Die Rückkehr der Vernunft
Die Automobilindustrie befindet sich in einer bemerkenswerten Phase. Fahrzeuge werden größer, schwerer, leistungsstärker und technologisch immer komplexer. Gleichzeitig wächst die Zahl jener Kunden, die bei der Fahrzeugwahl ganz andere Fragen stellen. Nicht die Beschleunigung interessiert sie zuerst, sondern der Platz auf der Rückbank. Nicht die Rundenzeit, sondern die Frage, ob Kinderwagen, Urlaubsgepäck oder der Wochenendeinkauf problemlos verstaut werden können. Und nicht zuletzt die Frage, wie viel Auto man heute eigentlich noch für sein Geld bekommt.
Genau an diesem Punkt wird der neue Citroën C3 Aircross interessant. Nach dem C4 MAX ist der C3 Aircross erst das zweite aktuelle Citroën-Modell, das wir ausführlicher kennenlernen durften. Und schon nach den ersten Kilometern fällt auf, dass die Marke derzeit einen Weg einschlägt, der in der Branche nicht selbstverständlich ist.
Das beginnt bereits beim Design.
Unser Cheftester Achim Mörtl hat in der Vergangenheit nie einen Hehl daraus gemacht, dass Citroën optisch nicht immer seinen Geschmack getroffen hat. Die Marke wollte oft bewusst anders sein, manchmal vielleicht sogar etwas zu sehr. Beim neuen C3 Aircross wirkt vieles deutlich harmonischer. Die Front präsentiert sich markant, ohne aggressiv zu wirken. Die Linienführung ist klarer, die Proportionen stimmiger. Insgesamt steht ein Fahrzeug vor einem, das erwachsen wirkt und seine SUV-Rolle glaubwürdig ausfüllt.

Noch interessanter ist jedoch, was hinter dieser Hülle steckt.
Mit 4,40 Metern Länge und einem Radstand von 2,67 Metern hat sich der C3 Aircross längst von den klassischen Dimensionen eines B-Segment-SUV entfernt. Die Zahlen allein erzählen allerdings nur einen Teil der Geschichte. Entscheidend ist, wie dieser Raum genutzt wird.
Im Fond finden auch größere Passagiere problemlos Platz. Die Sitzposition ist angenehm aufrecht, die Kopffreiheit großzügig. Der Kofferraum fasst bereits in der Grundkonfiguration 460 Liter und wächst bei umgelegter Rückbank auf bis zu 1.600 Liter. Dazu kommt die Möglichkeit einer dritten Sitzreihe. Damit gehört der C3 Aircross zu den wenigen Fahrzeugen seiner Klasse, die optional als Siebensitzer erhältlich sind.
Gerade dieser Punkt verdient Aufmerksamkeit.
Während viele Hersteller ihre kompakten SUV zunehmend als Lifestyle-Produkte inszenieren, verfolgt Citroën einen anderen Ansatz. Der C3 Aircross richtet sich nicht an Menschen, die mit ihrem Fahrzeug etwas darstellen möchten. Er richtet sich an Menschen, die ihr Fahrzeug nutzen.
Familien, Pendler, Freizeitsportler oder all jene, die regelmäßig mehr transportieren als eine Aktentasche. Und diese Haltung setzt sich im Innenraum fort.
Besonders gelungen wirkt das sogenannte Sofa-Design des Armaturenbretts mit seinem Stoffbezug und den hell-dunklen Kontrasten. Der Innenraum wirkt wohnlich, freundlich und angenehm unaufgeregt. Es ist ein Cockpit, das nicht versucht, seine Nutzer mit Technik zu beeindrucken, sondern eine angenehme Umgebung schaffen möchte.

Die Advanced Comfort Sitze passen perfekt zu dieser Philosophie. Sie gehören zweifellos zu den stärksten Argumenten des Fahrzeugs. Auf längeren Strecken wird schnell deutlich, dass Komfort bei Citroën nicht nur ein Marketingbegriff ist, sondern tatsächlich Entwicklungsziel war.
Überhaupt erinnert der neue C3 Aircross in vielerlei Hinsicht an jene Werte, die die Marke über Jahrzehnte geprägt haben.
Komfort steht im Mittelpunkt.
Das Fahrwerk arbeitet geschmeidig und gelassen. Schlaglöcher, Querrillen und schlechte Straßen verlieren einen Großteil ihres Schreckens. Der Wagen federt souverän, ohne schwammig zu wirken. Er vermittelt Ruhe statt Nervosität und Gelassenheit statt Hektik.

Natürlich hat diese Philosophie Konsequenzen.
Wer höchste Präzision im Lenkgefühl sucht oder jede Kurve mit maximalem Tempo durchfahren möchte, wird andere Fahrzeuge finden, die diesen Anspruch besser erfüllen. Der C3 Aircross ist kein Dynamiker. Er möchte es auch gar nicht sein.
Und genau darin liegt seine Glaubwürdigkeit. Denn die entscheidende Frage lautet nicht, ob ein Familien-SUV sportlicher sein könnte. Die entscheidende Frage lautet, ob seine Käufer das tatsächlich benötigen.
Im Alltag überzeugt die Abstimmung jedenfalls. Der Hybridantrieb mit 145 PS harmoniert hervorragend mit dem Charakter des Fahrzeugs. Die Kombination aus 1,2-Liter-Turbobenziner, Elektromotor und 6-Gang-Doppelkupplungsgetriebe liefert ausreichend Leistung für sämtliche Alltagssituationen. Die Beschleunigung auf 100 km/h gelingt in 9,1 Sekunden, die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 201 km/h.
Im Test lag der Verbrauch bei 6,1 Litern auf 100 Kilometer und damit nur leicht über den WLTP-Werten von 5,3 bis 5,4 Litern. Für ein Fahrzeug dieser Größe ist das ein durchaus respektables Ergebnis.

Natürlich bleibt auch der C3 Aircross nicht völlig von den wirtschaftlichen Realitäten unserer Zeit verschont.
An einigen Stellen finden sich harte Kunststoffe. Die Geräuschdämmung könnte auf längeren Autobahnetappen etwas besser ausfallen. Wer sehr genau hinsieht, erkennt durchaus, wo Citroën gespart hat.
Doch gerade an dieser Stelle lohnt sich der Blick auf das Gesamtbild.
Die Baureihe startet in Österreich bereits bei knapp 20.000 Euro. Dafür erhält man ein Fahrzeug mit großzügigem Raumangebot, bis zu sieben Sitzplätzen, 460 Litern Kofferraumvolumen, bis zu 1.600 Litern Ladevolumen und einem Komfortniveau, das man in dieser Preisklasse keineswegs als selbstverständlich betrachten darf.
Der getestete Hybrid 145 MAX kostet naturgemäß deutlich mehr, bleibt aber ebenfalls in einem Bereich, der angesichts des Gebotenen bemerkenswert konkurrenzfähig erscheint.
Vielleicht liegt genau hier die eigentliche Stärke des neuen Citroën C3 Aircross.
Er versucht nicht, mehr zu sein als er ist. Er verspricht keine Revolution. Er möchte keine automobile Statussymbolik bedienen. Stattdessen konzentriert er sich auf jene Eigenschaften, die für viele Menschen tagtäglich relevant sind: Platz, Komfort, Alltagstauglichkeit und ein vernünftiges Preis-Leistungs-Verhältnis.
In einer Zeit, in der viele Fahrzeuge immer stärker um Aufmerksamkeit kämpfen, wirkt diese Form der Ehrlichkeit beinahe erfrischend.
Und vielleicht ist genau das die größte Qualität dieses Citroën.
Technische Daten Citroën C3 Aircross Hybrid 145 MAX
| Merkmal | Wert |
|---|---|
| Motor | 1,2 l Turbo-Benziner + 48V Hybrid |
| Systemleistung | 145 PS |
| Drehmoment | 230 Nm |
| Getriebe | 6-Gang-Doppelkupplung |
| Antrieb | Vorderrad |
| 0–100 km/h | 9,1 s |
| Höchstgeschwindigkeit | 201 km/h |
| Verbrauch WLTP | 5,3–5,4 l/100 km |
| Testverbrauch | 6,1 l/100 km |
| Länge | 4.395 mm |
| Breite | 1.850 mm |
| Höhe | 1.633–1.660 mm |
| Radstand | 2.670 mm |
| Kofferraum | 460–1.600 l |
| Sitzplätze | 5 (optional 7) |
| Anhängelast gebremst | 1.250 kg |
| Leergewicht | 1.451 kg |
| Preis Österreich | ab 19.660 € (Baureihe) |
| Testwagen | Hybrid 145 MAX ab 28.720 € |





































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