Mit dem Ausbau der Marke zu einer vollelektrischen „Dream Garage“ erweitert Alpine das eigene Portfolio um ein Format, das auf den ersten Blick im Widerspruch zur Markenhistorie steht: fünf Türen, fünf Sitzplätze und mehr als 2,1 Tonnen Leergewicht. Jean Rédélé begründete die Marke 1955 mit kompromisslosem automobilen Leichtbau; der Gesamtsieg der Ur-A110 bei der Rallye-Weltmeisterschaft 1973 festigte diesen Ruf auf kurvigen Passstraßen. Nach der erfolgreichen Wiederbelebung des Mittelmotor-Coupés im Jahr 2017 transferiert Alpine seine Fahrdynamik-Philosophie mit der A390 nun in die gehobene Mittelklasse.
Karosserie und Innenraum: Silhouette gegen den SUV-Trend
Optisch verweigert sich die A390 dem vorherrschenden Trend zu hochbauenden Karosserien. Die Bauhöhe von 1,53 Metern und die flach abfallende Dachlinie kennzeichnen das Fahrzeug als Sport-Fastback. In der Metallic-Lackierung Noir Profond und mit den mattschwarzen 20-Zoll-Rädern wirkt der Wagen gestreckt und visuell tief auf die Straße gedrückt. Anleihen aus dem Langstreckensport – wie die segmentierte LED-Lichtsignatur an der Front – betonen die Breite, ohne überladen zu wirken.

Im Innenraum setzt sich der sportliche Anspruch fort: Die tief montierten Sabelt-Sportsitze bieten präzisen Seitenhalt, während Elemente aus sichtbarem Schmiedecarbon (Forged Carbon) an der Mittelkonsole und den Sitzrückseiten die Motorsport-Herkunft zitieren. Das griffige Sportlenkrad bündelt wesentliche Fahrfunktionen über physische Bedienelemente: Links steuert ein blauer Drehregler (RCH) die mehrstufige Rekuperation, rechts aktiviert der rote „OV“-Knopf (Overtake) für 15 Sekunden die maximale Systemleistung.
Antrieb und Fahrwerk: Agilität durch Dreimotoren-Architektur
Die Systemleistung der A390 GT beträgt 295 kW (400 PS) und stellt ein Drehmoment von 661 Nm bereit. Den Standard-Sprint von 0 auf 100 km/h absolviert der Allradler in 4,8 Sekunden. Das technische Alleinstellungsmerkmal liegt in der Konfiguration des Antriebsstrangs: Ein Elektromotor an der Vorderachse wird mit zwei separaten Motoren an der Hinterachse kombiniert.

Über das Alpine Active Torque Vectoring wird die Kraftverteilung zwischen den Hinterrädern ohne mechanisches Sperrdifferenzial millisekundengenau geregelt. Beim Einlenken beschleunigt das System das kurvenäußere Rad aktiv, während das kurveninnere Rad leicht verzögert wird. Unterstützt wird diese Regelstrategie durch ein Sportfahrwerk mit hydraulischen Endanschlägen (Bump-Stops). Selbst bei harter Beanspruchung über Querfugen und Bodenwellen verarbeitet das Fahrwerk Stöße sauber, ohne dass Unruhe in den Aufbau gelangt. Die Lenkung vermittelt im Sport- und Track-Modus einen klar definierten Widerstand und eine direkte Rückmeldung von der Vorderachse.
Fahrpraxis im alpinen Geläuf
Im anspruchsvollen Passstraßen-Terrain offenbart das Konzept seine Stärken. Trotz des konstruktionsbedingten Gewichts der 89-kWh-Batterie zirkelt die A390 neutral und ohne störende Wankbewegungen um enge Kehren. Untersteuern tritt erst bei deutlicher Überschreitung des physikalischen Grenzbereichs auf. Bergab überzeugt die Bremsanlage: Vier-Kolben-Festsättel von Brembo auf 390-mm-Scheiben an der Vorderachse verzögern auch nach mehreren Kilometern Gefällstrecke standfest und fadingfrei.
Unter kontinuierlicher Last am Berg steigt der Energiebedarf naturgemäß an; in den anschließenden Bergab-Passagen führt die Rekuperation jedoch erhebliche Energiemengen zurück in die Batterie. An DC-Schnellladestationen lädt die GT-Variante mit bis zu 150 kW (15 bis 80 Prozent in rund 29 Minuten). Die optionale Ausrüstung mit einem 22-kW-AC-Bordlader erweitert zudem die Flexibilität an öffentlichen Wechselstromsäulen.

Cockpit, Infotainment und Raumökonomie
Im Innenraum verbindet die A390 funktionale Sportlichkeit mit digitaler Bedienlogik. Der Arbeitsplatz orientiert sich klar am Fahrer: Ein 12,3 Zoll großes digitales Kombiinstrument hinter dem Sportlenkrad wird durch einen hochformatigen 12-Zoll-Zentralbildschirm ergänzt. Die Infotainment-Oberfläche basiert auf Android Automotive mit nativer Google-Integration, reagiert flüssig auf Eingaben und beinhaltet eine präzise Laderoutenführung. Lobenswert: Elementare Funktionen wie die Klimatisierung lassen sich weiterhin über eine separate Leiste physischer Tasten unterhalb des Displays blind bedienen. Das Devialet Xtreme Soundsystem sorgt für eine ausgewogene, pegelfeste Akustik im gut gedämmten Innenraum[cite: 2, 3].
Auf den vorderen Plätzen garantiert die tiefe Sitzposition der Sabelt-Schalen exzellente Integration in das Fahrzeug, während die ansteigende Mittelkonsole mit den markanten Fahrstufen-Tastern (R-N-D) an das Mittelmotor-Coupé A110 erinnert[cite: 2, 3]. Das Raumangebot im Fond fordert hingegen bauartbedingte Zugeständnisse: Aufgrund der im Unterboden platzierten 89-kWh-Batterie und der dynamisch abfallenden Dachlinie fällt die Oberschenkelauflage für großgewachsene Passagiere knapp aus. Mit 532 Litern Kofferraumvolumen beweist der Sport-Fastback dennoch ein praxistaugliches Ladevolumen für den Alltag und die Urlaubsreise.

Fazit
Die Alpine A390 GT verbindet die spezifischen Stärken einer modernen Elektroplattform mit präziser französischer Fahrwerksabstimmung. Das Raumangebot im Fond fällt aufgrund der flachen Fastback-Linie kompakter aus als bei konventionellen SUV-Mitbewerbern, belohnt den Fahrer jedoch mit einem tiefen Schwerpunkt und überdurchschnittlicher Fahrdynamik. Alpine liefert damit ein klar profiliertes Fahrerauto, das die historische DNA der Marke glaubwürdig in die Elektromobilität überträgt.
Technische Daten: Alpine A390 GT
| Kategorie | Spezifikation / Messwert |
|---|---|
| Motor & Antrieb | 3 Elektromotoren (1 vorne, 2 hinten) Alpine Active Torque Vectoring[ |
| Antriebsart | Vollvariabler Allradantrieb |
| Systemleistung | 295 kW / 400 PS |
| Max. Drehmoment | 661 Nm |
| Beschleunigung (0–100 km/h) | 4,8 s |
| Höchstgeschwindigkeit | 200 km/h |
| Batteriekapazität | 89 kWh netto (94 kWh brutto) |
| Reichweite (WLTP) | bis zu 555 km |
| Normverbrauch (WLTP) | 18,9 – 20,7 kWh / 100 km |
| Ladeleistung DC (HPC) | max. 150 kW (15–80 % in ca. 29 min) |
| Ladeleistung AC (Bordlader) | 11 kW (Serie) / 22 kW opt. |
| Bremsanlage vorn | 390 mm innenbelüftet 4-Kolben-Festsattel |
| Bremsanlage hinten | 360 mm innenbelüftet 1-Kolben-Faustsattel |
| Fahrwerk | Sportfahrwerk mit Bump-Stops |
| Abmessungen (L × B × H) | 4.615 mm × 1.885 mm × 1.532 mm |
| Radstand | 2.708 mm |
| Kofferraumvolumen | 532 – 1.643 Liter |
| Leergewicht | ca. 2.124 kg |
| Basispreis (GT Österreich) | € 67.500,- (inkl. 20 % MwSt. 0 % NoVA) |
| Testwagenpreis | € 79.829,99 (inkl. Optionen) |
































Kommentar hinterlassen