Und die Rallye-Welt wird massiv bereichert
2026 steht Lancia wieder auf der Nennliste der Rallye-Weltmeisterschaft.
Mit dem Lancia Ypsilon Rally2 HF Integrale tritt die Marke in der WRC2 an. Kein symbolischer Auftritt, kein Retro-Event – sondern ein strukturiertes Programm mit international erfahrenen Fahrern, klarer Saisonplanung und professioneller Einsatzstruktur.
Parallel dazu: Trofeo Lancia im italienischen Championat, Engagement in der ERC, rund 50 verkaufte Rally2-Fahrzeuge im Kundensport.
Das ist kein Testballon, sondern vielmehr strategische Aufbauarbeit.
Und genau deshalb lohnt sich die Frage:
Ist das ein Comeback oder der Auftakt zu einer neuen sportlichen Offensive?

Eine Marke, die Rallye mitgeschrieben hat
Man muss sich vergegenwärtigen, worüber wir sprechen.
Lancia Fulvia HF – Monte Carlo 1972.
Lancia Stratos HF – das erste kompromisslos gebaute Rallyeauto, drei WM-Titel.
Lancia 037 – Heckantrieb gegen Allrad, Weltmeister 1983.
Lancia Delta HF Integrale – sechs Hersteller-Titel in Serie.
Dazu die Martini-Farben – mehr visuelle Identität geht kaum.
Lancia war nicht nur Teilnehmer.
Lancia war Taktgeber.
Rallye ohne diese Marke fühlte sich in den letzten Jahrzehnten immer ein wenig unvollständig an. Historisch amputiert.

Warum dieses Comeback mehr ist als Motorsport
Rallyesport ist die ehrlichste Form des automobilen Wettbewerbs. Keine Arena, keine perfekte Asphaltoberfläche, keine kontrollierte Laborumgebung. Eis, Staub, Hitze, Nacht, Asphaltwechsel, Materialverschleiß.
Hier wird Substanz sichtbar.
Für eine Marke, die sich neu positionieren will, gibt es kaum eine glaubwürdigere Bühne.
Motorsport erzeugt:
- technische Legitimation
- emotionale Identifikation
- kulturelle Aufladung
Er ist kein Werbemittel.
Er ist Beweisführung.
WRC2 – bewusst gewählt
Die WRC2 ist kein Nebenprogramm. Sie ist das wirtschaftlich vernünftige, sportlich relevante Schaufenster der Weltmeisterschaft. International sichtbar, technisch anspruchsvoll, aber strategisch kalkulierbar.
Dass Lancia diesen Weg wählt – flankiert von Nachwuchsarbeit und Kundensport – deutet auf System hin.
Und System heißt: Man denkt weiter als bis zur nächsten Saison.

Die eigentliche Frage
Rallye kostet Geld. Viel Geld.
Niemand investiert auf WM-Niveau ohne strategische Perspektive.
Historisch war Lancias Motorsport immer mehr als sportliche Betätigung. Er war Image-Generator, Identitätskern, Differenzierungsmerkmal.
Wenn heute wieder HF-Modelle im Portfolio erscheinen und parallel ein WM-Programm startet, dann liegt eine Interpretation nahe:
Motorsport als Instrument zur Wiederaufladung einer Marke, die zu lange von ihrer Vergangenheit gelebt hat.

2026 wird zum Prüfstein
Nicht wegen einzelner Podiumsplätze.
Nicht wegen Schlagzeilen.
Sondern wegen der Konsequenz.
Schafft es Lancia, Wettbewerb, Produktstrategie und Markenbild miteinander zu verzahnen?
Wird aus dem Ypsilon Rally2 mehr als ein Sportgerät – nämlich ein Signal?
Wenn ja, erleben wir nicht nur die Rückkehr einer historischen Marke.
Sondern den Versuch, sportliche Identität neu zu definieren.
Und das ist – nüchtern betrachtet – deutlich spannender als jede einzelne Sonderprüfung.

















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