MOTORWELT

Formel E Miami

Nach dem Triumph von Mexiko folgt die Realität

Der dritte Saisonlauf der ABB FIA Formel-E-Weltmeisterschaft in Miami fiel sportlich ernüchternd aus – gerade im Kontrast zum vorherigen Rennen. Auf dem Miami International Autodrome verhinderten Regen, wechselnde Bedingungen und ein enges strategisches Fenster ein zählbares Ergebnis für die Stellantis-Marken.

Citroën Racing: Vom Maßstab in Mexiko zum Nuller in Miami

Nach dem Triumph in Mexiko ist das Ergebnis von Miami ein klassischer Formel-E-Kontrapunkt. Beim Mexico City E-Prix gewann Citroën Racing bereits im zweiten Rennen nach dem Einstieg in die Serie:
Nick Cassidy siegte nach einer kontrollierten Aufholjagd vom 13. Startplatz, nutzte seine Attack-Mode-Phasen taktisch präzise und übernahm mit Energievorteil in der zweiten Rennhälfte die Führung. Mexiko war ein Lehrbeispiel für Timing, Effizienz und strategische Disziplin – und brachte Citroën an die Spitze der Fahrer- und Teamwertung.

Miami verlief spiegelverkehrt. Trotz starker Trainings- und Qualifying-Leistungen ließ sich die vorhandene Pace im Rennen nicht in Positionen ummünzen. Cassidy startete von Rang sieben und beendete ein von Safety-Car-Phasen und wechselnden Gripverhältnissen geprägtes Rennen außerhalb der Punkteränge. Jean-Éric Vergne arbeitete sich von weit hinten nach vorne, blieb aber ebenfalls ohne Ertrag.
Der Unterschied zu Mexiko lag nicht im Grundspeed, sondern im Kontext: In Miami entschied nicht das Energiemanagement, sondern die Frage, wer im richtigen Moment im richtigen Reifen- und Set-up-Fenster unterwegs war.

Photo Julien Delfosse / DPPI

DS Automobiles: Punktelos – historisch die Ausnahme

Auch DS PENSKE blieb in Miami ohne Punkte. Für einen Hersteller, der zu den erfolgreichsten der Seriengeschichte zählt – inklusive Fahrer- und Teamtiteln 2019 und 2020 – ist das erklärungsbedürftig, aber kein Hinweis auf einen Substanzverlust.
Die Performancebasis war vorhanden, doch Neutralisationen und strategische Kompromisse ließen keinen sauberen Rennverlauf zu. In der aktuellen Formel E genügt ein einziges verpasstes Zeitfenster, um mehrere Plätze zu verlieren – Miami war dafür ein exemplarisches Beispiel.

Einordnung

Der Vergleich der bisherigen Saisonläufe zeigt die Charakteristik der Serie deutlicher als jede Einzelanalyse:

  • São Paulo: Podium für Citroën
  • Mexiko: Sieg, Tabellenführung, strategischer Maßstab
  • Miami: Nullrunde unter Extrembedingungen

Miami relativiert damit nicht den Erfolg von Mexiko, sondern bestätigt ihn indirekt: Wer in dieser Meisterschaft gewinnt, tut das nicht dauerhaft über Pace, sondern über operative Präzision. Fällt eines dieser Elemente weg, wird selbst ein konkurrenzfähiges Paket sofort bestraft.

Photo Eric Alonso / DPPI

Meisterschafts-Zwischenstand nach Miami (3 von 16 Rennen)

Fahrerwertung

  1. Nick Cassidy (Citroën Racing) – 40 Punkte
  2. Pascal Wehrlein (Porsche) – 38 Punkte
  3. Jake Dennis (Andretti) – 37 Punkte

➡️ Cassidy bleibt trotz punktelosem Miami Gesamtführender.

Teamwertung

  1. Porsche – 71 Punkte
  2. Citroën Racing – 44 Punkte
  3. Mahindra – 38 Punkte
  4. DS PENSKE – 20 Punkte

➡️ Citroën weiterhin Zweiter der Teamwertung, DS in Reichweite.


Ausblick: Jeddah

Mit dem Doppelrennen in Jeddah folgt ein Wochenende mit stabileren äußeren Bedingungen. Dort wird sich zeigen, ob Citroën wieder an die strategische Klarheit von Mexiko anknüpfen kann – und wie schnell DS zu jener Konstanz zurückfindet, die die Marke über Jahre ausgezeichnet hat.

Fazit:
Nach dem Triumph von Mexiko wirkt Miami wie ein Rückschritt. Tatsächlich ist es die nüchterne Erinnerung daran, wie schmal die operative Marge in der Formel E geworden ist. Mexiko bleibt der Maßstab – Miami der Gegenbeweis.

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