MOTORWELT

Fahrbericht DS N°7: Frankreichs starke Antwort auf das deutsche Premium-Diktat

Von Achim Mörtl

Wer im gehobenen SUV-Segment nach Status und Präzision sucht, landet unweigerlich beim allgegenwärtigen deutschen Triumvirat aus München, Stuttgart und Ingolstadt. Doch abseits dieser kalkulierten Perfektion formiert sich eine echte, charakterstarke Alternative, die man so nirgends nur schwer bekommt. Mit dem neuen DS N°7 schicken die Franzosen ein Statement auf den Markt, das sich ganz bewusst den gängigen Konventionen widersetzt. Wer den Mut hat, sich vom gewohnten Premium-Mainstream zu lösen, findet hier eine feste, absolut ernstzunehmende Größe im Segment

Gewachsenes Format mit Charakter

Optisch markiert der DS N°7 mit einer Länge von 4,66 Metern, einer Breite von 1,90 Metern und einer Höhe von 1,63 Metern eine selbstbewusste Präsenz. Gegenüber dem Vorgänger legt die Neuauflage um sechs Zentimeter zu, zudem sorgt der um fünf Zentimeter verlängerte Radstand für ein spürbar verbessertes Platzangebot im Fond. Die Frontpartie zeichnet sich ab der Ausstattungslinie Étoile durch den hochtechnologischen DS Luminascreen aus, einen illuminierten Kühlergrill mit vertikalen Leuchtleisten, der eine unverwechselbare Lichtsignatur bildet. Trotz des markanten Auftritts erzielt das SUV einen cw​-Wert von 0,26, was aerodynamisch die Benchmark in dieser Fahrzeugklasse darstellt.

Im Interieur dominiert handwerkliche Raffinesse: Geprägte Einsätze im Hufnagelmuster („Clous de Paris“), Sitzbezüge im Uhrenarmband-Design und optionale Naturholzverkleidungen prägen das anspruchsvolle Ambiente. Das 10-Zoll-Digital-Kombiinstrument hinter dem Lenkrad und das 16-Zoll-Zentraldisplay fügen sich nahtlos in die Architektur ein. Zwar erfordert die Bedienung mancher Komfortfunktionen über den Touchscreen etwas Eingewöhnung, und an weniger sichtbaren Stellen blitzen vertraute Stellantis-Baukastenteile auf. Das Gesamtambiente hebt sich jedoch so wohltuend vom kühlen, rein digitalen Tech-Look der Mitbewerber ab, dass diese Details kaum ins Gewicht fallen. Der Kofferraum unterstreicht die Praktikabilität: Er fasst regelmäßige 560 Liter und lässt sich auf bis zu 1.570 Liter erweitern – genug Platz für zwei vollwertige Golfbags.

Die große Überraschung: Ein Fahrwerk mit Nehmerqualitäten

Auf den engen Bergstraßen der Seealpen offenbart der DS N°7 Qualitäten, die dann doch über das herkömmliche Vorurteil französischer Komfort-Sänften hinausgehen. Die kamerabasierte DS Active Scan Suspension analysiert den Fahrbahnzustand im Millisekundentakt im Voraus und passt die Dämpfung jedes Rades individuell an. Das Resultat ist ein außergewöhnlich souveränes Ausbügeln von Querfugen, und somit Komfort auf Premiumniveau.

Das eigentliche Aha-Erlebnis liefert der neue DS No.7 sobald der Sport-Modus aktiviert wird:

  • Präzises Einlenkverhalten: Das Lenkrad mit den markanten, X-förmigen Speichen liegt hervorragend in der Hand und vermittelt ein unerwartet direktes, verbindliches Gefühl für die Vorderachse.
  • Neutrales Handling: In schnellen Kehren zahlt sich die hohe strukturelle Steifigkeit der Architektur aus. Wankbewegungen werden effektiv unterdrückt, das SUV bleibt auch im Grenzbereich stabil und leicht beherrschbar.
  • Satter Geradeauslauf: Auf der Autobahn liegt der Wagen absolut stoisch. Dank speziellem Akustik-Verbundglas und umfassenden Dämmmaterialien herrscht im Innenraum eine bemerkenswerte Stille, die perfekte Akustik für das optionale Local Electra 3D-Audiosystem mit 14 Lautsprechern.

Elektro-Rekord und der agile Alltags-Hybrid

Die Variante E-TENSE FWD Long Range leistet 180 kW (245 PS) und mobilisiert im temporären Boost-Modus kurzzeitig sogar 206 kW (280 PS). Die Kraftentfaltung erfolgt elektromotortypisch unmittelbar, bleibt jedoch stets progressiv und fein dosierbar. Mit dem großen 97,2-kWh-Akku realisiert dieser Fronttriebler eine beachtliche WLTP-Reichweite von bis zu 734 Kilometern. Unter realen Bedingungen sind auch auf der Autobahn Reichweite um die 500 Kilometer am Stück realisierbar. Dank einer sehr flach abfallenden Ladekurve, die bis zu einem Ladestand von 55 Prozent konstant bei den maximalen 160 kW verweilt, dauert der Ladeprozess von 20 auf 80 Prozent lediglich 27 Minuten. Wer maximalen Grip sucht, greift zum Allrad-Topmodell AWD Long Range mit 257 kW (350 PS), das serienmäßig über modernste Assistenzsysteme wie DS Drive Assist 2.0 und die Infrarot-Kamera DS Night Vision verfügt.

Als wirtschaftlicher Geheimtipp für den Alltag positioniert sich der DS N°7 HYBRID 145 für einen Einstiegspreis von 41.900 Euro. Hier arbeitet ein 1,2-Liter-Dreizylinder-Turbobenziner mit einem 21-kW-Elektromotor im 6-Gang-Doppelkupplungsgetriebe zusammen. Mit einem Eigengewicht von 1.556 Kilogramm ist der Hybrid signifikant leichter als die batterieelektrischen Versionen. Dieses geringere Gewicht auf den Achsen sorgt dafür, dass sich der Wagen in schnellen Kurvenkombinationen noch eine Nuance handlicher, agiler und leichtfüßiger bewegen lässt. Da er im Stadtverkehr bis zu 50 Prozent der Wege rein elektrisch zurücklegt, beläuft sich der Praxisverbrauch auf sparsame 5,3 bis 5,4 Liter.

Motoren, Daten und Preise im Überblick

ModellversionAntrieb & LeistungBatterie & ReichweiteEinstiegspreis (Österreich)
N°7 HYBRID 145Front | 107 kW (145 PS)48V-System | über 1.000 km Gesamtab € 41.900,-
N°7 E-TENSE FWDFront | 169 kW (230 PS)73,7 kWh | bis zu 543 km WLTPab € 51.500,-
N°7 E-TENSE FWD LRFront | 180 kW (245 PS)97,2 kWh | bis zu 734 km WLTPab € 56.000,-
N°7 E-TENSE AWD LRAllrad | 257 kW (350 PS)97,2 kWh | bis zu 679 km WLTPab € 60.000,-

Fazit

Der neue DS N°7 verzichtet bewusst darauf, eine bloße Kopie der etablierten deutschen Premium-Konkurrenz zu sein und genau hier liegt seine Stärke. Das Modell setzt auf eine eigenständige, elegante Ästhetik und kombiniert diese mit einem hochentwickelten Fahrwerk, das den Spagat zwischen unaufgeregtem Erste-Klasse-Gleiten und präziser Kurvendynamik gekonnt meistert. Wer automobile Individualität sucht, ohne bei Reichweite, Komfort und modernster Technologie Kompromisse einzugehen, findet im DS N°7 eine feste, bereichernde Größe auf dem Markt.

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