Mit dem Sieg bei der Rally Japan feierte die neue Lancia Ypsilon Rally2 HF Integrale bereits ihren dritten WRC2-Erfolg der Saison und übernimmt mit Nikolay Gryazin damit die Führung in der Fahrerwertung vor Teamkollegen Johan Rossel, womit Lancia auch die Führung in der Team-WM der WRC2 weiter ausbaut, und man ernsthaft über einen WM-Titel sprechen darf.
Zehn Bestzeiten und ein Sieg mit Nervenstärke
Die japanischen Asphaltprüfungen gelten seit Jahren zu den anspruchsvollsten Prüfungen der Rallye Weltmeisterschaft, enge Straßen, ständig wechselnde Gripverhältnisse, hohe Geschwindigkeiten zwischen Leitplanken und Mauern lassen keinen Raum für Fehler.
Nach einem eher verhaltenen Beginn arbeitete sich derGryazin gemeinsam mit Beifahrer Konstantin Aleksandrov Schritt für Schritt nach vorne. Insgesamt zehn Bestzeiten gingen auf das Konto der Lancia-Crew. Die Zeiten sehr eng, blieb das Duell mit dem Spanier Alejandro Cachón bis zur vorletzten Prüfung völlig offen. Gerade einmal 2,8 Sekunden trennten die beiden Kontrahenten vor der abschließenden Power Stage am Mikawako-See.
Dort bewies Gryazin mehr Nervenstärke als sein Gegner, der auf der letzten Prüfung einen Dreher hinnehmen musste. Damit brachte der Lancia-Pilot den Sieg mit 15,5 Sekunden Vorsprung sicher nach Hause.

Mehr als ein Einzelsieg
Für Lancia selbst besitzt dieser Erfolg eine weit größere Bedeutung als die bloßen 25 WM-Punkte. Nach den Erfolgen von Yohan Rossel und den konstant starken Leistungen des gesamten Teams zeigt sich zunehmend, dass die Ypsilon Rally2 HF Integrale nicht nur auf einzelnen Rallyes konkurrenzfähig ist, sondern auf unterschiedlichsten Untergründen und Streckencharakteristiken zur Zeit das Maß der Dinge in der WRC2 ist.
Siege am Asphalt in Kroatien sowie am Schotter in Portugal, jetzt wechselhafte Bedingungen in Japan unterstreichen die Stärke von Lancia sowie deren Ernsthaftigkeit um den WM-Titel zu kämpfen, und dies in der ersten Saison nach dem Comeback der italienischen Traditionsmarke.
Mit 56 Punkten übernimmt Gryazin die Führung in der WRC2-Weltmeisterschaft. Dahinter lauern Teamkollege Yohan Rossel, dessen Bruder Léo Rossel sowie Toyota-Pilot Roope Korhonen.
Auch in der Teamwertung bleibt Lancia Corse HF an der Spitze.
Die eigentliche Überraschung der Saison
Noch vor einem Jahr wurde die Rückkehr von Lancia von vielen Beobachtern mit Skepsis betrachtet, eine Rückkehr die jetzt jedoch Hoffnung macht, daß sich Lancia auch zukünftig in der obersten Liga des Rallyesports engagieren könnte. Die Frage wird sein, ob man, oder besser gesagt Stellantis Motorsport, bereit sein wird, hierzu das Budget zu stemmen.
Demgegenüber stehen die Engagements in der Formel E durch die Stellantis Marken Citroen und Opel, dazu das WEC-Engagement von Peugeot. Eine logische Entwicklung wäre es. Zieht man nämlich die Fahrer über den Opel E-Cup und ERC4-Meisterschaft hoch, könnte man mit Lancia die Pyramide nach oben hin abschließen, und nicht, wie mit dem sehr talentierten Calle Carlberg, die Fahrer nach der ERC4 an die Konkurrenz verlieren.
Auf der anderen Seite entwickelt sich die Ypsilon Rally2 HF Integrale zunehmend zu einem der Referenzfahrzeuge der Kategorie, was wiederum bedeutet, daß die Nachfrage auch auf nationaler Ebene steigen wird und man damit unter Umständen ein ähnlichen Geschäftsmodell wie es Malcom Wilson oder Skoda jahrelang praktizierte aufstellen könnte. Dann dürfte der Sprung in die oberste Liga weiterhin ein Wunsch vieler Lanciafans bleiben.

Bewährungsprobe in Griechenland
So beeindruckend der Erfolg in der bisherigen Saison auch ist, die eigentliche Standortbestimmung folgt nun bei den kommenden Schotterrallyes.
Mit der kommenden Acropolis Rally Greece steht eine der härtesten Rallyes der Welt auf dem Programm. Schotter, Hitze, lose Steine und extreme Materialbelastung haben dort bereits zahlreiche Titelträume zerstört. Es folgen die superschnellen Rallyes in Estland und Finnland.
Ist man auch dort erfolgreich, und das darf mit der Fahrerpaarung Rossel und Gryazin durchaus erwartet werden, ist das Potenzial zum ersten WM-Titel nach dem Comeback sehr hoch. Fest steht bereits jetzt: Die Marke mit den neun Konstrukteurs-Weltmeisterschaften ist nicht mehr nur eine Erinnerung an die große Rallye-Vergangenheit.
Lancia gewinnt wieder Rallyes. Und erstmals seit vielen Jahren beginnt die Konkurrenz als auch mögliche Käufer wieder nach Turin zu schauen. Und viele erhoffen sich, daß Lancia an die große Vergangenheit wieder anschließt und man ein Werksteam gegen Toyota, Hyundai, Step1 oder Ford kämpfen sieht, der Rallye-Weltmeisterschaft würde es mehr als gut tun!
WRC2 – Rally Japan 2026
| Pos. | Fahrer | Fahrzeug | Zeit |
|---|---|---|---|
| 1. | Nikolay Gryazin | Lancia Ypsilon HF Rally2 Integrale | 3:26:29,3 |
| 2. | Alejandro Cachón | Toyota GR Yaris Rally2 | +18,3 Sek. |
| 3. | Yuki Yamamoto | Toyota GR Yaris Rally2 | +2:54,4 Min. |
| 4. | Emil Lindholm | Škoda Fabia RS Rally2 | +3:50,3 Min. |
| 5. | Hiroki Arai | Toyota GR Yaris Rally2 | +7:37,6 Min. |
WRC2 WM-Stand nach Rally Japan
| Pos. | Fahrer | Punkte |
|---|---|---|
| 1. | Nikolay Gryazin | 56 |
| 2. | Yohan Rossel | 52 |
| 3. | Léo Rossel | 52 |
| 4. | Roope Korhonen | 52 |
| 5. | Alejandro Cachon | 46 |















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