Von 0,05“/km auf 0,2“/km Rückstand – Zauberwort BoP?
Hundert Jahre nach dem ersten Start in Le Mans wollte Peugeot bei seinem wichtigsten Rennen des Jahres eigentlich ein weiteres Kapitel seiner großen Motorsportgeschichte schreiben. Stattdessen erlebte die französische Marke bereits im Qualifying eine schmerzhafte Ernüchterung.
Beide Peugeot 9X8 verpassten den Einzug in die Hyperpole. Paul di Resta belegte lediglich Rang 16, Teamkollege Malthe Jakobsen kam nicht über Platz 18 hinaus. Damit starten beide Werksfahrzeuge am Samstag aus den hinteren Reihen ins prestigeträchtigste Langstreckenrennen der Welt.
Noch bei den letzten Rennen der FIA-Langstrecken-Weltmeisterschaft in Imola gehörte Peugeot zu den positiven Überraschungen des Wochenendes. In Spa-Francorchamps gelang Malthe Jakobsen sogar die erste Pole Position der Hypercar-Ära für das französische Werksteam. Nur wenige Wochen später fehlten auf dem Circuit de la Sarthe plötzlich bis zu zweieinhalb Sekunden auf die Spitze. Oder anders ausgedrückt, fehlten in Imola oder Spa im Schnitt 0,05 Sekunden am Kilometer sind es jetzt 0,2“/km, womit soch der Rückstand auf die Spitze also vervierfachte.

Entsprechend deutlich fiel die Reaktion von Teamchef Emmanuel Esnault aus.
„Natürlich ist es extrem frustrierend, wenn man mit einem Auto, das in Imola und Spa um die Pole Position kämpfen konnte, bei unserem Heimrennen plötzlich zwei Zehntelsekunden pro Kilometer auf die Spitze verliert“, und verweist dabei leicht frustriert auf die Tatsache, daß das Auto, die Fahrer und die Mannschaft dieselben seien wie bei den erfolgreichen Auftritten zuvor.
Zwischen den Zeilen lässt sich deshalb eine Diskussion erkennen, die seit Jahren die Langstrecken-WM begleitet. Offiziell spricht niemand darüber, und tut man es, sind mittlerweile hohe Strafen damit verbunden. Doch im Fahrerlager gilt die Balance of Performance einmal mehr als möglicher Schlüssel zum Verständnis der Kräfteverhältnisse.
Nach den starken Leistungen in Imola und insbesondere der Pole Position von Spa soll der Peugeot 9X8 für Le Mans mit zusätzlichen Restriktionen angetreten sein. Offizielle Zahlen werden von den Verantwortlichen mittlerweile nicht mehr veröffentlicht. Dennoch verdichten sich die Hinweise, dass zusätzliche Fahrzeugmasse und reduzierte Leistungsparameter den Franzosen besonders auf der 13,626 Kilometer langen Hochgeschwindigkeitsstrecke zugesetzt haben könnten.
Esnault selbst vermied direkte Kritik, seine Aussagen waren jedoch eindeutig genug. Als er gefragt wurde, in welchen Streckenabschnitten Peugeot Zeit verliere, antwortete er trocken, dass es praktisch die gesamte Runde betreffe.

Für das Rennen bleibt dem Werksteam nun nur die Hoffnung auf die berühmten Unwägbarkeiten von Le Mans. Verkehr, Strategie, Safety Cars oder Wetterkapriolen haben in der Vergangenheit schon oft scheinbar aussichtslose Situationen verändert. Genau darauf setzt nun auch Peugeot.
„Wir müssen zunächst einmal überleben und opportunistisch sein“, erklärte Esnault. „Wir haben nichts zu verlieren.“
Allerdings sprechen die Wetterprognosen derzeit gegen das gewünschte Chaos. Die Vorhersagen versprechen ein weitgehend trockenes Rennwochenende mit Temperaturen um die 30 Grad. Auf die Frage, welches Wetter er sich wünschen würde, antwortete der Peugeot-Teamchef mit einer Portion Galgenhumor:
„Da müsste wohl Alfred Hitchcock helfen.“
So beginnt das Jubiläumsrennen für Peugeot mit einer Mischung aus Enttäuschung, Frustration und Hoffnung. Die Ausgangslage erinnert an das Vorjahr, als die Franzosen ebenfalls hinter den Erwartungen zurückblieben und am Ende nicht über Rang elf hinauskamen.
Doch Le Mans hat seine eigenen Gesetze. Über 24 Stunden können sich Kräfteverhältnisse verschieben. Peugeot wird darauf hoffen, dass die Geschichte des Rennens noch nicht am Mittwochabend geschrieben wurde.
Hier das Qulai – Ergebnis, die ersten 15 qualifizieren sich für die Hyper-Pole!
| Pos. | Fahrzeug | Zeit |
|---|---|---|
| 1 | Alpine #35 (Ferdinand Habsburg) | 3:23,135 |
| 2 | Cadillac #12 | 3:23,148 |
| 3 | Cadillac #101 | 3:23,323 |
| 4 | BMW #20 | 3:23,444 |
| 5 | Cadillac #38 | 3:23,544 |
| … | … | … |
| 15 | Ferrari #51 | 3:24,623 |
| 16 | Peugeot #93 | 3:24,978 |
| 17 | Ferrari #83 | 3:25,495 |
| 18 | Peugeot #94 | 3:25,660 |

















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