MOTORWELT

BMW M2: Der Wolf, der auf den Schafspelz verzichtet hat

Rallye-Ass Achim Mörtl hat den BMW M2 Probe gefahren. Die Competition-Edition zauberte dem Kärntner mehr als ein Lächeln auf die Lippen.

Das große M, a bissl verziert mit hell- und dunkelblauen- sowie roten Streifen, war schon in meinen Jugendjahren Synonym für geile Kisten, eigentlich für geile BMW – Modelle, die irgendwie ein Must – Have in der kindlichen Welt darstellten. Und jetzt steht da ein M-Modell vor mir, der M2 Competition, und wartet förmlich darauf, genötigt zu werden – genötigt, um Spaß zu haben, um ein Lachen in das Gesicht des Fahrers zu zaubern. Wird er aber auch sein Versprechen halten können?

FOTO: Wolfgang Jannach Photography

Hockenheimsilber – die Farbe, ist zwar noch immer silber, soll aber wohl darauf hinweisen, dass es sich hier um ein sehr sehr sportliches Auto handelt. Was es ja im Grunde nicht braucht, denn zu muskulös, zu bullig steht der M2 da, um hier auch nur irgendwelche Zweifel aufkommen zu lassen. Die 19“er Felgen passen sehr stimmig zum Gesamtauftritt, auch die ausladenden Kotflügel, Auspuffsystem sowie Bremsanlage zeigen schon optisch wohin die Reise geht.

Dies setzt sich im Inneren fort, eine leichte Korrektur bringt mich in eine optimale Sitzposition, Lenkrad und Sitze passen auf Anhieb, geben ein gutes Gefühl und einen guten Halt! Überhaupt ist alles irgendwo dort, wo´s hingehört, merkt man ja erst, wenns alles instinktiv richtig machst! Also Startknopf, und los!

Auf der Autobahn noch kurz Zeit herumzuspielen, Apple Car Play, Fahrassistenzsysteme und sonstiger Schnick-Schnack gehören heute eh zur Standardausrüstung, mittels Bedienrad in der Mittelkonsole lässt sich alles auch leicht konfigurieren, selbst für mich einfach und logisch in der Menüführung. Und auf meiner Erkundungstour durch das Cockpit, gabs da noch so zwei kleine, ja fast unmerkbare Schalter, mit umso größerer Wirkung, wie sich später dann herausstellte. Fahrmodi war der eine, und man kam dann zwangsläufig zu „Sport plus“, wer braucht schon economic, und ESC der andere, und drückte man diesen länger als 3 Sekunden, warnte einem das Cockpit „ESC off… „ und unglaublich aber wahr, es war wirklich OFF, zu 100% off – Danke, dass es das noch gibt!

FOTO: Wolfgang Jannach Photography

Nachdem wir nun wissen, dass Stadt- und Autobahnverkehr funktionieren, und ja, ich bin auch mal im Economic – Mode gefahren, gilt es nun für den M2 Competition Farbe zu bekennen. Zu kurvig, zu wellig und zu steil die Bergstraße, die auf uns wartet, um hier nicht in Bedrängnis zu kommen. Kick Down, das 7-Gang Doppelkupplungsgetriebe schaltet brav zurück, und die 410PS, retrospektive 550Nm Drehmoment, drücken mich recht ordentlich im Sitz und die 1600 kg recht ordentlich nach vorn. Der Motor dreht schön aus, den Gangwechsel schnell und kaum merkbar, und der Schub hört nicht auf, und nach nicht mal 4,5 Sekunden steht die Nadel knapp übern 100er! Zeit zu bremsen, nicht nur wegen dem Freund und Helfer, sondern auch wegen der anstehenden Kurve. A bissl warten, um dann doch spät und hart gleich mal die Bremswirkung zu testen. Und die Verzögerung passt, vielleicht könnte das Feedback noch ein wenig direkter sein, aber da jammern wir jetzt schon auf sehr hohen Niveau. Tritt man dann mehr als 5 mal ordentlich ins Pedal, wird der Pedalweg zwar etwas länger und weicher, ist aber bei Serienautos normal und ein wenig dem ABS zu verdanken!

Sehr hoch das Niveau auch beim Fahrverhalten, eigentlich fast unglaublich wie agil und sportlich der M2 Competition meinen Lenkkommandos auf der Vorderachse folgt. Millimetergenau lässt sich der M2 durch die Kurven zirkeln, selbst kleine Korrekturen der Linie werden sofort umgesetzt, ein Auto wie ich es mag, das Heck fährt eh immer hinterher. Apropos Heck, hat man nicht selbst eine sehr feinfühlige und geschulte Motorik, sollte man auf die Funktion des ESC nicht verzichten, ist man beim zügigen Fahren doch immer am Arbeiten das Heck stabil zu halten. Das ist halt der Preis für eine sensationelle Vorderachse.

Speziell im Regen macht es dann noch mehr Spaß, die Drifts, natürlich nicht bewußt eingeleitet sondern wegen dem Hasen den ich ausweichen musste, können mit Unterstützung leichter Lenkkorrekturen mit dem Gaspedal gesteuert werden, aber wiederum, bitte nur wer es auch kann!

Einzig störend vielleicht die Schaltzeitpunkte beim Runterschalten, da hinkt die Elektronik immer wieder hinterher, ist aber kein Problem, die Schaltwippen sorgen für Abhilfe und ein wenig Rennwagenfeeling. Generell kann man auch auf das Doppelkupplungsgetriebe verzichten und den M2 Competition mit einer 6-Gang Handschaltung bestellen, was aus meiner Sicht aber absolut nicht notwendig ist – die Puristen unter Euch dürfen sich nun gerne mokieren.

Am Berg angekommen geht’s nun wieder retour, gemütlich um auch den Geist Zeit zu geben, alles zu reflektieren. Und ja, der BMW M2 Competition macht Spaß, uns gehört auf zweifelsohne auf die Auswahlliste der sehr sportlichen Spaßautos. Nicht ganz so auffällig wie andere, und auch nicht ganz so teuer wie andere, ist der M2 Competition aus meiner Sicht zu empfehlen.

Ach ja, einmal musste ich noch Lachen, im Prospekt stand 8,7 Liter im Überlandverkehr!!! Aber wem interessiert das schon bei einem M2 Competition?

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