MOTORWELT

Fiat 131 Abarth: Mit der Familienlimousine zum WM-Titel

Drei Markenweltmeisterschaften, 18 Siege bei WM-Läufen und Walter Röhrls erster Fahrertitel: Der Fiat 131 Abarth prägte den Rallyesport der späten siebziger Jahre. Zum fünfzigjährigen Jubiläum würdigen Abarth und Breil das Modell mit einem limitierten Chronographen.

Die Entscheidung für den Fiat 131 folgte einer klaren wirtschaftlichen Überlegung. Die Erfolge im Rallyesport sollten den Verkauf einer wichtigen Serienbaureihe fördern. Eine Familienlimousine rückte deshalb ins Zentrum des Werksprogramms. Ihre Herkunft blieb an der zweitürigen Karosserie erkennbar, während Abarth die Technik umfassend für den Wettbewerb überarbeitete.

Fiats Weg dorthin hatte mit dem 124 Sport Spider begonnen. Privatfahrer bestritten damit Rallyes und suchten Unterstützung beim Hersteller. Aus dem Interesse an diesen Einsätzen entstand ein Werksengagement. Mit der Übernahme von Abarth 1971 sicherte sich Fiat die technische Kompetenz für dessen Ausbau. Der 124 Abarth Rally gewann 1972 und 1975 die Europameisterschaft. Für das Nachfolgeprojekt fiel die Wahl auf den 131.

Damit verlagerte der Fiat-Konzern zugleich den Schwerpunkt seiner Rallyeaktivitäten. Lancia hatte mit dem Stratos 1974, 1975 und 1976 die Markenweltmeisterschaft gewonnen. Der kompakte Zweisitzer mit Mittelmotor war konsequent für den Wettbewerb entwickelt worden. Seine Konstruktion und seine spektakuläre Karosserie machten ihn zu einem außergewöhnlichen Sportwagen, der allerdings wenig Verbindung zum alltäglichen Modellangebot besaß.

Der 131 erhielt eine andere Aufgabe. Seine Siege sollten einer in großen Stückzahlen verkauften Fiat-Baureihe zugutekommen. Er übernahm schrittweise die führende Rolle im WM-Programm des Konzerns. Der Stratos verschwand deshalb keineswegs aus dem Wettbewerb, doch Entwicklung und Werkseinsatz konzentrierten sich zunehmend auf den Fiat. 1978 wurden die Motorsportaktivitäten von Fiat, Lancia und Abarth organisatorisch zusammengeführt; der 131 war für die Rallye-Weltmeisterschaft vorgesehen.

Auf dem Genfer Autosalon 1976 wurde der Fiat 131 Abarth Rally vorgestellt. Breite Radhäuser, zusätzliche Lufteinlässe und Spoiler veränderten die Silhouette der Limousine. Bertone war an der Gestaltung und Fertigung der Karosserie beteiligt. Leichte Materialien senkten das Gewicht, die ausgestellten Kotflügel schufen Platz für die Wettbewerbsbereifung. Für die Homologation nach dem Gruppe-4-Reglement entstanden 400 Exemplare.

Der 1.995 Kubikzentimeter große Vierzylinder besaß zwei obenliegende Nockenwellen und vier Ventile pro Zylinder. Die Straßenversion leistete 140 PS. Im Wettbewerbswagen kam eine mechanische Kugelfischer-Einspritzung zum Einsatz; die Leistung lag zunächst bei rund 225 und stieg im Laufe der Entwicklung auf bis zu 245 PS. Ein Fünfganggetriebe und ein Sperrdifferenzial übertrugen sie auf die Hinterräder.

Die Gruppe 4 gestattete weitreichende technische Änderungen, verlangte dafür aber eine Homologationsserie. Abarth konnte den 131 entsprechend gründlich auf seinen Einsatz vorbereiten. Dabei ging es um ein Auto, das auf schnellen Asphaltprüfungen ebenso funktionieren musste wie auf grobem Schotter. Die langen Rallyes jener Jahre beanspruchten Fahrwerk und Kraftübertragung über viele Stunden. Geschwindigkeit allein genügte für ein erfolgreiches WM-Programm nicht. Haltbarkeit, Wartung und die Arbeit der Einsatzmannschaft entschieden mit.

Bereits 1976 gewann der 131 Abarth die Rallye auf Elba. Der erste WM-Sieg folgte noch im selben Jahr bei der 1000-Seen-Rallye in Finnland. Markku Alén setzte sich auf den schnellen Schotterstraßen mit ihren zahlreichen Kuppen und Sprüngen durch. Der Finne wurde zu einem der wichtigsten Fahrer des Programms. Viermal gewann er seinen Heimlauf im 131, davon dreimal hintereinander zwischen 1978 und 1980.

1977 holte Fiat erstmals die Markenweltmeisterschaft. Fünf Fahrer gewannen in dieser Saison mit dem 131: Alén in Portugal, Fulvio Bacchelli in Neuseeland, Timo Salonen in Québec, Jean-Claude Andruet in Sanremo und Bernard Darniche auf Korsika. Die Verteilung der Siege zeigte, wie breit das Werksprogramm aufgestellt war und auf welchen unterschiedlichen Strecken das Auto konkurrenzfähig eingesetzt werden konnte.

Im folgenden Jahr verteidigte Fiat den Titel. Walter Röhrl gewann gemeinsam mit Christian Geistdörfer die Akropolis-Rallye und den WM-Lauf in Québec. Alén siegte in Portugal und Finnland, Darniche auf Korsika. Der 131 bestätigte damit seine Stellung an der Spitze der Weltmeisterschaft.

Alén entschied 1978 außerdem den FIA-Rallye-Fahrerpokal für sich, den Vorläufer der erst 1979 eingeführten Fahrerweltmeisterschaft. Dieser Erfolg gehört allerdings nicht ausschließlich zur Bilanz des Fiat. In Sanremo fuhr Alén einen Lancia Stratos und gewann. Gerade dieses Ergebnis verdeutlicht, dass die Ablösung innerhalb des Konzerns schrittweise erfolgte und der Stratos weiterhin siegfähig blieb.

1980 wurde zum entscheidenden Jahr für Walter Röhrl und Christian Geistdörfer. Ihr Sieg bei der Rallye Monte Carlo eröffnete eine Saison, in der sie auch Portugal, Argentinien und Sanremo gewannen. Alén steuerte einen weiteren Erfolg in Finnland bei. Fiat errang seine dritte Markenweltmeisterschaft, Röhrl wurde erstmals Fahrerweltmeister.

Für Fiat bestätigte diese Bilanz die ursprüngliche Entscheidung. Drei Markentitel innerhalb von vier Jahren verschafften dem 131 eine internationale sportliche Reputation. Die Baureihenbezeichnung erschien regelmäßig an der Spitze der Ergebnislisten, während die Serienmodelle in den Verkaufsräumen der Händler standen. Der Motorsport gab der Familienlimousine ein Profil, das weit über ihre praktischen Eigenschaften hinausging.

Abarth hatte daran wesentlichen Anteil. Die Entwicklung des 131 verlangte, Motor, Fahrwerk, Kraftübertragung und Karosserie zu einem belastbaren Wettbewerbsauto zusammenzuführen. Die Siege auf unterschiedlichen Untergründen belegten die Qualität dieser Arbeit. Zugleich zeigte das Programm, welche Bedeutung die frühere Sportwagenschmiede inzwischen als technische Einheit innerhalb des Fiat-Konzerns hatte.

1981 gewann Alén mit Ilkka Kivimäki noch einmal in Portugal. Es war der letzte der insgesamt 18 WM-Siege des Fiat 131 Abarth. Vom ersten Erfolg in Finnland 1976 bis zu diesem Abschluss hatte das Modell Fiat drei Markenweltmeisterschaften und Röhrl seinen ersten Fahrertitel gebracht.

Fünfzig Jahre nach der Präsentation erinnern Abarth und der italienische Uhrenhersteller Breil mit einem Chronographen an diese Geschichte. Die Auflage von 400 nummerierten Exemplaren greift die Stückzahl der Homologationsserie auf. Das 43 Millimeter große Stahlgehäuse trägt eine Tachymeterskala, auf dem schwarzen Zifferblatt sitzt der rote Abarth-Skorpion. Im Inneren arbeitet ein Quarzwerk vom Typ VK67. Der Preis beträgt 399 Euro.

Der historische Bezug reicht dabei über die Gestaltung der Uhr hinaus. Der 131 Abarth steht für eine Phase, in der Fiat den Rallyesport gezielt mit seiner Modellpolitik verband und die dafür notwendigen technischen und organisatorischen Mittel bereitstellte. Aus dieser Entscheidung entstand das erfolgreichste Rallyeauto der Marke.

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