MOTORWELT

Opel bringt seine Rennfarben in die Formel E

Mit dem GSE 27FE startet Opel in seine erste Formel E Saison. Schwarz, Silber und Gelb greifen die Motorsportgeschichte der Marke auf. In Paris steht der neue Rennwagen im Zuge der Pariser Motorshow gemeinsam mit dem Corsa GSE für die elektrische Sportlichkeit aus Rüsselsheim.

Gelb und Schwarz, ein Kadett GT/E, quer durch eine Rallyekurve: Für viele Motorsportfans sind diese Farben bis heute eng mit Opel verbunden. Die Marke hat ihren sportlichen Ruf auf den Sonderprüfungen geprägt, vom Ascona A bis zum Weltmeisterauto Ascona 400. Nun greift Opel diese vertraute Farbwelt für seinen Einstieg in die Formel E auf und verbindet sie mit der elektrischen Zukunft seiner GSE Modelle.

Am 12. Oktober zeigt Opel auf dem Pariser Automobilsalon das finale Renndesign des GSE 27FE. Gemeinsam mit den Werksfahrern Mitch Evans und Théo Pourchaire präsentiert die Marke den GEN4 Rennwagen in Schwarz, Silber und Gelb. Mit diesem Auftritt startet das neue Werksteam im Dezember in seine erste Saison der elektrischen Weltmeisterschaft.

Opel Ascona A, Röhrl/Berger, Rallye-Europameister 1974

Der historische Bezug ist besonders beim Kadett C GT/E deutlich. Das 1975 vorgestellte Coupé trug oberhalb der Gürtellinie Gelb, darunter Schwarz. Die markante Zweifarblackierung machte den sportlichen Kadett schon aus der Entfernung erkennbar. Sein Einspritzmotor, der Hinterradantrieb und die kompakte Karosserie boten zugleich eine geeignete Grundlage für den Rallyesport. Das Wettbewerbsauto blieb in seiner Herkunft eng mit jenem Modell verbunden, das beim Opel Händler stand. 

Opel hatte sich damals bereits international einen Namen gemacht. 1974 gewannen Walter Röhrl und Jochen Berger mit dem Ascona A die Rallye Europameisterschaft. 1982 folgte mit dem Ascona 400 der Weltmeistertitel für Röhrl und Christian Geistdörfer. Der Ascona wurde damit zum letzten heckgetriebenen Fahrzeug, mit dem die Fahrerweltmeisterschaft im Rallyesport gewonnen wurde. 

An diese Geschichte knüpft Opel nun mit seinem elektrischen Motorsportprogramm an. GSE soll den sportlichen Anspruch der Marke im Wettbewerb und auf der Straße bündeln. Der Einstieg in die Formel E fällt dabei mit dem Beginn der neuen GEN4 Ära zusammen. Opel nutzt den Generationswechsel, um sich erstmals als Werksteam in der Meisterschaft zu positionieren.

Das finale Design des GSE 27FE entwickelt den bisherigen Auftritt des Testfahrzeugs weiter. Entworfen wurde es vom Global Brand Design Team in Rüsselsheim. Drei große Farbblöcke gliedern die Karosserie, betonen ihre Proportionen und sollen den Opel in der Boxengasse ebenso unverwechselbar machen wie bei Renntempo oder in der Fernsehübertragung.

Neu hinzu kommt ein metallisch silbernes Band entlang der Fahrzeugmitte. Es bildet die optische Achse des Rennwagens und ergänzt die schwarzen Carbonflächen sowie das kräftige GSE Gelb. Die historischen Farben werden dabei auf die Form des modernen Formelwagens übertragen. Opel übernimmt keine einzelne Lackierung aus seiner Vergangenheit, sondern entwickelt daraus ein aktuelles Erscheinungsbild.

Die sogenannten Lightspeed Stripes geben diesem Design seine dynamische Struktur. Ihre pixelartig aufgelösten Linien sollen den Fluss von Energie und Daten sowie das unmittelbare Ansprechverhalten des Elektroantriebs darstellen. Opel führt damit eine Gestaltung fort, die 2025 beim Mokka GSE Rally begonnen hat. Das markante Gelb wird unter dem Leitmotiv „Yellow means Go“ zum gemeinsamen Erkennungszeichen des GSE Programms.

Mitch Evans gefällt vor allem die Weiterentwicklung gegenüber dem bisherigen Testdesign. Das zusätzliche Silber gebe dem Auto einen schärferen, ambitionierten Auftritt. Der Neuseeländer bringt umfangreiche Formel E Erfahrung in das neue Werksteam ein, gemeinsam mit Théo Pourchaire bildet er das Einsatzduo, Sophia Flörsch ergänzt die Mannschaft als Test und Entwicklungsfahrerin.

Der sportliche Rahmen passt zum offensiven Erscheinungsbild. Mit der Saison 2026/27 führt die Formel E ihre vierte Fahrzeuggeneration ein. Die GEN4 Rennwagen verfügen über aktiven Allradantrieb in allen Rennphasen und erreichen im Qualifying sowie im Attack Mode bis zu 600 kW, rund 816 PS. Im regulären Rennbetrieb stehen bis zu 450 kW zur Verfügung. Dazu kommt eine Rekuperationsleistung von bis zu 700 kW. Die neue Generation erweitert damit sowohl die fahrdynamischen Möglichkeiten als auch die Anforderungen an Energiemanagement und Rennstrategie. 

Opel hat sein Engagement zunächst auf vier Jahre angelegt. Der Hersteller tritt damit in eine Meisterschaft ein, in der elektrische Antriebe, Software und der möglichst wirksame Einsatz der verfügbaren Energie den Wettbewerb bestimmen. Für die Marke wird die Formel E zur internationalen Bühne ihrer elektrischen Performance Ausrichtung. 

Auf dem Pariser Messestand wird die Verbindung zur Serie unmittelbar sichtbar. Neben dem GSE 27FE feiert der neue, bereits bestellbare Corsa GSE seine Messepremiere. Rennwagen und Serienmodell treten unter derselben sportlichen Bezeichnung auf. Die Farben und die Lightspeed Stripes prägen auch die Gestaltung des Standes. Opel präsentiert GSE damit als zusammenhängendes Programm, das vom Motorsport bis zum Straßenauto reicht.

Auch die Bezeichnung selbst verbindet Vergangenheit und Gegenwart. Bei Commodore GS/E und Monza GSE standen die Buchstaben für „Grand Sport Einspritzung“. Mit der Wiederbelebung der sportlichen Submarke wurde daraus „Grand Sport electric“. Der technische Inhalt hat sich verändert, der Anspruch auf eine besondere Stellung innerhalb der Modellpalette bleibt.

Nach dem Mokka GSE erweitert nun der Corsa GSE das Angebot an elektrischen Serienmodellen. Mit 207 kW beziehungsweise 281 PS und 345 Nm beschleunigt er in 5,5 Sekunden auf 100 km/h. Zur zusätzlichen Leistung kommen ein Sperrdifferenzial an der Vorderachse, ein tiefergelegtes Sportfahrwerk mit spezifisch abgestimmten Achsen und Stabilisatoren sowie hydraulische Anschlagpuffer. Vierkolbenbremsen und eine angepasste Lenkungsabstimmung vervollständigen die fahrdynamischen Änderungen.

Der Transfer in die GSE Familie umfasst eine gemeinsame Designsprache und eine sportliche Entwicklungsrichtung, bei der Traktion, Fahrwerksabstimmung und kontrollierbare Leistung im Mittelpunkt stehen. Mit dem Mokka GSE Rally hat Opel diese Verbindung bereits im seriennahen Wettbewerb aufgebaut. Das elektrische Rallyefahrzeug wurde nach dem neuen eRally5 Reglement entwickelt. Die Formel E erweitert das Programm nun um ein Werksteam auf Weltmeisterschaftsniveau.

Welche Erkenntnisse aus der Formel E künftig in Serienfahrzeuge einfließen, wird sich mit der Entwicklungsarbeit zeigen. Anknüpfungspunkte bieten vor allem die Antriebsregelung, das Energiemanagement und die thermische Belastbarkeit elektrischer Komponenten. Die heute angebotenen GSE Modelle geben der sportlichen Ausrichtung bereits einen konkreten technischen Inhalt; das neue Rennprogramm soll sie langfristig weitertragen.

Seit der Bekanntgabe des Einstiegs im März bereitet sich die Mannschaft mit privaten Testfahrten sowie Arbeit im Simulator und auf dem Prüfstand auf ihre erste Saison vor. Nach der offiziellen Testwoche Mitte November in Jarama folgt am 18. und 19. Dezember 2026 in Jeddah das Renndebüt. Der Kalender umfasst 21 Rennen in 13 Städten auf vier Kontinenten. Die Heimrennen in Berlin sind für den 8. und 9. Mai 2027 vorgesehen.

In Paris stehen damit der neue Formelwagen und der Corsa GSE gemeinsam im Mittelpunkt. Opel bringt seine vertrauten Motorsportfarben zurück auf eine internationale Rennbühne und gibt ihnen innerhalb der elektrischen Modellpalette eine neue Aufgabe. Im Dezember folgt auf den Messeauftritt der erste sportliche Einsatz.

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