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ÖM-Finale: Hermann Neubauer vor dem großen Showdown – Titel aus eigener Kraft im Visier

Die Ausgangslage vor dem Saisonfinale der Österreichischen Rallye-Staatsmeisterschaft könnte für Hermann Neubauer nicht besser sein: Der Salzburger hat den Meistertitel komplett in der eigenen Hand. Mit einem Sieg krönt er sich auf jeden Fall zum Staatsmeister, unabhängig davon, was die Konkurrenz macht. Doch selbst bei einem Sieg der Verfolger stehen die Trümpfe auf Neubauers Seite: Je nach Platzierung der Rivalen könnte ihm bereits ein zweiter oder sogar dritter Rang genügen, um den Gesamtsieg einzufahren. Im großen Interview spricht Neubauer über die befreiende Lockerheit, die Geheimnisse seines Toyota GR Yaris Rally2 und seine ambitionierten Zukunftspläne für 2027.

Das Interview im Wortlaut

Frage: Hermann, die Ausgangslage vor dem Finale ist perfekt: Du kannst aus eigener Kraft Staatsmeister werden. Hättest du vor der Saison mit diesem Szenario gerechnet?

Hermann Neubauer: „Ganz ehrlich: Zu Beginn der Saison hätte ich darüber noch gelacht! Ich bin ja eigentlich ohne die feste Absicht gestartet, heuer die gesamte Meisterschaft zu bestreiten. Es hat sich dann Schritt für Schritt einfach so ergeben. Rückblickend hat mir das mental vielleicht eine gewisse Lockerheit gegeben – eine Phase, in der einfach alles gelungen ist. Trotzdem fahre ich jetzt zum Finale, um zu gewinnen. Ich will absolut nicht taktieren. Wir hatten bisher eine herausragende Saison, und wenn wir jetzt Staatsmeister werden, ist das wie die Kerze auf der Torte. Natürlich kann im Rallyesport immer viel passieren – ein Reifenschaden (‚Potschn‘), ein Dreher, die Variablen sind vielfältig. Aber bei dem Tempo, das wir zuletzt bei der Weiz-Rallye an der Spitze gehen konnten, fühle ich mich extrem wohl. Es geht derzeit alles leicht von der Hand.“

Frage: Welche Rolle spielt die mentale Komponente bei dir, und wie sieht der finale Feinschliff vor dem Start aus?

Neubauer: „Mein eigener Anspruch ist unverändert: Wenn ich am Start stehe, will ich gewinnen. Heuer sind einfach sehr viele glückliche Parameter perfekt zusammengekommen. Umso wichtiger ist die akribische Vorbereitung. Wir werden am Donnerstag vor der Rallye noch einen ausführlichen Test absolvieren. Ein riesiges Dankeschön gilt hier Teamchef Max Zellhofer: Bei ihm wird nicht lange herumgejammert oder lamentiert, ob man 20, 30 oder 80 Testkilometer fährt – man bekommt volle Unterstützung. Genau mit dieser Mischung aus perfekter Vorbereitung und der Lockerheit der letzten Rallyes möchte ich an den Start gehen.“

Frage: Du sprichst die Lockerheit und den Grundspeed an. Wie groß ist dabei der Anteil deines Einsatzgeräts?

Neubauer: „Ich bin überglücklich, mit dem Toyota unterwegs zu sein. Ich habe zurzeit wohl das beste Auto der gesamten Rally2-Kategorie unter dem Hintern! Seit dem zweiten Tag der Lavanttal-Rallye ist das für mich das beste Rennauto ever, ich fühle mich zu 1.000 Prozent wohl darin. Man muss aber wissen: Der Toyota ist das wohl spitzeste und brutalste Auto in dieser Klasse. Er ist extrem schnell, wenn man ihn exakt auf den Punkt abstimmt. Wählt man ein allgemeines Setup, ist er zwar schnell, schöpft sein Potenzial aber nicht voll aus. Das Arbeitsfenster ist sehr eng. Wir haben gemeinsam mit Roman Kresta extrem viel Entwicklungsarbeit in die Fahrwerksabstimmung investiert. Da ich kein Vollprofi bin, sondern daheim mein Unternehmen führe und als ‚Part-Time Driver‘ starte, hat diese Eingewöhnung natürlich Zeit gebraucht. Mit dem Dreizylinder-Turbomotor und dem enormen Drehmoment muss man das Auto ganz anders und deutlich niedertouriger fahren. Aber diese Arbeit hat sich voll ausgezahlt – jetzt passt es zu 1.000 Prozent.“

Frage: Bei all dem Fokus auf den Titelkampf: Gibt es hinter den Kulissen schon Überlegungen und Pläne für die Saison 2027?

Neubauer: „Absolut. Ich fühle mich im Team bei ZM-Racing unglaublich wohl. Max Zellhofer setzt alles daran, damit die Voraussetzungen stimmen, und wir sind mit dem Auto zu einer echten Einheit geworden. Mein klares Bestreben ist es, auch 2027 wieder um die Meisterschaft zu kämpfen und gemeinsam mit Toyota ein starkes Projekt auf die Beine zu stellen. Das würde der gesamten österreichischen Meisterschaft guttun. Ich hätte viele spannende Ideen, wie man so eine Kooperation lebendig gestaltet – etwa über die Einbindung des Toyota-Händlernetzes, Mitarbeiter-Incentives oder Mindset-Building aus dem Spitzensport. Neben dem Titelgewinn heuer wäre es ein absolutes Highlight, wenn wir für 2027 ein solches Programm realisieren können.“

Danke für das Gespräch!

Bilder ©Daniel Fessl – RallyePics

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