dann erkannten die Käufer den Nutzen. Von der ersten Generation entstanden bis zum Modellwechsel 1991 insgesamt 191.674 Exemplare. Aus dem Wagnis wurde eine etablierte Baureihe.

Der Espace bot Familien eine Freiheit, die sich im Alltag unmittelbar bemerkbar machte. Die Zahl der benötigten Sitze bestimmte, wie viel Platz für Gepäck blieb. Ein Wochenende mit Sportausrüstung stellte andere Anforderungen als die Fahrt mit mehreren Kindern. Das Auto ließ sich darauf einstellen. Genau diese Wandelbarkeit machte seinen Reiz aus.

An solchen Bedürfnissen hat sich wenig geändert. Wer mehrere Kinder hat, benötigt vernünftig zugängliche Sitzplätze. Wer gemeinsam verreist, braucht Raum für Personen und Gepäck zugleich und wer ein Auto viele Jahre nutzt, weiß eine Innenraumgestaltung zu schätzen, die unterschiedliche Lebensphasen mitmacht.

Ein zeitgemäßer Espace könnte deshalb wieder eine klar umrissene Käuferschicht ansprechen: Familien mit erhöhtem Platzbedarf, Menschen mit umfangreicher Freizeitausrüstung und Vielfahrer, die einen komfortablen Reisewagen suchen. Dafür müsste Renault die alte Idee mit heutigen Anforderungen verbinden. Gute Sitze, ein variabler Innenraum und brauchbare Ablagen wären ebenso entscheidend wie Übersichtlichkeit, einfache Bedienung und ein vernünftiger Preis. Mit einer tief verbauten Batterie und der angegebenen Länge wäre im Grunde die Möglichkeit durchaus gegeben.

Bislang verrät Renault allerdings wenig darüber, wie die Studie diese Aufgaben lösen soll. Bekannt sind die Länge von 4,70 Metern, die dunkle Lackierung namens „Black Rubé“ und eine U-förmige Lichtleiste an Front und Heck. Vorn sitzt eine beleuchtete Renault Raute. Angaben zur Sitzanzahl, zur Variabilität, zum Gepäckraum oder zur konkreten Antriebstechnik fehlen in der vorliegenden Ankündigung. Auch einen Termin für ein mögliches Serienmodell nennt der Hersteller nicht.

Gerade der Innenraum wird zeigen, wie ernst Renault die Rückbesinnung meint. Eine großzügige Gestaltung auf Messebildern genügt dafür nicht. Entscheidend wären nutzbare Breite, ausreichend Fußraum, ein bequemer Einstieg und die Möglichkeit, den verfügbaren Platz mit wenigen Handgriffen neu aufzuteilen. An solchen Eigenschaften müsste sich ein künftiger Espace messen lassen.

Der elektrische Antrieb bietet dafür konstruktive Möglichkeiten. Eine darauf ausgelegte Fahrzeugarchitektur kann den Raum zwischen den Achsen großzügig nutzen. Zugleich beansprucht eine Batterie im Unterboden Höhe. Wie gut Sitzposition, Kopffreiheit und Fußraum zusammenpassen, hängt deshalb von der gesamten Auslegung ab. Auch ein elektrischer Familienvan braucht sorgfältige Entwicklungsarbeit.

Als Reisewagen müsste er zudem mit voller Besetzung und Gepäck überzeugen. Reichweite unter diesen Bedingungen, verlässliche Ladezeiten und ausreichende Zuladung wären für seine Käufer wesentlich. Ein Familienurlaub zeigt ziemlich schnell, ob die technischen Daten zum tatsächlichen Einsatz passen.

Renault kündigt für Paris parallel die schrittweise Einführung von Lithium Eisenphosphat Batterien im gesamten Elektroportfolio an. Das erklärte Ziel ist ein günstigeres Verhältnis zwischen Preis und Reichweite. Welche Batterie ein möglicher Serien Espace erhalten könnte, ist damit noch nicht beantwortet, denkt aber laut gibt es ja bereits eine 800V-Architektur im neuen Trafic, und damit wären Ladezeiten schon mal deutlich attraktiver. Die wirtschaftliche Richtung wäre für ein Familienauto aber relevant: Sein Nutzen muss für die angesprochene Käuferschicht auch bezahlbar sein.

Ob daraus ein Verkaufserfolg entstehen würde, lässt sich aus einer Konzeptankündigung nicht ableiten. Es gibt aber einen nachvollziehbaren Grund, dieses Auto zu bauen. Der Bedarf an großzügigen, variablen Familienwagen besteht weiterhin, der Markt ist mit unzähligen SUV´s gesättigt und die Käuferschicht wäre wohl schnell gefunden. Ein überzeugendes Angebot könnte auch Käufer erreichen, denen bei der heutigen Suche nach einem Neuwagen genau diese Konsequenz im Raumkonzept fehlt.

Renault hat mit dem Espace bereits einmal gezeigt, dass sich eine eigenständige Idee durchsetzen kann, wenn ihr Nutzen überzeugt. Mit dem E-Space Concept greift die Marke diese Aufgabe wieder auf. Jetzt wäre der nächste Schritt gefragt: ein Serienauto, bei dem sich die Rückkehr des Espace beim Einsteigen, Beladen und Reisen tatsächlich erleben lässt.

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