Der französische Konzern will zur europäischen Referenz der Automobilindustrie werden
Im Entwicklungszentrum der Renault Group in Guyancourt bei Paris hat der französische Automobilkonzern seinen neuen Strategieplan futuREady vorgestellt. Rund hundert internationale Journalistinnen und Journalisten – darunter viele Fachmedien sowie Vertreter aus dem Finanzbereich – waren vor Ort, weitere Kolleginnen und Kollegen weltweit zugeschaltet.
Im Mittelpunkt der Präsentation stand eine klar formulierte Zielsetzung von CEO François Provost: Die Renault Group will sich in den kommenden Jahren zur europäischen Referenz der Automobilindustrie entwickeln – mit wettbewerbsfähigen Produkten, moderner Technologie und hoher industrieller Leistungsfähigkeit.
Auffällig war dabei die nüchterne, sehr strukturierte Präsentation des Plans. Große Visionen oder Marketingfloskeln spielten kaum eine Rolle. Stattdessen setzte Provost auf eine klar definierte Strategie, die auf vier zentralen Säulen basiert.
Vier Säulen für die Zukunft
Der Strategieplan futuREady ist auf vier Kernbereiche aufgebaut:
Growth ready beschreibt eine umfassende Produktoffensive und den Ausbau der internationalen Märkte.
Tech ready steht für die technologische Transformation durch Elektrifizierung, Software und neue Plattformarchitekturen.
Excellence ready fokussiert sich auf höhere Effizienz in Entwicklung, Produktion und Lieferketten.
Trust ready wiederum stärkt die Zusammenarbeit mit Mitarbeitenden, Händlern, Partnern und Zulieferern.
Diese Struktur soll sicherstellen, dass Renault sowohl technologisch als auch wirtschaftlich wettbewerbsfähig bleibt – insbesondere in einem Umfeld, das zunehmend von neuen Wettbewerbern, schnellen Innovationszyklen und steigenden Investitionen geprägt ist.

Große Produktoffensive bis 2030
Kern des Plans ist eine umfangreiche Modelloffensive. Bis zum Jahr 2030 will die Renault Group 36 neue Fahrzeuge auf den Markt bringen. Davon entfallen 22 Modelle auf Europa, darunter 16 vollelektrische Fahrzeuge. Weitere 14 Modelle sind für internationale Märkte vorgesehen.
Die Marke Renault selbst soll langfristig wieder über zwei Millionen Fahrzeuge pro Jahr verkaufen. In Europa sollen die Verkäufe künftig zu 100 Prozent elektrifiziert sein, während außerhalb Europas etwa die Hälfte der Fahrzeuge elektrifizierte Antriebe erhalten soll.
Damit setzt Renault bewusst auf eine differenzierte Strategie für unterschiedliche Märkte – mit Elektromobilität als zentralem Element, aber weiterhin ergänzt durch Hybridtechnologien.
Solide finanzielle Basis für die Strategie
Auch wirtschaftlich versucht die Renault Group, die Transformation auf ein stabiles Fundament zu stellen. Finanzchef Duncan Minto betonte in Guyancourt, dass die Strategie nicht nur technologisch, sondern auch finanziell belastbar sein müsse. Ziel ist eine operative Marge von fünf bis sieben Prozent des Umsatzes sowie ein durchschnittlicher jährlicher Free Cashflow von mindestens 1,5 Milliarden Euro im Automobilgeschäft.
Die Ausgangsbasis dafür ist solide: Die Renault Group verkaufte 2025 weltweit rund 2,34 Millionen Fahrzeuge, verteilt auf die Marken Renault, Dacia und Alpine. Davon entfielen etwa 1,63 Millionen Einheiten auf die Marke Renault, rund 700.000 auf Dacia und erstmals mehr als 10.000 Fahrzeuge auf Alpine.
Vor diesem Hintergrund will Renault das Wachstum der Kernmarke deutlich ausbauen. Bis 2030 sollen über zwei Millionen Renault-Fahrzeuge pro Jahr verkauft werden – ein Plus von rund 23 Prozent gegenüber dem heutigen Niveau.

Kosten, Effizienz und neue Märkte
Ein zentraler Bestandteil der finanziellen Strategie ist daher eine konsequente Kostenkontrolle. Renault will die variablen Kosten pro Fahrzeug um rund 400 Euro senken und gleichzeitig die Produktionskosten elektrischer Modelle deutlich reduzieren.
Parallel dazu setzt der Konzern stärker auf Wachstum außerhalb Europas. Bis 2030 sollen mehr als zwei Millionen Renault-Fahrzeuge pro Jahr verkauft werden, wobei etwa die Hälfte der Verkäufe außerhalb Europas stattfinden soll.
Damit will Renault seine Abhängigkeit vom europäischen Markt reduzieren und zusätzliche Wachstumsimpulse vor allem in Regionen wie Indien, Südamerika und anderen internationalen Märkten nutzen.
Klar definierte Rollen der Marken
Innerhalb der Renault Group sind die Rollen der einzelnen Marken klar verteilt.
Renault bleibt das technologische Rückgrat des Konzerns. Neue Elektroplattformen, Softwarearchitekturen und digitale Fahrzeugkonzepte werden hier entwickelt und bilden die Basis für viele zukünftige Modelle.
Ein strategischer Ausblick wurde mit dem Renault Bridger gegeben. Das Fahrzeug ist für Indien und Lateinamerikavorgesehen und soll dort ab 2027 auf den Markt kommen. Der Bridger ist als robustes, geräumiges SUV konzipiert und basiert auf einer Architektur, die sowohl elektrifizierte als auch klassische Antriebe unterstützt.
Dacia bleibt innerhalb der Gruppe der Spezialist für besonders effiziente und preislich attraktive Mobilität. In Guyancourt präsentierte die Marke mit dem neuen Dacia Stoiker einen C-Segment-SUV, der diese Strategie weiterführt: robustes Design, viel Raumangebot, Hybridantrieb und ein Preisniveau, das dieses Segment für viele Käufer zugänglich machen soll.
Alpine entwickelt sich parallel dazu konsequent zur elektrischen Performance-Marke der Renault Group. Auf einer neuen Plattform arbeitet die Marke an einem der sportlichsten Elektrofahrzeuge im Konzernportfolio. Auch eine zukünftige elektrische Generation der legendären A110 spielt dabei eine zentrale Rolle.
Darüber hinaus bleiben auch Nutzfahrzeuge ein wichtiger Bestandteil der Konzernstrategie. Renault gehört seit Jahren zu den führenden Herstellern im europäischen Transportersegment und will diese Position mit neuen Generationen elektrischer Transporter weiter ausbauen.

Neue Plattformen und Softwarearchitektur
Technologisch setzt Renault stark auf eine neue Generation elektrischer Fahrzeugplattformen. Besonders im Fokus steht die kommende RGEV Medium 2.0 Plattform, die Modelle vom B- bis ins D-Segment ermöglichen soll.
Die Architektur basiert auf einer 800-Volt-Technologie, die deutlich kürzere Ladezeiten erlaubt. Gleichzeitig werden Reichweiten von bis zu 750 Kilometern WLTP angestrebt. Eine neue Batterieintegration („Cell-to-Body“) reduziert zudem die Anzahl der Bauteile und verbessert die Effizienz der Fahrzeuge.
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Digitalisierung. Renault entwickelt eine neue Softwarearchitektur rund um das Software Defined Vehicle. Dabei sollen künftig rund 90 Prozent der Fahrzeugfunktionen Over-the-Air aktualisiertwerden können. Gemeinsam mit Google entsteht zudem ein Android-basiertes carOS, das künftig eine zentrale Rolle in der Fahrzeugsoftware spielen soll.
Industrie wieder im Fokus
Neben Produkt und Technologie rückte Renault in Guyancourt auch die industrielle Basis des Unternehmens stärker in den Mittelpunkt. Der Konzern will Entwicklungszeiten deutlich verkürzen, Produktionsprozesse digitalisieren und die Effizienz der Werke weiter steigern.
Dazu gehören unter anderem KI-gestützte Qualitätskontrollen, digital vernetzte Lieferketten sowie eine stärkere Automatisierung in der Produktion.
Gerade diese Themen – Geschwindigkeit, Qualität und industrielle Effizienz – wurden in der Präsentation immer wieder betont. Denn sie entscheiden letztlich darüber, ob neue Technologien auch wirtschaftlich erfolgreich umgesetzt werden können.
Ein klar strukturierter Plan
Mit futuREady setzt die Renault Group den strategischen Weg fort, der mit der Renaulution-Strategie begonnen hat. Die Kombination aus großer Produktoffensive, technologischer Transformation und stärkerer operativer Disziplin soll den Konzern langfristig wettbewerbsfähig halten.
Ob Renault tatsächlich zur europäischen Referenz der Branche wird, wird sich erst in den kommenden Jahren zeigen. Der Eindruck aus Guyancourt ist jedoch klar: Der Plan ist präzise formuliert – und die Richtung für die kommenden Jahre eindeutig definiert.







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